Pflegepersonal rar im Bezirk. Alle drei Hilfsorganisationen suchen dringend zusätzliche Kräfte für die Hauskrankenpflege.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 29. August 2017 (05:34)
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Immer mehr Menschen nehmen die Dienste der Hilfsorganisationen in Anspruch. Doch diese plagen arge Personalsorgen.

„Wir suchen händeringend nach Personal“, bringt Pflegedirektorin Brigitte Neumüller vom Hilfswerk das Problem aller Hilfsorganisationen im Bezirk, die Hauskrankenpflege anbieten, mit wenigen Worten auf den Punkt. Es fehlt sowohl an diplomierten Pflegekräften als auch an Heimhilfen.

Grund dafür ist natürlich der ständig steigende Bedarf. Da spielt mit, dass die Menschen immer älter werden, aber natürlich auch die immer kürzer werdende Verweildauer in den Krankenanstalten, wodurch ebenfalls Pflegebedarf in den Privatbereich verlagert wird. Zusätzlich stehen die Hilfsorganisationen bei der Rekrutierung von Pflegepersonal natürlich auch in Konkurrenz mit den Spitälern – vor allem bei den diplomierten Kräften.

„Im Krankenhaus arbeitet man in einem Team und hat geregelte Arbeitszeiten. Bei uns ist ein hoher Grad an Eigenständigkeit gefordert und man hat nicht nur mit dem Patienten, sondern auch mit dessen Familie zu tun. Außerdem muss unser Personal oft lange Wege zurücklegen. Dafür sind aber unsere Dienstzeiten flexibler und wir bieten auch Teilzeitarbeit an. Das ist gerade für Wiedereinsteigerinnen in den Beruf oft ein Vorteil“, berichtet Hilfswerkpräsidentin Michaela Hinterholzer.

Dringend Personal gesucht

Bezahlt wird bei den drei Pflegeorganisationen nach Kollektivvertrag. Nicht zuletzt durch Nachtdienste und Zulagen ist der Verdienst für Spitalskräfte aber natürlich meist höher. Hinterholzer plädiert daher auch für eine Kollektivvertragserhöhung bei den mobilen Pflegediensten.

Das Hilfswerk steht mit seinen Sorgen nicht alleine da. Auch die Caritas, die im Bezirk die meisten Beschäftigten und Kunden im Bereich der Hauskrankenpflege hat, sucht dringend Personal. „Wir könnten sofort sechs neue Heimhilfen einstellen, wenn sich entsprechend ausgebildete Personen melden würden“, sagt Markus Lurger, Regionalleiter Mostviertel West. Heimhilfen unterstützen Patienten im Haushalt bei Besorgungen und Behördengängen und können unter Anleitung von diplomierten Kräften auch hygienische Maßnahmen leisten und den Kunden bei der Einnahme ihrer Arzneimittel behilflich sein.

Volkshilfe bietet Kurse für Heimhelferinnen an

Auch bei der Volkshilfe hat man „eklatanten Personalmangel in allen Bereichen“, berichtet Ilse Lenk von der Regionalleitung Mostviertel. Im Bereich der Heimhilfe bietet die Organisation daher inzwischen eigene Kurse in Ybbs an der Donau an. „Einen haben wir schon abgehalten, der nächste startet mit 25 Teilnehmern im September. Er dauert von Mitte September bis Mitte Dezember.“

Für Lenk kommt der immer dramatischer werdende Mangel an Pflegepersonal nicht wirklich überraschend. „Man hat in den letzten Jahren ja viele Pflegeschulen geschlossen, dass da einmal ein Einbruch kommen wird, war absehbar. Unsere Mitarbeiter versuchen jeden Tag, die fehlenden Ressourcen mit Höchstleistungen auszugleichen, aber jetzt ist der Punkt erreicht, wo es einfach nicht mehr geht“.

Ob die Hilfsorganisationen aufgrund der dramatischen Lage bereits Patienten ablehnen müssen und auf welche Maßnahmen – etwa seitens Politik oder AMS – man hofft, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der NÖN.