Wenn Eltern um ein Kind trauern.... Seit zwölf Jahren helfen Maria und Wolfgang Fink Paaren, die mit dem Tod einer Tochter oder eines Sohnes fertig werden müssen.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 14. Mai 2019 (09:31)
Doris Schleifer Höderl
Maria und Wolfgang Fink aus Hausmening leiten im Mostviertel eine Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern. Sie haben selbst vor 32 Jahren ein Kind verloren.

Die wohl furchbarste Erfahrung für Eltern ist es, den Tod des eigenen Kindes erleben zu müssen. Maria und Wolfgang Fink sind betroffen. „Vor 32 Jahren haben wir unseren Zwillingssohn im Alter von sechs Monaten durch plötzlichen Kindstod verloren“, berichten die beiden Salzburger, die aus beruflichen Gründen vor fünf Jahren nach Hausmening zogen. „Für uns ist die Welt zusammengebrochen. Ohnmacht, Hilflosigkeit, aber auch Vorwürfe, die wir uns gegenseitig machten und die auch von außen an uns herangetragen wurden, haben uns lange regelrecht gelähmt. Dazu kam noch, dass meine Gattin bereits in ihrer ersten Ehe ihre sechs Monate alte Tochter durch plötzlichen Kindstod verlor“, berichtet Wolfgang Fink.

Das Paar machte eine schlimme Zeit durch. Bei Maria tauchte die Frage auf, warum der Sohn, den ihr Mann aus einer früheren Beziehung hatte, leben dufte, ihr gemeinsames Kind aber sterben musste: „Der Trauerprozess dauerte seine Zeit. Im Nachhinein gesehen hat uns diese bittere Erfahrung als Paar nur noch mehr zusammengeschweißt. Aber es hätte natürlich auch anders ausgehen können“, sagt Wolfgang Fink. Statistisch gesehen trennen sich mehr als 50 Prozent der Paare, nach dem Tod eines Kindes.

Selbsthilfegruppe im Mostviertel aufgebaut

Der Handelsangestellte im Außendienst und die pensionierte Sozialarbeiterin haben sich damals in ihrer Ausnahmesituation sehr allein gelassen gefühlt. „Ein Arzt der Neonatologie der Uni Klinik Salzburg organisierte dann aber ein Treffen für betroffene Eltern. Wir konnten es kaum glauben, dass der ganze Hörsaal bis auf den letzten Platz voll war. Wir dachten vorher, nur uns ist das Schreckliche widerfahren.“

Aus diesem Treffen formierte sich eine Selbsthilfegruppe im Bildungszentrum St. Virgil, die das Ehepaar Fink vor zwölf Jahren übernahm. Nach der Übersiedlung ins Mostviertel war es für die beiden Engagierten klar, auch hier eine Selbsthilfegruppe aufzubauen. „Wir kooperieren mit der Linzer Selbsthilfegruppe ,Trauernde Eltern und Geschwister‘. Derzeit finden unsere Gruppentreffen im Amstettner PDS Beratungszentrum statt. Unsere Selbsthilfegruppe ist übrigens im Dachverband der NÖ Selbsthilfegruppen gelistet.“

Im Laufe der Jahre haben die Finks – beide sind diplomierte Mentaltrainer für Kinder und Erwachsene, Wolfgang zudem zertifizierter Trainer für Erwachsenenbildung, Lebens- und Sozialberater sowie Paartrainer – mehr als 100 Eltern in ihrer Trauer begleitet. „Es war und ist uns wichtig, als Paar die Gruppentreffen zu leiten, da Frauen und Männer bekanntlich unterschiedlich mit Trauer umgehen.“ Nach wie vor seien es eher Frauen, die Hilfe suchten. „Dabei wäre es für die Männer genau so wichtig, weil die Gefahr besteht, dass man sich in der Trauer als Paar verliert.“

Nicht alleine mit dem schmerzlichen Verlust

In der Selbsthilfegruppe sind alle Mütter und Väter willkommen, die ein Kind durch Früh- oder Fehlgeburt, Abtreibung, Unfall, Erkrankung, Suizid oder plötzlichen Kindstod verloren haben. Sie können im geschützten Rahmen ihre Gefühle zulassen und über ihren Schmerz sprechen, und sie lernen andere Betroffene kennen, die mit diesem schmerzlichen Verlust zu leben gelernt haben.

„Alles, was in der Gruppe gesagt wird, bleibt auch dort. Es geht nicht darum, Ratschläge zu geben, denn keiner könne dem anderen sagen, wie er oder sie richtig trauert. Die Gemeinschaft kann aber helfen, eigene Entscheidungen zu finden“, erklärt Wolfgang.

Entscheidend sei, sich als betroffene Eltern nicht als Ausgestoßene zu sehen, die bloß Anteilnahme erfahren. In einer Selbsthilfegruppe gehe es vielmehr um wirkliche Teilnahme. „An ein Kind, das von einem gegangen ist, wird man immer denken. Ich habe für mich den Satz geprägt, dass jedes Lebensbuch seine Seiten hat – eines viele, ein anderes leider wenige“, sagt Maria Fink.