Täglich pendeln: „Komfort war früher höher“. Wer pendelt täglich wie und wohin? Die NÖN machte sich auf Spurensuche.

Von Peter Führer. Erstellt am 10. Dezember 2019 (03:34)
Weite Wege. Michael Hülmbauer ist einer von vielen Pendlern im Bezirk. Er sieht etwa bei der Bahnreise viel Verbesserungspotenzial.
Peter Führer

„Ich pendle seit 2000 ins NÖ Landhaus nach St. Pölten. Zuerst von Waidhofen an der Ybbs aus, seit 2010 von Greinsfurth in Amstetten aus. Die Zahl der Pendler ist zumindest gefühlt massiv angestiegen. Die Züge zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends sind immer voll. Manchmal gibt es nur noch Stehplätze“, erzählt der Greinsfurther Michael Hülmbauer (45). So wie ihm geht es vielen Menschen aus dem Bezirk. Sie legen als Pendler täglich mehr oder weniger Kilometer zurück, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Das ist vor allem in Landgemeinden, in denen es weniger Jobs für die Bevölkerung gibt, notwendig.

Zum Beispiel in Ennsdorf. Dort beträgt die Auspendlerquote (2017) 87,2 Prozent. Das ist der höchste Wert im Bezirk. „Ich denke, das hängt vor allem mit der Nähe zu Städten wie Linz oder Steyr zusammen. Dort arbeiten sehr viele unserer Bürger“, weiß Bürgermeister Daniel Lachmayr. Er betont aber auch, dass es zahlreiche „Einpendler“ gibt, die in Ennsdorf ihren Beruf ausüben. „Der Wirtschaftspark floriert zum Beispiel seit 15 Jahren. Bei uns sind zahlreiche Betriebe angesiedelt, die Jobs anbieten“, führt er aus.

Logischerweise ist die Auspendlerquote in Städten weit niedriger. Dort stehen ja auch die meisten Arbeitsplätze vor Ort zur Verfügung. In Amstetten liegt sie bei 45,1 Prozent (Stand 2017). Interessant ist allerdings, dass die Quote im Jahr 1991 noch bei nur 24,4 Prozent lag. „Der hohe Anteil der Auspendler liegt sicher an der sehr guten Anbindung an die Hauptverkehrsachsen. Die Amstettner genießen die Lebensqualität des urbanen Zentrums im Herzen des Mostviertels und nutzen die optimalen Anbindungen im öffentlichen Verkehrsnetz für die Wege zur Arbeit“, analysiert Bürgermeisterin Ursula Puch ebner.

Sie verweist darauf, dass man in der Stadt dank zahlreicher Betriebe zu den wichtigsten Einpendlerzentren Österreichs zähle. Täglich reisen mehr als 10.000 Menschen zu ihrer Arbeitsstelle nach Amstetten.

Verbindungsprobleme bei Anschlusszügen

Dass „Pendeln“ zwar oft häufiger, aber immer weniger angenehm wird, davon kann Michael Hülmbauer ein Lied singen. Die Auslastung der Züge sei heutzutage sehr hoch. Außerdem habe der Komfort in den Zügen stark abgenommen. „Früher konnte man in den Abteilwagen noch in Ruhe etwas arbeiten oder das Licht abdrehen und morgens noch etwas schlafen. Heute sind nur noch Großraumwagen mit schmalen harten Sitzen im Einsatz, wo allein schon durch die grelle Beleuchtung und auch den Lärmpegel der vielen Fahrgäste an Schlafen nicht mehr zu denken ist“, führt er aus. Für Arbeiten reiche der Platz oft nicht mehr aus. Für einen Komfort, wie es ihn früher gegeben hätte, müsste man heute schon Erste Klasse oder Business-Klasse reisen.

„Ein zweiter großer Minuspunkt sind Anschlüsse. „Die Verbindung zwischen dem Bahnhof Amstetten und dem Bahnhof St. Pölten funktioniert sehr gut. Bei den Anschlüssen sind aber oft längere Warte- und Stehzeiten möglich. Die Busanschlüsse in St. Pölten ins Landhaus würden seit der letzten Änderung des Fahrplanes überhaupt nicht mehr funktionieren. Hier wären morgens knappe 20 Minuten Wartezeit erforderlich. „In dieser Zeit kann der knapp zwei Kilometer lange Weg zum Landhaus auch zu Fuß oder mit dem Leihrad bewältigt werden. Man kommt dann je nach Jahreszeit und Wetter entweder nass vom Regen oder durchgeschwitzt ins Büro“, schildert Hülmbauer.

Er zieht das Fazit, dass Pendeln extrem unbequem geworden sei. Es bräuchte mehr Platzangebot und eine engere Taktung bei Anschlüssen. „Und wenn man mit dem Pkw zum Bahnhof fährt, dann wären gesicherte Pendlerparkplätze notwendig. Ich kann nicht jeden Tag zehn Minuten Parkplatz suchen, nur weil die für Bahnpendler vorgesehenen Stellplätze als Gratisparkplätze von Nicht-Bahn-Fahrern benützt werden“, ärgert sich Hülmbauer.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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