Umgangston: Wenn Emotionen am Fußballplatz durchgehen. Verband startet neue Initiative gegen negative Zurufe.

Von Bernhard Schiesser, Daniel Hartl und Raimund Bauer. Erstellt am 12. März 2019 (04:00)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sportplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Das scheint bitter nötig, denn vor allem bei den Jüngsten werden die Zwischenrufe immer mehr. „Teilweise sind die Eltern mehr nervös als die Kinder selbst“, erklärte Günther Kandutsch, Organisator der Champions Trophy (U10) in Hausmening. Bei dem Turnier sorgen die Veranstalter aber selbst dafür, dass unqualifizierte Zwischenrufe ausbleiben. Da hilft auch ein wenig die Infrastruktur in Hausmening. „Wir haben eine Laufbahn zwischen Tribüne und Spielfeld. Da entsteht eine gewisse Distanz. Außerdem dürfen nur die Trainer und Spieler auf das Spielfeld“, sagte Günther Kandutsch. Weiters wird auch in Gesprächen darauf hingewiesen, dass die Kinder Spaß am Fußball haben sollen.

Temperament ist entscheidend

„Manchmal sind eben die Eltern übermotiviert, weil ihre Kinder die Möglichkeit haben, gegen den Nachwuchs von Bayern München oder Juventus zu spielen. Da sind die Kinder oft weniger aufgeregt“, meinte Kandutsch, der aber selbst als Vater am Spielfeldrand negative Erfahrungen gemacht hat. Sein Sohn spielt im Nachwuchs des SK Rapid Wien. „Meistens kommt es zu Problemen nach einem Foulspiel. Bei einem Turnier in St. Pölten hätte es auf der Tribüne fast zu einer Schlägerei zwischen den Eltern geführt, nachdem ein Sohn schwer gefoult wurde. Da geht bei manchen das Temperament durch“, schilderte Kandutsch.

Weniger schroff geht es beispielsweise bei Landesligist Ardagger zur Sache. „Natürlich kommt es auch bei uns des Öfteren vor, dass sich Eltern verbale Entgleisungen leisten. Auch im Hinblick auf die Trainer werden hier das eine oder andere Mal untergriffige Wörter gewählt. Jeder Elternteil will natürlich das Beste für sein Kind. Im Zuge dessen gehen dann die Emotionen durch. Wir mussten allerdings noch nie eingreifen, weil es eskaliert wäre. Solche Dinge gehören natürlich nicht auf den Fußballplatz. Man wird aber nicht verhindern können, dass Leute emotional werden. Ich appelliere in dieser Hinsicht an den Hausverstand der Eltern auch im Sinne der Kinder“, erklärte Ardaggers Sektionsleiter Wolfgang Riesenhuber.

Auch Hollensteins Sportlicher Leiter, Jochen Birkner, hat bereits Erfahrungen mit übermütigen Zusehern: „Als ich ein Nachwuchsspiel gepfiffen habe, musste ich mir von außen einiges anhören. Mir ist das noch relativ egal, aber sobald es gegen Kinder gerichtet ist, geht das natürlich gar nicht. Da hat man als Verein dann auch entsprechend einzugreifen.“

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