Putenmäster als Pioniere. Sechs Bauern errichten für ihre Tiere große Außenklimabereiche.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 09. April 2019 (07:35)
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Die sechs Putenmäster aus dem Bezirk (von links) Andreas und Andrea Nagelhofer (Oed), Franz Schwödiauer (Ernsthofen), Gerhard und Anita Schlögelhofer (Biberbach), Martin Kattner (Oed), Werner Brunmayr (Wolfsbach), Klaus Berger (Haag).

Sechs Bauern aus dem Bezirk Amstetten gehören zu den Pionieren für tierfreundliche Putenproduktion in Österreich. Für die Premiumproduktion des Diskonters Hofer sind sie dabei, sogenannte Außenklimabereiche für die Tiere zu errichten. Dort haben die Tiere Platz und frische Luft und sehen durch ein Windschutznetz ins Freie. „Für uns ist es eine gute Chance, unsere Produktion durch noch mehr Qualität vom Markt abzuheben“ sagt Werner Brunmayr aus Wolfsbach, einer der sechs Landwirte.

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Der Außenklimabereich bietet den Puten viel Bewegungsfreiheit, frische Luft und einen Blick ins Freie.

Die Puten können nach Belieben in den Außenklimabereich und wieder in die Ställe hinein gehen. In diesen wurden zudem erhöhte Aufsitzflächen montiert, sodass sich ranghöhere Tiere oben und untergeordnete unten aufhalten können. „Die ersten Erfahrungen zeigen, dass die Puten dies sehr gerne annehmen. Auf den erhöhten Flächen sind sie sogar im Laufschritt unterwegs. Man könnte fast meinen, sie nehmen Anlauf, um dann abzuheben“, sagt Martin Kattner aus Oed, der seinen Wintergarten schon ein Jahr lang in Betrieb hat.

In den Ställen stehen auch Strohballen, sodass die Tiere Stroh herauspicken, scharen und im Stroh wie in Sand baden können.

Wer sicher sein möchte, dass er Putenfleisch von einem der sechs Landwirte erwirbt, der muss im Diskonter zum FairHOF-Fleisch greifen. Da steht auch drauf, bei welchem Bauern die Pute gemästet wurde.

Niedrigere Besatzdichte als in anderen Ländern

Alle österreichischen Puten werden übrigens gentechnikfrei gefüttert. Zudem schreibt das Tierschutzgesetz eine maximale Besatzdichte von 40 Kilo pro Quadratmeter vor. In Europa sind 60 bis 70 Kilo üblich.

Die Tiere haben in den Ställen also wesentlich mehr Platz als in anderen Ländern und die Außenklimabereiche verschaffen ihnen zusätzliche Bewegungsfreiheit. Rund 150.000 Euro investiert jeder der sechs Landwirte. Sie freuen sich aber, dass hier ein Pionierprojekt gelungen ist – und hoffen natürlich, dass die Kunden die hochwertigen österreichischen Produkte im Supermarkt auch kaufen.

In Österreich gibt es rund 80 Putenmäster (14 davon im Bezirk mit 5.000 bis 15.000 Puten). Sie können nur rund 30 bis 35 Prozent des österreichischen Bedarfs abdecken, dennoch tun sie sich schwer, ihre Produkte am Markt unterzubringen, weil im Ausland billiger produziert werden kann. Wer sicher sein will, dass er österreichisches Putenfleisch erwirbt, sollte auf das AMA-Gütesiegel auf der Verpackung achten.