Wetterkapriolen: Blühendes Leben im Herbst

Pflanzen blühen bereits jetzt auf.

Peter Führer
Peter Führer Erstellt am 13. November 2018 | 03:55
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Wetter Spätherbst warm Blühendes Leben im Herbst
Eigentlich ist die Blütezeit der Rhododendren von Januar bis August. Aber auch diese Pflanzenart aus der Familie der Heidegewächse kann derzeit aufblühen. Foto: Führer
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Wie der Klimatologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Alexander Orlik, erklärt (siehe Im Gespräch), zeichnet sich das heurige Jahr durch eine lange Warmwetterperiode mit wenigen Niederschlägen aus.

„Wenn die Temperaturen so sind, wie sie sind, kann es schon sein, dass die Narzissen rauskommen.“Floristin Marianne Steinkellner

Der ungewöhnlich warme November wirkt sich nicht nur auf die Menschen aus. Während viele noch in der Vorwoche mit kurzen Hosen unterwegs waren und die Sonnenstrahlen genossen, zeigt sich auch die Pflanzenwelt von den höheren Temperaturen beeindruckt. Das zeigt der Blick in die Natur, wo viele Blumen zu einer Jahreszeit blühen, zu der das normalerweise nicht der Fall ist.

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„Wenn die Temperaturen so sind, wie sie sind, dann kann es schon vorkommen, dass Primerl und Hyazinthen blühen und die Narzissen rauskommen. Das ist aber nicht tragisch und auch in vergangenen Jahren schon öfter passiert“, klärt Marianne Steinkellner von der „Blumenstube Amstetten“ auf.

Problematisch könnte die Situation für die Pflanzen nur dann werden, wenn es schnell zu starkem Frost kommen würde und die Pflanzen nicht rechtzeitig davor mit Wasser versorgt sind. „Da kann es dann länger dauern, bis sie sich wieder erholen. Schwieriger ist die Situation aber im Frühjahr, wenn es, nachdem es schon warm war, wieder zu einem Kälteeinbruch kommt“, so Steinkellner.

Viel gießen gegen spätere Frostschäden

Für die derzeitige Lage empfiehlt sie, vor dem Frosteinbruch Pflanzen, die über den Winter im Außenbereich bleiben, noch viel zu gießen, um mögliche Frostschäden im Frühjahr zu verhindern.

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Die Floristin gibt zu bedenken, dass es bereits in der Vergangenheit öfter sehr warm im Herbst war. „Das hat es auch früher schon gegeben. Heuer ist aber besonders, dass die wärmeren Temperaturen schon so lange andauern und es eine starke Trockenheit gibt.“

„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon einmal einen so warmen November hatten“, sagt hingegen „Blumen Resi“ Theresia Streißelberger. Die Waidhofner Floristin fungiert in der Wirtschaftskammer als Vertrauensperson der Gärtner und Floristen im Bezirk Amstetten.

„Dass Frühlingsblüher wie Flieder oder Forsythien jetzt austreiben, ist abnormal.“Floristin Theresia Streißelberger

Auf die Arbeit der Floristen wirken sich die warmen Temperaturen in mehrfacher Weise aus. So würden manche Pflanzen durch die warme Witterung derzeit besonders schön sein, sagt Streißelberger und verweist auf den Hahnendorn (auch Weißdorn genannt). Negativ würden sich die hohen Temperaturen aber dann im Advent bemerkbar machen. „Bei den Weihnachtsgestecken wird traditionell Tannenreisig verwendet. Wenn dieses aber noch nicht gefroren ist, so wie das derzeit der Fall ist, fällt es ab“, führt die Unternehmerin aus. Die Floristik-Betriebe würden sich hier anpassen müssen.

„Auch wenn es für unser Handwerk natürlich angenehmer zu arbeiten ist, wenn es draußen noch nicht so kalt ist, sehe ich diese Entwicklung doch eher negativ. Dass aufgrund der warmen Temperaturen Frühlingsblüher, wie Flieder oder Forsythien, jetzt austreiben ist abnormal.“

Grundsätzlich seien auch die Gärtner und Floristen gefordert, respektvoll und wertschätzend mit der Natur umzugehen, hält Streißelberger fest. „Der Konsument erwartet oft, dass immer alles verfügbar ist und manche Floristikbetriebe bieten dann Pflanzen von weit her zu Schleuderpreisen an. Wichtig ist aber, dass auch Gärtner und Floristen auf saisonale und regionale Produkte achten sollten. Bewusstseinsbildung ist hier enorm wichtig.“