Michaela Hinterholzer: „Habe drei gute Gründe, 2023 zu kandidieren“

Erstellt am 11. Mai 2022 | 05:52
Lesezeit: 5 Min
michaela hinterholzer
Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer wird bei der Landtagswahl noch einmal kandidieren.
Ein Grund dafür ist die Aussicht, dass 2026 eine Landesausstellung in Mauer und Amstetten stattfinden wird – und das ist ein Projekt, dass sie mit aller Kraft unterstützen will.
Foto: Knapp
ÖVP-Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer (63) über ihre politische Zukunft, schwierige Zeiten und eine Landesausstellung.
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NÖN: Viele im Bezirk fragen sich, ob Sie bei der nächsten Landtagswahl wieder kandidieren werden?
Michaela Hinterholzer:
Die Antwort ist ja. Nachdem ich mit der Landeshauptfrau ein intensives Gespräch geführt und ihr meine Überlegungen dargelegt habe, habe ich mich entschlossen, nochmals zu kandidieren. Ich habe drei gute Gründe dafür. Wir leben in schwierigen Zeiten. Auch wenn wirtschaftlich die Zahlen noch gut sind, gibt es Gewitterwolken – durch den Ukrainekrieg und die davon ausgelösten Teuerungen, aber auch durch weltweit eingeschränkte Materialflüsse und Zinssteigerungen. Und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sind sicher auch noch nicht ausgestanden. Gerade deshalb braucht es jetzt Kontinuität, Erfahrung und Beständigkeit in der Politik und die bringe ich nach 24 Jahren im Landtag sicher mit. Ich will in dieser schwierigen Phase weiterhin Verantwortung übernehmen.

Die angepeilte Landesausstellung in Mauer im Jahr 2026 ist vermutlich auch ein Grund, weiterzumachen?
Hinterholzer:
Natürlich. Das ist ein Herzens-Projekt, das ich gemeinsam mit anderen initiiert habe. Wir haben die Einreichunterlagen adaptiert und es gibt gute Gespräche mit dem Land. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Zuschlag für die Landesausstellung in Amstetten und Mauer bekommen. Ich glaube, dass das Klinikum in Mauer massiv unterschätzt wird. Psychiatrie ist ein wichtiges Fach, gerade in Zeiten einer Pandemie mit hoher psychischer Belastung und einer Zunahme von Burn-out. Leider sind psychische Krankheiten nach wie vor mit einem Stigma behaftet, darum ist es wichtig, das Thema zur Sprache zu bringen. Natürlich muss im Rahmen der Landesausstellung auch die Euthanasie in der NS-Zeit aufgearbeitet werden, da sind ja noch immer nicht einmal die Namen aller Menschen bekannt, die damals ermordet wurden.

Erfordert die Landesausstellung auch bauliche Maßnahmen im Klinikum?
Hinterholzer:
Mauer ist ein absolutes Architekturjuwel. Für den Bildungscampus sind schon Pavillons saniert worden, andere müssen dringend renoviert werden. Der Haupteingang ist derzeit ja gesperrt, weil das Gesims abbröckelt. Das Land hat hier auch einen denkmalschützerischen Auftrag, unabhängig von der Landesausstellung. Aber natürlich spielen die Finanzen eine Rolle. Wenn wir die Chance bekommen, werde ich das Projekt mit voller Kraft unterstützen. Das ganze Mostviertel hätte etwas von dieser Ausstellung – weil wir uns auch als Moststraße unter dem Aspekt ,gesundes Leben in intakter Naturlandschaft‘ stark einbringen könnten.

