Welser Stadtjubiläum: Ein Wallseer Grabstein zum 800er. Bürgermeister-Grabstein aus Römischem Reich kehrt als Abguss von Wallsee zurück.

Von Peter Führer. Erstellt am 18. April 2021 (05:31)
Foto: ADIG – Archäologischer Dienst GesmbH 

2022 feiert Wels das 800-Jahr-Stadtjubiläum. Und plant dafür eine Ausstellung zur Historie der Stadt, in der auch daran erinnert wird, dass Wels schon vor 1.900 Jahren eine bedeutende Stadt mit Stadtrecht war. Prominenter Teil der Ausstellung wird ein Wallseer sein: „Publius Aelius Sextinus“.

Hinter diesem Namen verbirgt sich ein ehemaliger Welser Bürgermeister, dessen Grabstein im Zuge von Ausgrabungen entdeckt wurde. Der Grabstein, der später als Baustein bei seinem jetzigen Platz in der Römerwelt vermauert wurde, stammt aus dem fortgeschrittenen 2. oder frühen 3. Jahrhundert, wie Renate Miglbauer, Leiterin des Welser Kulturamtes, berichtet.

„Die Inschrift ist gerade für uns in Wels besonders interessant, weil es sich ausdrücklich um die Bezeichnung von P. Aelius Sextinus als Mitglied des Stadtrates und Bürgermeister von „Ovilava“ (Anmerkung: Wels) handelt“, erklärt die Expertin. „Ovilava“ wurde unter Kaiser Hadrian (117-138 nach Christus zur Stadt („municipum“) erhoben. Dies bedeutete für das römische Wels eine wesentliche rechtliche Besserstellung gegenüber einfachen Siedlungen und eine eigene Verwaltung samt einem Verwaltungsbezirk.

„Publius Aelius Sextinus ist bislang der einzige Bürgermeister aus der Zeit des ‚municipiums‘, den wir kennen“, führt Miglbauer zur Bedeutung aus. Doch wie landete der Welser Bürgermeister schließlich in Wallsee? Das sei prinzipiell nichts Ungewöhnliches, wie Miglbauer erklärt: „Man darf davon ausgehen, dass er mit seiner Familie vermutlich nach dem Ausscheiden aus dem Stadtrat von Ovilava in die Gegend von Wallsee gezogen ist, vielleicht ein Landgut erworben oder errichtet hat und dort den Lebensabend verbracht hat.“

„Publius Aelius Sextinus ist bislang der einzige Bürgermeister aus der Zeit des ‚municipiums‘, den wir kennen.“ Renate Miglbauer, Leiterin des Welser Kulturamtes

Um das Denkmal nun auch in Wels präsentieren zu können, wird – nach Abschluss einer Vereinbarung zwischen der Marktgemeinde Wallsee-Sindelburg und der Stadt Wels – ein Abguss angefertigt.

An den damaligen Fund des Grabsteines erinnert sich Klaus Nagelhofer, geschäftsführender Gemeinderat und seitens Gemeinde zuständig für das Römermuseum und Archäologie, zurück.

„Wir sind während Ausgrabungen im Jahr 2017 auf diese archäologischen Funde gestoßen. Dann haben wir Kontakt mit dem Bundesdenkmalamt aufgenommen und ein Baustopp wurde verhängt. Der Plan und die Vision waren dann, diesen Bereich zu überdachen, für die Römerwelt aufzubereiten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das ist dann mit der Eröffnung 2018 geschehen“, schildert Nagelhofer.

Vor Kurzem führte man auch einen 3D-Scan des Steines durch. So können die Daten archiviert werden, ohne direkt am Fundstück arbeiten zu müssen. „Das dient zur Dokumentation und mit den 3D-Daten könnten wir zum Beispiel auch Miniaturen anfertigen und diese vielleicht in der Römerwelt als Give-Away anbieten“, so Nagelhofer.

Das Spannendste sei, dass es sich beim 1,2 Meter mal 1,2 Meter großen und fix verankerten Denkmal um die erste Nennung eines „Bürgermeisters“ um 200 nach Christus handle. „Offensichtlich gab es damals einen Wallseer, der Wels regiert hat. Aber wie das zustande gekommen ist, kann man heute natürlich nur mehr sehr schwer nachvollziehen“, sagt der Gemeinderat. Jedenfalls könne man in Wallsee stolz auf die eigene Geschichte sein, die mehr als 2.000 Jahre zurückreicht. Nicht nur als Römerort, sondern auch als bedeutender Ort für die Habsburger. Wallsee und Wels wollen diese Kooperation zum Anlass nehmen, um im Bereich der Römischen Geschichte die Kooperation zu intensivieren.

Übrigens: Die Gemeinde plant, die Römerwelt, sobald es Corona-bedingt möglich ist, wieder zu öffnen. „Wir haben mit der Römermünze ja auch eine optimale Möglichkeit, Familien den Zugang zu ermöglichen. Sobald es die Situation zulässt, soll der Besuch wieder möglich sein. Weitere Infos dazu gibt es unter www.roemer-wallsee.at “, verrät Nagelhofer.