Totengedenken heuer nur im Familienkreis. Corona macht heuer auch das Totengedenken schwierig und lässt keine größeren Andachten auf Friedhöfen zu.

Von Hermann Knapp, Katharina Kreisa und Heribert Hudler. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:08)
Das Vorbereitungsteam möchte mit dem Trauerweg in Amstetten eine Hilfestellung in der Trauer geben (von links): Pfarrer Siegfried Kolck-Thudt, Manuela Schwabe (Hospiz), Christian Köstler (PfarrCaritas), Sarah Schmid, Ernst Schmid und Pfarrer Peter Bösendorfer.
Caritas

Die Gräber zu besuchen und der Verstorbenen zu gedenken, gehört wesentlich zum christlichen Glauben, besonders an Allerheiligen und Allerseelen. Heuer wird es aber keine gemeinsamen Andachten auf den Friedhöfen geben. Die Bischofskonferenz ruft ob der steigenden Covid-19-Infektionszahlen dazu auf, die Gräber nur als Familien und in kleinen Gruppen zu besuchen. Gesegnet werden sie jedoch.

Wie so oft in diesem Coronajahr müssen die Menschen also auch im Glauben eigene Wege finden. In Amstetten bietet sich da auch ein Besuch des Trauerwegs in der Pfarrkirche St. Stephan bis 31. Oktober und danach in der evangelischen Pfarrkirche an. Mit vier Stationen wird zu einem persönlichen Weg durch die Trauer eingeladen. „Bei der Klagemauer geht es darum, den Schmerz auszudrücken, der See der Tränen steht für das Beweinen von Verlusten, die Steine am Weg der Erinnerung sind Einladung, nochmals Danke zu sagen, und die hoffnungsvolle Geschichte von den Glücksbohnen beschließt den Weg“, erklären Pfarrer Peter Bösendorfer und Pfarrer Sigfried Kolck-Thudt.

Besonders hart sind in diesem Jahr natürlich Familien getroffen, die Begräbnisse organisieren mussten oder müssen. „Die vielen Maßnahmen und Einschränkungen sind emotional fordernd und stellen eine zusätzliche Hürde für die Trauerfamilien dar. Wir versuchen, mit ihnen gemeinsam Lösungen zu finden, um die Trauerfeier so pietätvoll wie möglich zu gestalten“, sagt Elisabeth Kranzl von der Bestattung Tempora in Amstetten. Sie stellt fest, dass Feuerbestattungen zunehmen und das Interesse an alternativen Bestattungsformen steigt, etwa an Baum- und Flussbestattungen.

Rudolf Beer von der Trauerhilfe Beer in Neuhofen/Ybbs sieht die Bestattungskultur insgesamt im Umbruch. Es gäbe zwar noch im ländlichen Raum viele Familien, die an der Erdbestattung festhielten, aber ein Trend zu anderen Formen sei erkennbar – etwa auch zur Bestattung in der Friedbaumanlage, da es da keine Errichtungskosten zu tragen gibt und keine Pflege notwendig ist. „Wichtig ist, dass jeder Mensch seinen letzten Weg in Würde gehen kann“, sagt Beer.

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