Sie haben noch einen dritten Grund genannt, warum Sie wieder kandidieren?
Hinterholzer:
Ja, und das ist die geforderte Pflegereform. Die ist mir als Präsidentin des NÖ Hilfswerks ganz wichtig. Es muss gelingen, die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal zu verbessern. Da geht es nicht nur um das Gehalt, sondern auch um die Planbarkeit der Dienste. Die ist derzeit nicht mehr gegeben, sondern die Leute müssen immer wieder einspringen, auch am Wochenende. Wir müssen die Pflege zu einem modernen Beruf entwickeln und dazu bedarf es auch einer Attraktivierung der Ausbildung. Im Klinikum Mauer haben wird mit der Zusammenführung der drei Pflegeschulen der Region zu einem Bildungscampus einen richtigen Schritt getan, aber unser Ziel ist auch eine Fachhochschule. Die Pflegereform wird kommen, der Minister hat schon für Sommer etwas angekündigt und da will ich als Hilfswerkpräsidentin am Verhandlungstisch mitarbeiten.

Von konkreten inhaltlichen Themen abgesehen. Was fasziniert Sie an der Politik?
Hinterholzer:
Dass man viele Menschen trifft. Gerade das hat mir in der Pandemie gefehlt. Ich habe natürlich die Verzweiflung und Angst der Leute gespürt, und nicht mit ihnen kommunizieren und Dinge ausreden zu können, das hat wehgetan. Videokonferenzen und Telefonate können das nicht ersetzen.

Es gab in den letzten Monaten auch viel Kritik an der Politik, vor allem bezüglich Pandemie-Management. Berechtigt?
Hinterholzer:
Da ist nicht alles optimal gelaufen, dazu stehe ich. Aber jeder in der Politik hat sich bemüht, das Beste daraus zu machen. Letztlich muss man den Virologen glauben und versuchen, praktikable Lösungen zu finden.

Das Bild der Politik hat auch durch die Vorkommnisse im Bund gelitten. Ist es überhaupt noch attraktiv, Politikerin oder Politiker zu sein?
Hinterholzer:
Es tut mir weh, wie das Bild der Politik momentan dargestellt wird, weil das Gros der Politiker nicht so ist und weil es dadurch künftig schwierig werden wird, noch junge Leute zu finden, die verantwortungsvolle politische Funktionen übernehmen. Jeder, der in der Wirtschaft gute Chancen hat, wird sich das nicht antun, zumal man ja auch viel von seinem Privatleben hergeben muss. Wir werden aber die Besten brauchen, um die Zukunft zu gestalten. In der Öffentlichkeit zu sein, ist nicht immer angenehm und dass du als Politikerin oder Politiker nicht Everybody’s Darling bist, ist klar. Manche Erwartungshaltungen lassen sich auch einfach nicht erfüllen.

Wann werden wir wählen? Vielleicht schon im September?
Hinterholzer:
Dafür gibt es derzeit keine Signale. Ich gehe davon aus, dass wir im Frühjahr 2023 wählen.

Wird es bei der ÖVP im Wahlkampf wieder heißen: Jede gegen jeden? Also, laufen um Vorzugsstimmen?
Hinterholzer:
Am System wird sich nichts ändern. Der Wahlkampf wird sehr intensiv und daher habe ich mir gut überlegt, ob ich kandidiere. Wir haben zwar Vollbeschäftigung, aber es sind eben viele Menschen durch den Ukraine-Krieg und die Pandemie verunsichert und fragen sich, was da noch kommt.

Was geben Sie ihnen zur Antwort, wie kann man ihnen Sicherheit vermitteln.
Hinterholzer:
Wir können vieles nicht beeinflussen. Putin ist nicht kalkulierbar. Wir alle wissen nicht, was er tun wird. Ich glaube aber, dass wir einfach auf unsere eigene Kraft vertrauen müssen. Damals, vor dem EU-Beitritt, gab es auch viele Befürchtungen, doch wir sind allen Herausforderungen mit Realismus begegnet und haben sie bewältigt. Das wird auch in Zukunft so sein, denn wir sind ein kluges und fleißiges Volk.

Abschlussfrage: Werden Sie fünf Jahre im Amt bleiben?
Hinterholzer:
Ich trete an, um die gesamte Periode zu arbeiten und zu gestalten.

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