Zukunftsmodell: Mehr Strom aus der Region

Erstellt am 06. April 2022 | 04:00
Lesezeit: 4 Min
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Grünen Strom erzeugen die Stadtwerke Amstetten außer beim Kraftwerk Allersdorf und der Restwasserturbine Greinsfurth auch bei der hier abgebildeten Ramsbachwehr an der Url.
Foto: Stadtwerke
Bezirk Amstetten: Mit Photovoltaik, Wasserkraft und Energiegemeinschaften geht es in Richtung Energiewende.
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Mit dem Ukraine-Krieg rückt die Abhängigkeit von Gas und Öl immer mehr ins Rampenlicht. Zudem soll der Ausbau Erneuerbarer Energie vorangetrieben werden. Viele Menschen und Gemeinden haben in den vergangenen Jahren in den Ausbau der Photovoltaik-Anlagen investiert.

Im Bezirk liegt seit Jahren Haidershofen an der Spitze der NÖ Photovoltaik-Rangliste und erzeugt mehr Strom als Haushalte verbrauchen. „Seit 2013 erzeugen wir im Verhältnis zur Einwohnerzahl den meisten Sonnenstrom aller Gemeinden“, ist Bürgermeister Manfred Schimpl stolz.

Haidershofen ist seit dem Jahr 2000 Klimabündnisgemeinde und setzte daher auch sehr bald auf Sonnenstrom. Bei der Sanierung der öffentlichen Gebäude wurde auch gleich immer eine Photovoltaikanlage mitberücksichtigt. „Es liegt an uns allen – Gemeinden, Privatpersonen oder auch den Firmen – sich hier einzubringen und erneuerbaren Strom zu liefern“, ergänzt der Ortschef.

Und die Firmen sind es auch, die in der Gemeinde den Großteil des Stroms erzeugen. Allen voran das Reitbauer Säge- und Mischfutterwerk, dessen Photovoltaikanlage eine der größten Auf-Dachanlagen Österreichs ist. Auf den bestehenden Firmenhallen mit rund 8.000 Quadratmetern Dachfläche werden bis zu 1.200 kWp Strom erzeugt. Damit deckt man 70 Prozent des eigenen Energieverbrauchs.

Überlegungen in Richtung Ausbau alternativer Energie gibt es auch bei der Firma Lisec. „Da wir in diesem Jahr in eine Erweiterung unseres Engineering Centers investieren, gewinnen wir zusätzliche Dachfläche. In weiterer Folge ist geplant, diese Dachfläche sowie weitere Dachflächen der jüngeren Gebäude für die Errichtung einer entsprechenden PV-Anlage zu nutzen“, erklärt Lisec-CEO Gottfried Brunbauer.

Regionale Fernwärme als mögliche Alternative

Es sei klar, dass man Strom als Energieträger auch künftig nicht ersetzen könne. „Diesbezüglich planen wir jedoch, schrittweise einen nennenswerten Eigenversorgungsanteil aufzubauen. Als zweiten Energieträger verwenden wir Gas für Heizung und Prozesswärme. Hier könnte langfristig die Nutzung der regionalen Fernwärme eine Alternative sein, wobei zuvor allerdings umfangreichere Anpassungen an die Infrastruktur erforderlich sind. Zusätzlich wollen wir bei zukünftigen Büroausbauten und -umbauten verstärkt auf Erdwärme als alternative Energiequelle setzen“, erläutert Brunbauer weiters.

Ein wichtiger Stromerzeuger in der Region sind die Stadtwerke Amstetten. Hier spielt neben der Photovoltaik auch die Wasserkraft eine große Rolle in Bezug auf Erneuerbare Energie. Jährlich produzieren die Stadtwerke Amstetten mittels Wasserkraft im Kraftwerk Allersdorf, bei der Restwasserturbine in Greinsfurth und bei der Ramsbachwehr rund 14,6 Millionen kWh Strom und weitere 600.000 kWh werden durch die Photovoltaik-Anlagen erzeugt. Damit kann man derzeit rund 20 Prozent des Jahresstrombedarfs der Stadtgemeinde Amstetten selbst erzeugen. Ein Drittel der gesamten Stromproduktion aus Wasserkraft geht an rund 5.840 Haushalte, der Rest an Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie etwa Schulen oder die Straßenbeleuchtung.

„Wir wollen mit der neuen ‚Energiegemeinschaft Region Amstetten’ alle Liegenschaftsbesitzer motivieren, da dabei zu sein"

Für die künftige Energieversorgung in der Region könnten auch Energiegemeinschaften eine wichtige Rolle spielen. So erlaubt es das Erneuerbaren Ausbau Gesetz, dass man Strom lokal handeln kann. „Wir wollen mit der neuen ‚Energiegemeinschaft Region Amstetten’ alle Liegenschaftsbesitzer motivieren, da dabei zu sein. Dass man Strom abnimmt, der lokal produziert wird, und auch verwertet. Den Strompreis legt die Gemeinschaft fest und bestimmt damit, was man bezahlt, aber auch, was man bekommt“, sagt gda-Obmann Anton Kasser. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Klima- und Energiemodellregion Amstetten und des gda. Derzeit sei man dabei, die Interessensbekundungen zu sammeln. Die Energiegemeinschaft soll ein Schritt Richtung Unabhängigkeit sein. Anschließen können sich alle, egal ob man Strom erzeugt oder klassischer Stromverbraucher ist. Man bleibe neben der Mitgliedschaft auch bei seinem Betreiber. Angedacht wird, dass die Energiegemeinschaft als Verein und damit ohne Gewinnabsicht gegründet wird. Voraussetzung für die Teilnahme ist der Smart Meter.

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