Mauer , Amstetten

Erstellt am 01. November 2018, 06:36

von Stephanie Turner

Seelsorge: Bedarf ist heuer sehr hoch. Gerade in der Zeit um Allerheiligen wenden sich vermehrt Menschen mit ihren Problemen an Seelsorger.

Symbolbild  |  LightField Studios/Shutterstock.com

Die Tage werden kürzer und düsterer, auch die Sonne lässt sich nicht mehr so oft blicken, wie noch vor ein paar Wochen. Mit den bevorstehenden Feiertagen – Allerheiligen und Allerseelen – rückt nun auch das Gedenken an die Verstorbenen in den Vordergrund. Es ist also nicht verwunderlich, wenn mitunter auch die Stimmung darunter leidet.

Dass man sich mit seinen Sorgen und Problemen allerdings nicht alleine gelassen fühlen muss, zeigen zwei Amstettnerinnen, die in unterschiedlichen Bereichen der Seelsorge arbeiten.

Hoher Anstieg in der Zeit um Allerheiligen

Irmgard Bayrhofer kommt aus Mauer-Öhling und ist für die Online-Beratung der diözesanen Telefonseelsorge zuständig. Sie steht Ratsuchenden seit vier Jahren mittels Chat oder E-Mail Kontakt für Gespräche zur Verfügung.

Irmgard Bayrhofer kümmert sich um die Online-Beratung der Telefonseelsorge.  |  privat

„Wir bemerken schon seit Oktober einen ungewöhnlich hohen Anstieg an Onlineberatungen, gerade bei den unter 20-Jährigen. Diese machen normalerweise nur etwa ein Zehntel der Onlineberatungen aus, im Oktober war es ein Viertel. Das könnte vielleicht mit dem Schulanfang zusammenhängen, genau lässt sich das allerdings nicht sagen“, so die 52-Jährige.

In der Online-Beratung melden sich laut ihr großteils 20- bis 30-Jährige aus ländlichen Gebieten, vorwiegend in den Abendstunden. Bei den Themen handelt es sich sehr oft um Suizidgedanken.

„Über das Internet ist die Anonymität höher, deswegen trauen sich die Menschen wahrscheinlich auch eher Gedanken dieser Art zu äußern. Hier ist es besonders wichtig Empathie zu zeigen und den Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich ihre Sorgen von der Seele zu schreiben. Wir können zwar keine konkreten Ratschläge geben, aber wir können dennoch zuhören und die Menschen zu einem gewissen Grad begleiten“, erklärt Bayrhofer.

Zwei Drittel der Anrufer sind Frauen

Auch im Bereich der Telefonseelsorge gab es in den letzten Wochen einen starken Anstieg. Telefonisch suchen laut Leiterin Susanne Rasinger vor allem 45- bis 75-Jährige Rat, zwei Drittel davon sind Frauen.

„Gerade gegen Allerheiligen fangen viele an, über kürzlich Verstorbene und auch über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken. In den Telefonaten wollen wir Vertrauen schöpfen, zuhören und schließlich das Gespräch positiv beenden“, so die Leiterin.

Eine andere Art von Seelsorge betreibt Christine Winklmayr aus Amstetten. Sie ist bereits seit über 25 Jahren als Krankenhausseelsorgerin und Pastoralassistentin im Landesklinikum Amstetten tätig.

„Zu Allerheiligen fangen viele an, über Verstorbene und auch die eigene Vergänglichkeit nachzudenken.“Susanne Rasinger, Leiterin der NÖ Telefonseelsorge

„Gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besuchen wir Krankenhauspatienten oder betreuen Angehörige sowie natürlich auch das Ärzte-Team. Wir stehen für Gespräche zur Verfügung, bieten aber auch Kommunionen und Gottesdienste im Haus an. Gerade zu Allerheiligen zünden wir Kerzen für alle Verstorbenen des Jahres an, um ihrer zu gedenken“, so die 58-Jährige. Ziel sei es für Winklmayr zudem immer schmerzvolle Geschichten oder Erfahrungen ins Positive zu führen.

Christine Winklmayr ist Krankenhausseelsorgerin und Pastoralassistentin.  |  privat

Für jede Form von Seelsorge ist es wichtig, über Lebenserfahrung und Mitgefühl zu verfügen. Gleichzeitig muss auch eine gewisse Distanz gewahrt werden. „Es kann manchmal sehr schwierig sein, diese Distanz zu wahren. Ich denke, dass jeder Mensch die Verantwortung hat, mit dem eigenen Leben umzugehen und seinen Weg zu finden. Jedes Leben ist es wert, gelebt zu werden“, weiß Irmgard Bayrhofer.

Auch wenn nicht immer mit einem positiven Gefühl aus dem Gespräch herausgegangen werden kann, gibt es dennoch besondere Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben.

Sei es wie bei Christine Winklmayr eine Schulklasse, die einen kranken Mitschüler besucht oder wie bei Irmgard Bayrhofer eine ehemalige Ratsuchende, die sich für die aufmunternden Worte in Krisenzeiten bedankt – im Vordergrund steht immer die Liebe zum Menschen.