Schulreform: Kein Einser mit Sternchen. Das präsentierte Schulpaket wird von Schulleitern aus dem Bezirk unterschiedlich bewertet.

Von Peter Führer, Ingrid Vogl und Leo Lugmayr. Erstellt am 09. Oktober 2018 (05:39)
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Für die Schüler in der Volksschule gibt es ab der zweiten Klasse künftig wieder Noten von 1 bis 5.
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Die von Bildungsminister Heinz Faßmann präsentierten Eckpunkte seiner Schulreform sorgen bei Schulleitern aus dem Bezirk für unterschiedliche Einschätzungen.

In den Mittelschulen, bei denen künftig das „Neue“ wegfällt, wird die fünfteilige Notenskala wieder implementiert. Zudem schafft man mit „Standard“ und „Standard AHS“ zwei unterschiedliche Leistungsniveaus.

„Für unseren Standort ist die fünfteilige Notenskala ideal.“Gottfried Schulze, Direktor der Neuen Mittelschule Amstetten

Die Rückkehr zur fünfteiligen Notenskala befürwortet etwa Gottfried Schulze, Direktor der NMS Amstetten. „Die siebenteilige Skala war von Beginn an schwer in der Öffentlichkeit zu transportieren. Für unseren Standort sehe ich die fünfteilige Skala in jedem Leistungsniveau vorteilhafter, weil wir viele Schüler unterrichten, die noch nicht gut Deutsch sprechen oder nicht so begabt sind. Da kann man Fleiß und Bemühen auch mit guten Noten im Leistungsniveau „Standard“ mit Sehr gut oder Gut beurteilen und belohnen.“

Mit dem Klassenzugssystem von früher kann man den neuen Gesetzesvorschlag nicht vergleichen. „Man muss aber abwarten, wie die Rahmenbedingungen für die Leistungsniveaus festgelegt werden. Erfreulich ist, dass die Berichterstattung über die Mittelschule deutlich positiver wird.“

Manfred Pirkner, Direktor der NMS Blindenmarkt, erklärt diesbezüglich: „Das siebenteilige System war für Eltern schwer verständlich und wurde auch von sonst keinem Schultypus verwendet. Auch in der Wirtschaft hat man damit wenig anfangen können. Schulpolitik ist aber nicht unsere Sache. Wir haben umzusetzen, was das Gesetz vorschreibt.“ Es gelte aber noch abzuwarten, wie die Reform dann im Detail aussehen wird.

„Ein Rückschritt um dreißig, vierzig Jahre“

Deutlich kritischer zeigt sich Karl Dorfmeister, Direktor der Musikmittelschule Haag. „Bei den zwei Leistungsgruppen sehe ich ein großes Problem, denn das Teamteaching war eine großartige Sache und hat super funktioniert. Die Beurteilung mit der siebenstelligen Skala war am Anfang neu und unverständlich, aber wir wären jetzt so weit, dass sich das implementiert hat und auch bei den Eltern angekommen ist. Die jungen Kollegen sind mit dem System groß geworden und brennen dafür.“

Er sei froh, dass es für ihn das letzte Jahr seiner Tätigkeit ist und er mit dem neuen System „nichts mehr zu tun haben“ müsse. „Für mich ist das schon ein Rückschritt um dreißig, vierzig Jahre und wir kommen in die Nähe des Systems der Klassenzüge.“

Bei Volksschulleitern sorgt das Thema Noten und Sitzenbleiben ab der 2. Klasse Volksschule für viel Gesprächsstoff und wenig Gegenliebe. Eine klare Gegnerin dieser Maßnahme ist Rita Aichholzer, Direktorin der Volksschule St. Valentin/Hauptplatz. „Wir haben einen harten Weg hinter uns, um etwa das Sitzenbleiben zu vermeiden. Wir empfinden das als Rückschritt“, erklärt sie. Es sei „störend, dass in letzter Zeit vieles als Ho-Ruck-Aktion gestartet wird und nicht bei den Betroffenen – egal ob Lehrer oder Eltern – nachgefragt wird.“

Der Kritik stimmt Anita Brottrager, Direktorin der Volksschulen Ferschnitz und Euratsfeld, zu. „Eine Regierung setzt Reformen, die später wieder zurückgezogen werden. Dieses Vorgehen wird an den Schulen keine Probleme lösen.“ Sie sei neun Jahre Schulleiterin und habe „so viele Reformen gemacht, dass einem schwindelig wird. Es ist ohne Noten gut gegangen, auch wenn eine verbale Beurteilung für Lehrer viel aufwendiger ist. Das wird aber dem Kind gerechter“, unterstreicht sie.

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