Zweiter Lockdown: Industrie strenger als die Behörden. Mit scharfen Maßnahmen kommt die Industrie in der Region Amstetten derzeit gut durch die Krise.

Von Otmar Gartler und Ingrid Vogl. Erstellt am 25. November 2020 (05:37)
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Auch die Industrie ist vom zweiten Lockdown betroffen. Aufgrund der meist hohen Anzahl der Mitarbeiter und spezieller Infrastruktur wie Betriebskantinen kämpft sie aber mit anderen Herausforderungen als der Handel.

Beim größten Dienstgeber der Region, der Amstettner Umdasch Group AG , hat man schon Anfang November die Sicherheitsmaßnahmen massiv verstärkt. Neben der Maskenpflicht – außer am Arbeitsplatz – wurde der Mindestabstand auf zwei Meter erweitert. Bei unbedingt notwendigen Besprechungen befinden sich maximal sechs Personen im Raum. „Ein Großteil der nicht in der Produktion tätigen Mitarbeiter ist in Homeoffice. Für externe Besucher mit Ausnahme des Kerngeschäfts ist das Betriebsareal gesperrt“, berichtet Pressesprecherin Evi Roseneder.

In einer eigenen Teststation auf dem Firmengelände werden wöchentlich die Mitarbeiter auf freiwilliger Basis getestet. Bis auf Weiteres gibt es Fortbildungsmaßnahmen nur online. Umgerüstet und erweitert – weniger Sitzplätze, mehr Abstand – wurde auch die Betriebskantine. Die Reservierung mit genauer Zeiteinteilung erfolgt online. Anders wie im Frühjahr, als die Baustellen eingestellt waren, läuft das Geschäft bei Doka weiter. Auch im Ladenbaubereich spürt man durch den Lebensmittelhandel keine negativen Auswirkungen.

„Die Maßnahmen funktionieren sehr gut und unsere Mitarbeiter sind sehr diszipliniert!“ Evi Roseneder, Umdasch

Der Lockdown bedeutet für Spritzgießmaschinenbauer Engel in St. Valentin vor allem logistische Herausforderungen. „Um den Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden nachzukommen, müssen wir den Betrieb im vollen Umfang aufrecht erhalten. Das bedeutet, dass wir in der Produktion noch strikter als von der Behörde vorgeschrieben, die Einhaltung der Sicherheits- und Hygienevorschriften überwachen“, erklärt Pressesprecherin Susanne Zinckgraf, dass die Mitarbeiter in allen Bereichen einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten.

In den Bürobereichen wurden zwei Drittel aller Mitarbeiter auf ein mobiles Arbeiten von zu Hause aus umgestellt. Kurzarbeit oder Stellenabbau sind im Moment kein Thema. „Ob einzelne Maßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt notwendig sein werden, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Die Frage ist, ob der Lockdown Auswirkungen auf das Nachfrageverhalten hat. Entscheidend sind hier aber vor allem die globale Entwicklung und mögliche Lockdowns in anderen Ländern, da wir in Österreich ja nur einen kleinen Teil unseres Geschäfts generieren“, betont Zinckgraf.

Steyr Traktoren-Produzent CNH Industrial in St. Valentin hat seit dem Ausbruch der Corona-Krise ein wichtiges Anliegen: die Gesundheit der Mitarbeiter. „Dies und die Aufrechterhaltung der Produktion sind für uns derzeit die obersten Ziele unserer Aktivitäten. Die Auftragslage ist gut und wir haben erst im Oktober die Tagesstückzahl erhöht. Die Produktion läuft auch während des Lockdowns – mit den seit Monaten umgesetzten Sicherheitsprotokollen für unsere Mitarbeiter“, sagt Presseprecherin Geraldine Ingram.

In den administrativen Bereichen wurde bei CNH schon vor den Anordnungen der Bundesregierung Telearbeit eingeführt. Kurzarbeit ist keine geplant. Im Gegenteil: „Wir sind dabei, für die Produktion noch Mitarbeiter einzustellen“, erläutert Ingram. Auch bezüglich längerfristiger Auswirkungen der Coronakrise „zeigen unsere Indikatoren eine positive Tendenz“, stellt sie fest.

Um durch die Covid-19-Pandemie zu steuern, hat man beim Glasbearbeitungsmaschinen Hersteller Lisec einen Maßnahmen-Stufenplan erstellt. In diesem Stufenplan werden unterschiedliche Bereiche wie Homeoffice, externe Besuche, Dienstreisen oder Rückkehr von Urlauben, Verhaltensregeln in der Kantine, aber auch der Mindestabstand und Maskenpflicht im Unternehmen sowie weitere wesentliche Aspekte in unterschiedlich strengen Abstufungen geregelt.

Es gibt eine genaue Vorgehensweise im Falle einer Infizierung eines Mitarbeiters beziehungsweise die Möglichkeit, sich am Betriebsgelände in einer eigens eingerichteten Test-Straße testen zu lassen. „Wir haben aus dem ersten Lockdown wesentliche Learnings mitgenommen, die wir nun einsetzen. Die Mittel der Online-Kommunikation werden nicht nur intern angewendet, wir setzen diese Möglichkeiten auch in Richtung unserer Kunden erfolgreich ein. So haben wir im Oktober eine virtuelle Messe veranstaltet, bei der wir eine sehr gute Resonanz und eine hohe Teilnehmer-Anzahl hatten“, berichtet Pressesprecherin Claudia Guschlbauer.

Der Auftragsrückgang aus den Monaten März bis Mai werde aber wohl nicht mehr aufzuholen sein: „Wir gehen davon aus, dass wir die wirtschaftlichen Auswirkungen 2021 noch spüren werden und rechnen frühestens ab 2022 mit einer robusten Erholung und eventuellen Nachholeffekten“.