Teures Heizmaterial: „So schlimm war die Situation noch nie“

Erstellt am 03. August 2022 | 04:43
Lesezeit: 4 Min
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Roman Schneckenleitner, Meister der Gas-, Sanitär-, und Heizungstechnik im Lagerhaus Amstetten, gibt Tipps um Strom und Wasser zu sparen.
Foto: Brückner
Viele im Bezirk Amstetten fürchten sich schon in den heißen Sommermonaten vor einem kalten Winter. Denn egal ob man mit Gas, Öl oder Holz heizt, derzeit gehen die Preise für Brennmaterial durch die Decke.
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„Wenn man es diesen Winter warm haben möchte, sollte man rasch handeln“, sagt Heizungstechniker Roman Schneckenleitner vom Lagerhaus Amstetten. Auch der Seniorchef von Luger Trans, Johann Luger aus Ferschnitz, warnt vor dem derzeitigen Engpass: „Eine derart unstabile Lage in Bezug auf die Lieferung von Heizmaterial gab es schon lange nicht mehr.“

Trend: Wärmepumpen mit Photovoltaikanlagen

Viele Rohstofflieferanten haben ihren Betrieb in der Zeit der Lockdowns eingestellt.

Die Schwankungen in der Lieferung vor allem von Holz, das zu einem großen Teil auch aus dem Osten kommt, führen dazu, dass viele Betriebe im Ausland auf Pellets umgestiegen sind. Die Unternehmen mit übergroßen Heizwerken brauchen oft Unmengen an Pellets, die den heimischen Unternehmen fehlen. Die gesamte Infrastruktur in ganz Europa ist für derartige Situationen noch nicht ausgestattet.

Diese Faktoren wiederum haben Auswirkungen auf die Lieferzeiten und die Preissituation. Einigen Zulieferern an Brennmaterial wird auch vorgeworfen, den Vorrat an Heizgut zurückzuhalten, um den Preis für Brennmaterial noch mehr in die Höhe zu treiben. „Wir haben unsere Stammkunden mit dem Wissen über die kommende Preissteigerung bereits im Frühjahr aufgefordert, ihre Bestellungen für Heizmaterial abzugeben“, betont Seniorchef Johann Luger.

Diesen Tipp gab auch Roman Schneckenleitner seinen Kunden, denn wer früh bestellt, wird im Winter noch eine warme Wohnung haben. „Man sollte sich auch Gedanken darüber machen, ob man im Winter beispielsweise 24 Grad im Wohnzimmer braucht. Manchmal ist der Körper schon so an die wohlige Wärme gewöhnt, dass man alle Temperaturen darunter schon als kalt empfindet. Hier könnte man aber viel an Strom oder Warmwasser einsparen“, rät Schneckenleitner.

Die Heizung mit Stückholz ist dementsprechend mit Arbeit verbunden. Da kommt es schon mal vor, dass man zweimal am Tag Holz nachlegen muss. Die Zufuhr von Pellets in einer Pelletsanlage erfolgt üblicherweise automatisch.

Oft sind in einem Haushalt auch zwei Heizmöglichkeiten vorhanden. Zumeist sind dies eine Wärmepumpe und eine Stückgutheizung.

So kann man die unstabile Lage einigermaßen umgehen. Wenn die Preise für Strom unleistbar werden, kann man mit Holz heizen. Hat man keinen Zugang zu Holzgut, kann man wiederum mit Strom für Wärme sorgen.

Obwohl die bestellte Lieferung an Pellets und Briketts von den Lieferanten ungewiss ist, möchte Johann Luger seine Lieferanten nicht wechseln. „Wir haben eine hohe Qualität und diese soll für unsere Kunden gleichbleibend sein. Wir möchten nicht durch eine niedrigere Qualität an Heizmaterial unsere Kunden verlieren“, betont Luger.

Infrastruktur ist derzeitiger Lage nicht gewachsen

Den Öltank so aufzufüllen, das dieser den Jahresvorrat übersteigt, wird heuer nicht möglich sein. Die Kapazitäten sowohl an Öl, als auch an anderen Brennmaterialien sind eng und meist auf alle Stammkunden verteilt, damit im Winter keiner leer ausgeht.

Auch der Umstieg auf andere Heizanlagen geht nicht so rasch, denn die hätten schon längst bestellt werden müssen. „Bei Puffer- und Warmwasserspeicher hat man über ein halbes Jahr Wartezeit. Wer jetzt bestellt, wird also erst nächstes Jahr beliefert“, sagt Schneckenleitner. Auch die Hersteller sehen keine Entspannung der unstabilen Liefer- und Preissituation in der nächsten Zeit. Am gefragtesten sind derzeit Wärmepumpen in Kombination mit einer Photovoltaikanlage: „So kann man Strom bis zu 80 Prozent selber produzieren und heizt nahezu autark“, beschreibt der Meister der Gas-, Sanitär- und Heizungstechnik diese Kombination.

Nur: Vor diesem Winter geht sich der Umstieg kaum mehr aus.

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