Amstetten

Erstellt am 14. Januar 2017, 06:24

von Hermann Knapp

Wirtschaft blickt auf 2017: „Stimmung ist nicht gut“. Auch 2017 Wachstum prognostiziert. Unternehmer bei Investitionen aber nach wie vor zurückhaltend. Trotz vieler Arbeitsloser suchen zahlreiche Firmen Mitarbeiter.

„Niederösterreichweit gibt es 1.000 Lehrlinge weniger pro Jahr. Im Bezirk Amstetten funktioniert das Lehrlingswesen noch, aber der Rückgang wird auch bei uns ein Riesenthema. Das beängstigt“, sagte Landtagsabgeordnete Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer beim Pressegespräch.
 
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„Früher hat man oft gesagt, dass Österreich das bessere Deutschland ist. Inzwischen ist das nicht mehr so. Im Vorjahr verzeichneten unsere Nachbarn ein Wirtschaftswachstum von über drei Prozent, also doppelt so viel wie wir“, sagt Wirtschaftsbundobfrau Michaela Hinterholzer. Zwar sei das Jahr 2016 mit einem Wachstum von über einem Prozent in Österreich immerhin schon ein Lichtblick gewesen – denn von 2012 bis 2015 habe die Wirtschaft stagniert – aber ein Grund zum Jubeln sei das noch lange nicht.

Breitband: „Brauchen es so rasch wie möglich“

Warum die Konjunktur nicht so richtig anspringen will, liegt für Hinterholzer auch in der allgemeinen Verunsicherung begründet, die in Österreich noch immer vorherrscht. „Viele Unternehmer scheuen sich deswegen, größere Investitionen zu tätigen. Dabei ist die Lage besser als die Stimmung“, diagnostiziert die VP-Politikerin.

„Der Bund sei nun gefordert, durch Anreize (vorzeitige Abschreibung, Investitionsprämie) nachzuhelfen. Das Land mache ja seine Hausaufgaben, besonders im Bereich des Breitbandausbaus. Die Gründung der Landesgesellschaft NÖGIG sei zwar vom Bund argwöhnisch beäugt worden“, so Hinterholzer, „doch inzwischen hat sich gezeigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Die Pilotregion Ybbstal beweist, dass eine Anschlussquote von 40 Prozent der Haushalte und Firmen durchaus realistisch ist.“

Im Bezirk sind inzwischen alle Gemeinden eifrig dabei, die Leerrohre für Glasfaserkabel zu verlegen, die ihnen die NÖGIG zur Verfügung stellt. Für Hinterholzer ist das auch notwendig. „Denn wir brauchen das schnelle Internet so rasch und so flächendeckend wie möglich“, sagt die VP-Politikerin.

Zunehmend mehr Privatpersonen würden von Zuhause aus arbeiten. Voraussetzung dafür sei eine Highspeed-Verbindung. „Im Grund ist der Bedarf in diesem Bereich genau so groß wie früher der, nach dem Ausbau des Telefonnetzes“, sagt die Wirtschaftsbundobfrau. Das dafür investierte Geld sei gut angelegt.

Viele Arbeitssuchende, viele offene Stellen

Paradox ist für Hinterholzer im Bezirk, dass es auf der einen Seite zwar noch immer sehr viele Arbeitslose gibt, auf der andren Seite aber auch zahlreiche Firmen, die vergeblich nach Mitarbeitern suchen. „In der Baubranche hätten wir ohne Zuzug aus dem Osten schon jetzt massive Probleme. Auch in unserem Betrieb gehen in absehbarer Zeit Leute in Pension und es ist nicht leicht, qualifizierte Nachfolger zu finden“, spricht die Unternehmerin da auch aus eigener Erfahrung. Es sei ja nicht einmal mehr im öffentlichen Bereich einfach, wo früher auf freie Stellen großer Andrang herrschte, Personal zu finden, berichtet Hinterholzer: „In den Landeskliniken fehlen uns zum Beispiel Küchenhilfen.“

Die Wirtschaftsbundobfrau sieht es als große Herausforderung im Jahr 2017 an, die Arbeitssuchenden und die Unternehmen zusammenzuführen. „Da ist zum einen natürlich das Arbeitsmarktservice gefragt, das seine Kurse noch besser auf die Anforderungen der Wirtschaft abstimmen muss, zum anderen sind aber auch die Betriebe gefordert. Denn dort, wo ein schlechtes Arbeitsklima herrscht, wird es schwer sein, neue Mitarbeiter zu finden. Das soziale Umfeld in den Firmen spielt in der Arbeitswelt inzwischen eine sehr wichtige Rolle.“

Bei den Arbeitslosen werde man sich, so Hinterholzer, künftig noch genauer anschauen müssen, warum sie keine Arbeit haben oder bekommen. Die Deckelung bei der Mindestsicherung und die Möglichkeit, Bezieher zu gemeinnützigen Tätigkeiten heranzuziehen, hält sie für richtige und wichtige Weichenstellungen.

Eine Forderung, die von der Wirtschaft auch immer wieder kommt, ist die Entbürokratisierung. „Da sollten wir einmal mehr alle unsere Gesetze durchforsten und schauen, was sich noch vereinfachen lässt“, sagt Hinterholzer.