Zivildiener sind heiß begehrt. Ostarrichi-Kaserne kann Kontingente weiterhin besetzen, obwohl Anzahl der Grundwehrdiener zurückging. Hilfsorganisationen befürworten Vorstoß von Ministerin Tanner.

Von Peter Führer. Erstellt am 08. März 2020 (04:54)
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Wie beim Roten Kreuz in St. Peter/Au werden beziehungsweise wurden in der Region von vielen Hilfsorganisationen Zivildiener eingesetzt. Von links: Michael Beranek, Philip Deinhofer, Alexander Gallmetzer und Alfred Maurer.
RKNÖ/Bohlheim/Archiv

Ab 2021 soll es – das erklärte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner – die Teiltauglichkeit geben. Damit will man darauf reagieren, dass bereits 30 Prozent der Stellungspflichtigen untauglich sind, und so die Anzahl der Grundwehrdiener erhöhen. Seitens des Bundesheeres erklärt Pressesprecher Oberst Michael Bauer, dass heuer österreichweit 17.500 junge Männer ihren Grundwehrdienst absolvieren. „Vor zehn Jahren hatten wir noch 47.000 Wehrpflichtige. Es gibt heute einfach weniger 18-jährige Männer“, erklärt er. Der Prozentanteil der Untauglichen sei relativ stabil bei 25 bis 30 Prozent.

„Können Kontingente weiterhin erfüllen“

Dass die Anzahl an Grundwehrdienern in den vergangenen Jahren zurückging, das bestätigt auch Oberst Rudolf Halbartschlager, Kommandant des Jägerbataillons 12 in der Ostarrichi-Kaserne. Die zugewiesenen Kontingente könne man jedoch weiterhin erfüllen. „Wir konzentrieren unsere Kräfte auf die Einsatzsoldaten. Deutlich weniger geworden sind die sogenannten Systemerhalter“, berichtet Halbartschlager.

Mit der Einführung der Teiltauglichkeit will Ministerin Tanner nicht nur für mehr Grundwehrdiener sorgen, sondern auch die Anzahl an Zivildienern erhöhen. Beim Roten Kreuz im Bezirk Amstetten befürwortet man die Idee. „In Amstetten sind wir mit 21 Zivildienern voll besetzt. Auch in St. Peter/Au gibt es ausreichend Interesse. In Haag tun wir uns aber zum Beispiel deutlich schwerer, immer ausreichend Interessenten zu finden. Es fehlt auch noch für die nächsten Einrückungstermine an Vormerkungen. Da könnte eine Teiltauglichkeit für die Gesamtzahl schon weiterhelfen“, erteilt Bezirksstellenleiter Herbert Haselsteiner Auskunft.

Für ihn ist aber klar, dass man auch beim Roten Kreuz als Zivildiener körperlich fit sein muss. „Wenn jemand schlechter hört oder sieht, dann ist das kein ausschlaggebender Grund. Allerdings müssen unsere Zivildiener die Patienten auch transportieren können“, verrät er. Wer sich für einen Zivildienst interessiert, könne sich jederzeit bei ihm melden.

„Zivildiener sind eine wertvolle Unterstützung, die Teiltauglichkeit ist sinnvoll.“Sabine Weidinger, Leiterin des PBZ Amstetten

Vier junge Männer versehen ihren Zivildienst derzeit beim Pflege- und Betreuungszentrum in Amstetten. Leiterin Sabine Weidinger befürwortet es, wenn künftig mehr junge Männer zur Verfügung stehen würden. „Das wäre toll. Für Oktober haben wir derzeit nur eine Vormerkung“, berichtet sie. Die Kräfte setzt man im Haus in allen vier Wohnbereichen ein. Es habe aber auch schon Zeiten gegeben, in denen man nicht voll besetzt war. „Die Zivildiener sind eine wertvolle Unterstützung, daher denke ich, ist die Teiltauglichkeit durchaus sehr sinnvoll“, argumentiert Weidinger. Einsetzen würde man die Helfer zum Beispiel beim Geschirrdienst oder am Nachmittag bei der Betreuung.

Davon, dass die Zivildienstleistenden einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, ist Haags Bürgermeister Lukas Michlmayr überzeugt. Er betont, dass man seitens NÖAAB/FCG bereits während der Arbeiterkammerwahl die Möglichkeit der Teiltauglichkeit forderte. „Die Rot-Kreuz-Dienststellen im Bezirk suchen dringend Zivildienstleistende“, weiß er, zugleich ÖAAB-Bezirksobmann.

Michlmayr war selbst lange beim Roten Kreuz in Haag nicht nur als Zivildiener, sondern auch als freiwilliger Rettungssanitäter für die Bevölkerung im Dienst. „Die hohe Zahl der Untauglichen hat auch Auswirkungen für den Zivildienst, wie man spätestens jetzt sieht. Zwar ist der Anteil der Zivildienstleistenden bei den Tauglichen in den vergangenen Jahren insgesamt gestiegen, durch die geburtenschwächeren Jahrgänge und den steigenden Anteil von Untauglichen geht aber auch die Zahl der Zivildienstleistenden zurück“, skizziert er die Situation. Auch nach Beenden des Zivildienstes würden sehr viele noch im freiwilligen Pool in den Organisationen bleiben und weiterhin einen enormen Beitrag leisten. „Ich freue mich, dass die neue Bundesministerin für Landesverteidigung, Klaudia Tanner, jetzt so stark die Teiltauglichkeit in Angriff nimmt. Diese Entwicklungen sind für uns äußerst positiv,“ so Michlmayr abschließend.

Er regt auch an, darüber nachzudenken, den möglichen Einsatzbereich für Zivildiener zu erweitern. So könnte man diese auch in Kindergärten einsetzen. „Wir reden immer davon, dass dort oft männliche Vorbilder fehlen, und es gibt auch immer wieder Anfragen von Zivildienern, die sich für einen Dienst in Kindergärten interessieren. Das ist rechtlich aber nicht möglich. Hier sollte man über Änderungen nachdenken und diese Möglichkeit schaffen“, führt Michlmayr aus.