Totengräber: "Weiß nie, was einen erwartet“. Robert Gattringer (59) ist Totengräber. Er berichtet über die vielen Herausforderungen des fordernden Berufes.

Von Peter Führer. Erstellt am 29. Oktober 2019 (04:35)
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Am Freitag ist Allerheiligen, am Samstag Allerseelen. Jene Tage, an denen bei vielen Menschen das Totengedenken eine ganz zentrale Bedeutung einnimmt. Damit verbunden sind viele Friedhofsbesuche.

Robert Gattringer (59), bei der Stadt Amstetten beschäftigter Totengräber, ist das ganze Jahr über mit dem Thema Tod konfrontiert. Wenn jemand verstirbt, ist er oft bei der Abholung des Leichnams dabei. Auch Bestattungen – ob in Gräbern oder mit der Urne – sind Teil seiner Aufgaben. Nicht zuletzt führt er auch Exhumierungen (Ausgraben eines bereits bestatteten Leichnams) durch. „Etwa, wenn ein Angehöriger den Leichnam in ein anderes Grab verlegen will, wird das gemacht. Das wird aber immer weniger. Insgesamt habe ich vielleicht zwanzig bis dreißig Exhumierungen gemacht“, schildert der 59-Jährige.

„Sterbefälle daheim kein Thema mehr“

Doch wie geht Robert Gattringer mit dem Tod – der in seinem Beruf allgegenwärtig ist – um? Immerhin ist er bei Unfällen und Todesfällen – egal an welchen Orten es zu diesen kommt – damit konfrontiert. „Wenn man wo hinfährt, dann weiß man nie, was einen erwartet. Es waren schon schwierigere Einsätze dabei, natürlich. Danach sprechen wir Kollegen noch einmal kurz darüber, dann ist die Sache aber abgeschlossen.

Das ist ganz wichtig, daheim sind die Sterbefälle kein Thema mehr.“ Es sei in den vergangenen Jahrzehnten aber leider auch vorgekommen, dass er – etwa bei Verkehrsunfällen – die Verstorbenen kannte oder mit ihnen befreundet war. „Das ist nicht leicht, aber man kann davor nicht davonlaufen. Ich habe auch früher immer, wenn ich zu einem Unfall alarmiert wurde, bevor ich von zuhause weggefahren bin, geschaut, ob die Schuhe meiner Kinder da sind. Als ich diese gesehen habe, war es zumindest ein bisschen leichter.“ Allergrößten Respekt habe er vor Einsatzkräften der Rettung und Feuerwehr. Diese müssen ja unter anderem Menschen aus Fahrzeugen befreien, die noch leben. „Sie machen noch mehr mit als ich“, weiß Gattringer.

Beim Umgang mit Angehörigen ist Pietät gefragt. Und Achtsamkeit. „Das größte Lob ist es, wenn Trauernde zufrieden sind. Passiert bei einem Begräbnis nur der kleinste Fehler, hängt einem das nämlich sehr lange nach.“

Mehr als 3.500 Gräber an zwei Friedhöfen

Neben seinen weiteren Tätigkeiten arbeitet Gattringer das ganze Jahr über daran, dass die Friedhöfe gut in Schuss sind. Besonders an den Tagen vor Allerheiligen. Zu seinen Aufgaben gehört es, den Wildverwuchs einzudämmen, Thujen zu schneiden und natürlich auch allfällige Reparaturaufgaben durchzuführen. Und das sowohl am Alten Friedhof (1.469 Gräber) als auch am Neuen Friedhof (2.069 Gräber). Dazu kommen noch insgesamt 872 „heimgefallene“ Gräber: Jene Grabstellen, deren Benützungsrecht erloschen ist.

Seit drei Jahrzehnten ist der gebürtige Greiner auf den Friedhöfen tätig. „Damals hat man mich gefragt, ob ich mir diese Arbeit vorstellen kann. Nach kurzer Bedenkzeit habe ich zugesagt“, erinnert er sich zurück. Bereut habe er die Entscheidung nie. Man könne den Job aber auch nur machen, wenn man die Unterstützung der Vorgesetzten, der Mitarbeiter und der anderen Abteilungen hat. „Die Zusammenarbeit funktioniert, da kann man nur Danke sagen“, unterstreicht Gattringer.

Seinen Ausgleich findet er beim Wandern, im Garten oder beim Tanzen. Ganz wichtig sind ihm Familie und Freunde. „Ich habe zwei Kinder und sechs Enkelkinder. Die Familie ist mein Ein und Alles. Ich freue mich schon, wenn ich im Ruhestand noch mehr Zeit mit ihnen verbringen kann.“

Dann wird sich die Stadt auf die Suche nach einem Nachfolger machen müssen. Derzeit gibt es in Amstetten drei Totengräber. Die NÖN fragte bei Friedrich Bühringer – Leiter des zuständigen Standesamtes – nach, ob es generell schwierig ist, Totengräber zu finden. „Ich denke, dass das in Zukunft nicht leichter wird. Die Arbeit ist nicht einfach, man ist bei jedem Wetter draußen und muss auch mit dem Tod umgehen können. Das Bild, das sich einem oft bietet, ist nicht immer angenehm. Etwa bei Exhumierungen. Gefragt ist auch ein pietätvoller und gepflegter Umgangston. Nur wenn jemand all das mitbringt, ist er für den Beruf geeignet.“

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