Wegen Coronavirus: Stornos nehmen weiter zu

Erstellt am 10. März 2020 | 05:54
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Foto: APA/Georg Hochmuth
Im touristischen Bereich und bei Seminarbuchungen sind bereits negative Auswirkungen sehr deutlich spürbar.
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Bis Redaktionsschluss der NÖN am Montagmorgen gab es noch keinen Corona-Fall im Bezirk Amstetten. Die Auswirkungen des Virus sind aber trotzdem schon deutlich zu spüren. Unter anderem im touristischen Bereich oder bei Seminarbuchungen kommt es zum Beispiel vermehrt zu Stornierungen. „Ja, es ist spürbar und betrifft hauptsächlich Reisen aus Österreich oder Deutschland. Besonders bei den Seminaren gibt es vermehrt Absagen. Die Unternehmen sind zurückhaltender“, erklärt etwa Andreas Purt vom Mostviertel Tourismus.

Von spürbaren Auswirkungen berichtet auch die Seniorchefin des Restaurant-Hotels „Zum Grünen Baum“, Stefanie Wallner, in St. Valentin: „Wir hatten jetzt auch schon Stornierungen deswegen, zum Beispiel haben Italiener und Slowenen erst kürzlich abgesagt.“

„Wir können nur hoffen, dass sich die Situation bessert und haben Vorsichtsmaßnahmen getroffen.“ Maria Pihringer

Aber auch bei manchen Gästen, die sich aktuell in ihrem Haus aufhalten, gibt es verhaltene Reaktionen: „Wir hatten am Samstag bei unserer Feier zum Beispiel polnische Gäste bei uns im Haus, die wollten bewusst ganz alleine sitzen, weil sie so Angst hatten“, berichtet die Gastronomin. Ebenso zeigt sich die Angst der Kunden vor der Krankheit bereits bei Neu-Buchungen. „Wir haben mittlerweile einige Buchungen mit Fragezeichen, zum Beispiel von Leuten, die die Klam-Konzerte besuchen wollen.“

Da die Situation gegenwärtig so unklar und die Entwicklung schwierig abzuschätzen ist, wurde auch ein Bauprojekt im St. Valentiner Traditionsbetrieb vorerst verschoben: „Mein Sohn hat das Projekt, das für heuer geplant war, vorerst ein Jahr aufgeschoben. Man muss jetzt einmal abwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt“, sagt Stefanie Wallner.

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Stefanie Wallner berichtet von zunehmenden Ängsten bei den Kunden vor dem Coronavirus.
Foto: D. Führer

Beim Mostheurigen Pihringer in Winklarn bestätigt man ebenfalls die Entwicklung hin zu mehr Stornos. Zum Beispiel gab es solche von israelischen oder deutschen Besuchern. „Wir können nur hoffen, dass sich die Situation bessert und haben auch Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Wir bieten unseren Gästen jetzt verstärkt die Möglichkeit zum Desinfizieren an“, berichtet Maria Pihringer. Generell sei das Buchungsverhalten – auch für Termine im Herbst – derzeit sehr zurückhaltend.

Beim Relax-Ressort Kothmühle ortete man ebenfalls Auswirkungen. „Unsere Kunden sind sehr vorsichtig geworden, vor allem bei Seminaren mit internationaler Beteiligung. Da gibt es leider auch Absagen“, schildert Johannes Scheiblauer.

Naturfreunde sagten ihre Schiwoche ab

Die rigorosen Maßnahmen in Italien haben auch den Hausmeninger Natufreunden einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie wollten am Samstag eigentlich zu ihrer alljährlichen Schiwoche nach Pera di Fassa in Südtirol abfahren. 45 Teilnehmer waren angemeldet, zehn hatten schon kurzfristig wegen des Corona-Virus abgesagt. Am Samstag wurde die Reise dann insgesamt gecancelt. Die Situation rund um das Virus ist zu unübersichtlich, die Gefahr, dann womöglich in Italien festzusitzen, zu groß.

Arbeitnehmer müssen sich übrigens gut überlegen, welchem Risiko sie sich aussetzen. „Denn sie haben alles zu unterlassen, was direkt Einfluss auf die Arbeitswelt hat. Wenn ich mich bewusst und absichtlich in ein Gebiet, wo die öffentliche Meinung ist, dass da ein Risiko besteht, dann ist das mindestens leicht- oder sogar grob fahrlässig“, sagt der Leiter der Wirtschaftskammer im Bezirk Amstetten, Andreas Geierlehner. Er rät auf jeden Fall, derartige Reisen vorab mit der Firmenleitung zu besprechen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

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