Ratscher nicht vor jedem Haus. In einigen Pfarren des Bezirks Amstetten wird die Aktion heuer nicht durchgeführt. Andere Pfarren warten noch ab oder machen Adaptierungen.

Von Josef Penzendorfer und Wolfgang Zarl. Erstellt am 24. März 2021 (05:56)

„Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß, den jeder Christgläubige beten muss. Fallt’s nieder, fallt’s nieder auf eure Knie, bet‘s drei Vaterunser und Ave Marie!“ Mit diesem alten Spruch sind auch heuer wieder viele Ratschengruppen im Bezirk unterwegs. Sie laden am Beginn der Karwoche wieder zum Besuch der Liturgie an den Kartagen ein. Die Ratscher „ersetzen“ dabei quasi die Kirchenglocken, die angesichts der Leiden Jesu ab Gründonnerstag schweigen (siehe Infobox). Ratschenkinder drehen hölzerne Rahmen von Ratschen schwungvoll im Kreis herum, sodass im Inneren ein Holzfedernblatt rund um ein Zahnrad rattert und dabei ein lautes, knatterndes Geräusch erzeugt wird.

„Lärm machen, das macht schon Spaß!“

Doch heuer stehen viele Gruppen in den Gemeinden vor der Frage, wie und ob man angesichts Corona die Tradition fortsetzen kann und soll. In Wolfsbach werden die Ministranten wieder unterwegs sein, die Besuche enden jedoch Corona-bedingt freilich vor der Haustüre. Sie freuen sich schon sehr auf diese Aufgabe. David Palmetshofer meint: „Einmal so richtig Lärm machen zu dürfen macht schon auch Spaß, und wir pflegen dabei ja auch die Kameradschaft untereinander.“

„Der Lohn für ihre Mühen waren früher Ostereier, Fleisch oder Ostergebäck, heutzutage bekommen sie meist ein wenig Geld, das für den alljährlichen Ministrantenausflug verwendet wird“, erzählt der Wolfsbacher Pfarrer Pater Jacobus Tisch. Ihm ist das Fortführen dieses Brauchtums ein großes Anliegen. Er sieht darin auch keinerlei gesundheitliche Gefährdung, bleiben die Kinder doch im Freien vor den Haustüren stehen und verkünden von dort mit viel Abstand ihre vorösterliche Botschaft.

Während die Ratschenkinder auch in der Pfarre St. Johann oder zum Beispiel in Neuhofen unterwegs sind, so verzichten Seitenstetten und St. Michael heuer aus Sicherheitsgründen ausnahmsweise auf diese schöne Tradition.

In weiteren Gemeinden wird es Adaptierungen geben. Die Salesianerpfarre Amstetten Herz Jesu wartet noch ab, geplant ist jedoch, dass die Kinder etwa im Familienverband losgeschickt werden. Natürlich auch hier immer unter Einhaltung sämtlicher Corona-Bestimmungen, wird betont. Zur Not heißt es wieder „Ratschen in Patschen“ wie im Vorjahr, als man zu den Gebetszeiten von zu Hause aus oder im Garten lautstark geratscht hat.

In der Pfarre Öhling sind die Ministranten am Karfreitag und am Karsamstag unterwegs, wobei wahrscheinlich nicht alle Gebiete abgegangen werden können.

Andernorts fällt das Ratschen heuer leider ins Wasser. Nicht geplant ist es zum Beispiel in der Pfarre St. Marien in Amstetten. Auch viele andere Pfarren sind noch unsicher, ob und in welcher Form die Aktion heuer umgesetzt werden kann.

Umfrage beendet

  • Findet ihr es schade, dass das Ratschen in manchen Orten ausfällt?