Waldbrände: Vorbereitet, aber Gefahr ist gering. Während im Süden die Flammen ganze Landstriche verwüsten, ist im Bezirk Amstetten ein Ausbruch unwahrscheinlich.

Von Peter Führer. Erstellt am 18. August 2021 (04:28)
440_0008_8150207_ams33dar_waldbrand_amstetten_c_bfkda_am.jpg
Selten aber doch droht auch im Bezirk die Gefahr von Waldbränden. Hier standen im Jahr 2015 Feuerwehrmitglieder in Biberbach im Einsatz.
Bfkdo Amstetten

Die verheerenden Waldbrände in Nordmazedonien und Griechenland haben in den vergangenen Wochen dramatische Folgen in den betroffenen Regionen mit sich gebracht. Seit Juni gilt auch in Niederösterreich – trotz der häufigen Niederschläge – eine Waldbrandverordnung. Diese besagt, dass jegliches Feuerentzünden und Rauchen in Waldgebieten und deren Gefährdungsgebieten verboten ist. Übertretungen werden mit 7.270 Euro oder mit Freiheitsstrafe von bis zu vier Wochen bestraft.

Wie Bezirksförster Fritz Hinterleitner betont, gilt diese Verordnung zwar nach wie vor, die Gefahr eines Waldbrandes im Bezirk schätzt er jedoch als äußerst gering ein. Auch in Phasen mit anhaltender Trockenheit. „Das Gebiet bei uns ist wenig anfällig. Die Böden sind sehr wasserhaltig, das bedeutet, der Wald ist in relativ vitalem Zustand. Probleme könnte es eher bei Fichtenwäldern geben, aber auch hier ist das äußerst unwahrscheinlich. Einen Laubwald kann man hingegen fast nicht entzünden“, erklärt der Experte.

Wenn Waldbrände vorkommen, dann würde das eher in den Bergen passieren. Minimal gefährdete Gebiete gibt es allerdings auch in der Forstheide oder im Gemeindegebiet von Aschbach oder Wolfsbach. „Viel gefährdeter sind aber aufgrund der Bodengegebenheiten die Wälder im Waldviertel oder im Südosten von Wien“, sagt Hinterleitner.

Feuerwehren: Rüsten für alle Eventualitäten

Auch Stefan Schaub, Abschnittskommandant Amstetten Stadt, stuft im Bezirk die Gefahr von Waldbränden als gering ein. Diese hänge viel von den Böden ab, die zumeist in der Region auftretenden Lehmböden sind weniger allfällig. In Göstling oder Ybbsitz gebe es zum Beispiel allerdings andere Gegebenheiten. Als Vorbereitung gründeten die NÖ Feuerwehren den Sonderdienst Waldbrand, deren Mitglieder in Portugal und Tulln ausgebildet wurden. „Die Mitglieder werden über den Bezirk vorgeschlagen und ausgesucht und je nach Befähigungen eingeteilt“, führt Schaub aus.

Der Wind kommt als Faktor dazu

Für Waldbrände führten die Einsatzkräfte eine Schulung durch und behandelten dabei Fragen zu Löschtaktik, Gefahrenbereiche und Unterschiede zu Bränden bei Gebäuden. So kommt der Wind und die vielen Glutnester als große Komponente dazu.

„Eine besondere Herausforderung ist auch die Löschwasserversorgung. Im Wald gibt es kein Hydrantennetz, daher sehen wir uns an, wo wir wie zufahren können, welche Forstwege zur Verfügung stehen und welche Fahrzeuge verwendbar sind. Wir haben auch Quads angeschafft, die in diesen Gebieten zum Einsatz kommen können“, erklärt Schaub.

Entscheidend sei außerdem die Zusammenarbeit mit dem Sonderdienst Flugdienst, zu dem auch Hubschrauber des Bundesheeres gehören.

Einer, der zuletzt viel Erfahrung im Kampf gegen Waldbrände sammeln konnte, ist Bezirksfeuerwehrkommandant Rudolf Katzengruber. Er stand in Nordmazedonien im Einsatz. Dort konnte er aus erster Hand Eindrücke vom Kampf gegen Waldbrände sammeln.

140 Feuerwehrleute aus dem Bezirk in Nordmazedonien

„Den Auftrag, den wir hatten – die Feuer zu löschen – haben wir erfüllt. Insgesamt standen wir mit 140 Personen im Einsatz. Wir waren mit einem Logistik-Zug für Feldküche, Wasseraufbereitung, Transport sowie Dusch- und WC-Anlage vor Ort. Und auch der neue Waldbrand-Zug aus ganz Niederösterreich, der eine internationale Ausbildung erhielt, befand sich unter den Kräften“, verrät Katzengruber. Er berichtet zudem von ärmlichen Verhältnissen, aber viel Gastfreundschaft. „Wir sind wie Retter, wie Helden aufgenommen worden“, schildert der Bezirksfeuerwehrkommandant.

Durch den Einsatz habe man viel über den Kampf gegen Waldbrände gelernt. „Die slowenischen Einsatzkräfte haben gezeigt, wie man eine richtige Strahlrohrführung macht, sodass man zu 99 Prozent Löscherfolg hat. Wichtig ist, das Feuer kommen lassen. Außerdem ist der Einsatz von Gegenfeuer wichtig. Das heißt, dass man bevor die Feuerwalze kommt einige Bäume abbrennt. Das ganze soll die Ausbreitung eingrenzen, weil die Bäume nur einmal abbbrennen können“, führt Katzengruber aus.

Er unterstreicht – wie auch Abschnittskommandant Stefan Schaub –, dass im Bezirk Amstetten die Gefahr eines Waldbrandes zwar gering sei, aufpassen müsse man trotzdem. Insbesondere beim Zigarettenrauchen und bei Lagerfeuern, bei denen immer Wasser oder sonstiges Löschmaterial in der Nähe sein sollte.

Umfrage beendet

  • Waldbrandverordnung: Haltet ihr die Strafen bei Verstößen für angemessen?