Neuer soogut-Standort in Amstetten gesucht

Die Coronapandemie stellte den soogut-Sozialmarkt in Amstetten vor große Herausforderungen. Es kamen aber auch neue Kunden, die in Geldnot geraten waren.

Doris Schleifer-Höderl Erstellt am 13. Januar 2021 | 05:02
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Yurdagül Sahin ist seit 1. Jänner Marktleiterin vom soogut-Standort Amstetten. „Wir suchen dringend freiwillige Helfer und möchten, sobald die Pandemie es zulässt, unsere Küche wieder öffnen!“
Foto: soogut-Sozialmärkte/Oswald

Der soogut-Sozialmarkt in der Wagmeisterstraße 7 kam durch Covid-19 ordentlich ins Trudeln, wie Yurdagül Sahin berichtet. Die 41-jährige Amstettnerin ist seit Jänner Marktleiterin und war davor eineinhalb Jahre Marktleiter-Stellvertreterin.

„Treue ehrenamtliche Mitarbeiter stellten vorübergehend ihre Arbeitseinsätze ein, da sie altersbedingt zur erhöhten Risikogruppe zählen“, berichtet sie.

„Die Sorge, sich die Lebensmittel nicht mehr leisten zu können, war spürbar.“Yurdagül Sahin

Mithilfe von Studenten, Menschen, die vorübergehend vom Job freigestellt wurden, und auch Pensionisten, die sich nicht als erhöht gefährdet fühlten, konnte der Markt aber das gesamte Jahr über ohne Unterbrechungen offenhalten.

Das Herz des Amstettner soogut-Standortes, die Küche, ist derzeit geschlossen. Nur im Spätsommer und Herbst war da eine Öffnung möglich. „Da praktisch das gesamte ehrenamtliche Kochteam ausfällt, können wir leider auch keine Take-Away-Menüs anbieten“, bedauert Sahin.

Trotz aller Widrigkeiten wurden im Vorjahr, inklusive der Verkaufsstellen in St. Valentin, Waidhofen an der Ybbs und dem Verkaufsauto „Charly“, über 35.000 Kundeneinkäufe getätigt – 26.000 davon allein in Amstetten. Das sind um knapp 200 Einkäufe mehr als 2019.

„Die Coronapandemie stürzte viele Leute in Arbeitslosigkeit oder zwang sie zu Kurzarbeit“, sagt die Marktleiterin. „Menschen, die bisher nicht mit Geldnöten konfrontiert waren, kamen daher zu uns. Die Sorge, sich die Lebensmittel nicht mehr leisten zu können, war spürbar.“

Die Stadt versuchte, gemeinsam mit soogut zu helfen. Von April bis Juni wurden Amstettner in finanziellen Notsituationen, gegen telefonische Vorbestellung, einmal wöchentlich mit einem soogut-Lebensmittelkisterl unterstützt. Sie enthielten Grundnahrungsmittel, Obst, Gemüse, Käse, Wurst und Hygieneartikel. Insgesamt wurden knapp 780 Kisterl ausgegeben.

Seit Ende November können in Not geratene Amstettner, telefonisch beim Stadtamt, einmal wöchentlich Gutscheine im Wert von zehn Euro für den soogut-Sozialmarkt beantragen.

„Die Gutscheinaktion ermöglicht, selbst zu entscheiden, welche Produkte in den Einkaufswagen wandern und wirkt dem Gefühl des Almosenempfangs spürbar entgegen“, berichtet die Marktleiterin. Bis Ende des Jahres wurden knapp 160 Gutscheine ausgegeben, die Aktion wurde nun auch bis Ende Jänner verlängert.

Natürlich sorgten sich Yurdagül Sahin und ihr Team aufgrund der Schließung der Küche und des Ausfalls vieler Mitarbeiter auch um den Fortbestand des Marktes – und auch Kunden äußerten diesbezüglich Befürchtungen.

„Es wird soogut-Märkte auch weiterhin geben“

Der Geschäftsführer der SAM NÖ-GmbH, Wolfgang Brillmann, beruhigt da aber.

„Der Wegfall der Förderungen des AMS und in der Folge auch des Landes hat uns 2019 natürlich in eine heikle Situation gebracht. Es ist aber uns gelungen, durch harte Maßnahmen unser Unternehmen fast förderungsfrei zu erhalten. Wir haben eine 85-prozentige Eigenerwirtschaftungsquote und können den Kunden versichern, dass es uns auch weiterhin an allen zehn Standorten in NÖ geben wird. Unterstützungen, wie der fünfmonatige Mietzuschuss durch die Stadt Amstetten, helfen uns dabei natürlich sehr“, sagt er.

Brillmanns Wunsch wäre, dass auch Umlandgemeinden einen Beitrag zur Erhaltung des Marktes leisten, weil ja viele Kunden von dort kommen, großteils Alleinerzieherinnen und auch Pensionisten. „Wir bieten ihnen günstige Lebensmittel an und erfüllen somit eigentlich einen Auftrag der Politik. Noch mehr Unterstützung wäre daher natürlich willkommen.“ In Amstetten sucht man auch nach wie vor einen neuen Standort, zentral gelegen aber mit niedrigerer Miete.

Yurdagül Sahin ist es ein Anliegen, den Menschen die Scheu zu nehmen, im soogut-Markt Amstetten einzukaufen. „Zum einen sparen sie sich Geld für Miete, Heizung, Strom und Kleidung. Zum anderen leisten sie einen wertvollen Beitrag für unser Klima. Denn sie kaufen hochwertige und qualitativ einwandfreie Waren, die ansonsten entsorgt werden würden.“ Die Marktleiterin hofft auch weiterhin auf viele Warenspenden und „auf neue Kooperationsmöglichkeiten mit Firmen. Unterstützungen in Form von regelmäßigen Patenschaften wären eine gute Möglichkeit.“

Der soogut-Markt sucht dringend weitere freiwillige Helfer - auch für die Küche. Denn sobald die Pandemie es zulässt, wird diese wieder geöffnet.