Neustart nach der „großen Pause“. Die Pflichtschüler sind endlich zurück im Unterricht und sie freuen sich dabei. Ein NÖN-Lokalaugenschein in den Schulen. Schulbeginn

Von Josef Penzendorfer, Daniela Führer und Ingrid Vogl. Erstellt am 27. Mai 2020 (04:51)
Ankommen bei der Mittelschule Wolfsbach: Lukas Hartlauer, Julius und Jonas Winkler, Pia Steinlesberger und Direktorin Cornelia Wagner-Sturm (von links).
Penz

Aus dem Schulbus gucken einige Maskengesichter. Es ist 7.30 Uhr. Mittelschuldirektorin Cornelia Wagner-Sturm und Schulwartin Sonja Wutzel sorgen für geordnetes Betreten des Hauses unter Einhaltung des Mindestabstandes und auch für die vorgeschriebene Handhygiene im Eingangsbereich. Trotz Maske erkennen die Lehrkräfte ihre Schüler: In Wolfsbach ist schon fast wieder die Normalität des Schulalltages eingekehrt, wenngleich doch alles anders ist und die Schüler im Vorfeld des Wiederbeginns nach der „großen Pause“ ziemlich nervös, angespannt und ein wenig unsicher waren.

Pauli Ebner von der 2. Klasse der Volksschule Wolfsbach freut sich auf seine Klassenkameraden.
zVG

„Schulfrei bedeutete ja nicht lernfrei, wir waren mit den Eltern stets gut vernetzt, hatten eine engmaschige Betreuung, ob analog oder digital“, berichtet Cornelia Wagner-Sturm, die auch das rechte (Aus)Maß an gestellten Aufgaben betont. „Jetzt aber war es doch an der Zeit für den Wiederbeginn, und der ist problemfrei abgelaufen!“

Die Schulleiterin weiß auch den ausgezeichneten Kontakt zur Volksschule mit Gabriele Stockinger sehr zu schätzen. Bei der Festlegung der Schultage wurde auch auf Geschwisterkinder Rücksicht genommen. In den Mittelschulen Aschbach und Wolfsbach werden die Schülergruppen im pädagogisch sinnvolleren „Reißverschlusssystem“ gewechselt, um eine gewisse Kontinuität im Lernprozess zu wahren. Beide Schülergruppen haben jeweils denselben Stundenplan.

Anders an der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach, wo auch tageweise gewechselt, aber der jeweilige Tagesstundenplan beibehalten wird. „Die Pausen verbringen wir nach Möglichkeit im Freien, ansonsten werden sie zeitlich gestaffelt. Visuelle Hilfen erleichtern den Zugang zum Jausenkauf“, schildert Direktorin Jutta Feuerstein.

Die Vorgaben seitens des Bildungsministeriums und der Bildungsdirektion wurden in Konferenzen genau besprochen. „Jetzt ist wichtig, dass der Aufarbeitung von in der Coronazeit gemachten Erfahrungen Raum gegeben wird, dass Rückschau auf Lern- und Übungsprozesse gehalten, Offenes abgeschlossen oder vertieft wird“, ergänzt Feuerstein. Maximal befinden sich derzeit elf Schüler in einem Klassenraum, die zusätzliche Gruppe von zu betreuenden Schülern ist an allen drei Standorten verschwindend klein. In Seitenstetten wird zudem auch Nachmittagsbetreuung angeboten.

Lotsen sorgen für sicheres Ankommen

Nicht alles kann von den Behörden bis ins Detail geregelt werden, oft ist einfach Pragmatismus gefragt. So manch sinnvolle Entscheidung und Regelung muss folglich direkt am Schulstandort individuell getroffen werden. So an der Volksschule Seitenstetten aufgrund der Baustelle, wo Lehrkräfte und Direktor als Lotsen für ein problemfreies Ankommen sorgen. „Die ersten Schultage verliefen völlig unaufgeregt und ruhig“, versichert Schulleiter Franz Korn. Die Lehrer wissen die direkte Beziehungsebene (mit Abstand!) zu ihren Schülern wieder sehr zu schätzen, die Schüler sind durchwegs erfreut, wieder die gewohnte Schulgemeinschaft erleben zu dürfen, wobei es bis Schulschluss laut Direktorin Cornelia Wagner-Sturm eben ums Abrunden, nicht aber ums Anreißen geht.

Damit die Schüler der Volksschule Hauptplatz in St. Valentin den einzuhaltenden Abstand besser einschätzen können, brachten Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (rechts) und Stadträtin Andrea Prohaska (links) Direktorin Rita Aichholzer Ein-Meter-Poster von Babyelefanten.
Gemeinde

Ins selbe Horn stößt auch der Direktor der Mittelschule Amstetten, Gottfried Schulze: „Wir waren gut vorbereitet, was die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen betrifft. Unter den Schülern hat es auch überraschend gut mit den Abständen funktioniert “, betont er. Eltern, Lehrer und Schüler seien über den Betrieb vor Ort an der Schule sehr froh, erklärt Schulze weiter: „Zum Großteil gaben die Schüler an, sie seien in der Zeit zuhause zwar sehr gut begleitet worden, aber es sei jetzt doch besser, wieder mit den Lehrern in der Schule direkt arbeiten zu können.“

Babyelefanten als Hilfe für das Abstandhalten

Die Regeln werden auch von den jüngeren Schülern sehr gut eingehalten, wie die Direktorin der Volksschulen Euratsfeld und Ferschnitz, Anita Brottrager, berichtet: „Die Kinder nehmen die Regeln gut an. Sie erinnern einander sogar, Abstand zu halten oder den Mundschutz zu tragen“, erzählt sie. Auch in den St. Valentiner Volksschulen verlief der Neustart problemlos. Damit die Kinder aber den einzuhaltenden Sicherheitsabstand besser abschätzen können, stellten sich Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr und Stadträtin Andrea Prohaska mit einem besonderen Geschenk ein.

Sie überbrachten den Direktorinnen ein Meter große Poster von Babyelefanten, die im Eingangsbereich aufgestellt wurden. Weil Turnunterricht derzeit ja nicht stattfinden darf, will die Bürgermeisterin den Kindern auf ungewöhnliche Art und Weise Raum für Bewegung schaffen: „Ab dem 3. Juni sperren wir für ein Monat von 8 bis 11.30 Uhr die Schul- und Friedhofstraße.“