Bildungscampus Mauer bietet 264 Ausbildungsplätze

Erstellt am 19. Mai 2022 | 14:04
Lesezeit: 6 Min
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Bei der Besichtigung der Klassenräume des neuen Bildungscampus in Mauer (von links): AMS-Bezirksstellenleiter Harald Vetter, Bildungsstadträtin Doris Koch, Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer, Susanne Gröschel von der LGA, Gabriela Polanezky von der Gesundheit Mostviertel GmbH und der Direktor des Bildungscampus, Christian Anders.
Foto: Hermann Knapp
Im Oktober wird der neue Bildungscampus im Landesklinikum Mauer, in dem die Pflegeschulen von Amstetten, Mauer und Scheibbs an einem Standort zusammengeführt werden, offiziell eröffnet. In Betrieb gehen wird er aber schon im September. Die Renovierung der vier Pavillons läuft auf Hochtouren. 16,8 Millionen Euro investiert das Land, um die Jugendstilbauten unter dem wachsamen Auge des Denkmalamtes zu sanieren.
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Eines der Häuser wird als Direktionsgebäude dienen. Dort werden die Schulleitung, das Sekretariat und die Bibliothek untergebracht sein und es wird 37 Arbeitsplätze für die Lehrkräfte geben. „In den drei anderen Pavillons werden elf Klassen mit 264 Unterrichtsplätzen zur Verfügung stehen. Auch einen EDV-Schulungsraum wird es geben, Gruppenräume und ein großzügiges Freiareal“, berichtet der Direktor des Bildungscampus Mostviertel, Christian Anders. Weiterhin genutzt wird am Areal des Klinikums ein fünfter Pavillon, der schon jetzt Verwendung als „dritter Lernort“ findet, wo die Schüler mit Übungen an ihre praktische Tätigkeit herangeführt werden – zum Beispiel beim Kathetersetzen.

Im Herbst startet eine einjährige Pflegeassistenzausbildung und eine zweijährige Pflegefachassistenzausbildung. „Zudem bieten wir erstmals die Pflegeassistenzausbildung auch berufsbegleitend über zwei Jahre hinweg an“, berichtet der Direktor. Auch diverse Sonder- und Spezialausbildungen wird man in Mauer absolvieren können.

Der Herbstturnus ist noch nicht ausgebucht, Infos für Interessenten gibt es unter: https://pflegeschulen-noe.at/

Steigender Andrang auf Pflegeberuf

Bei der Landesgesundheitsagentur ortet man grundsätzlich einen steigenden Andrang auf den Pflegeberuf. „An unseren zwölf Schulstandorten in NÖ haben wir in den Frühjahrslehrgängen 240 Bewerber aufgenommen. Wenn man bedenkt, dass wir 2021 80 Absolventen hatten, ist das ein deutlicher Trend nach oben“, sagt Susanne Gröschel, Leitung Strategie und Qualität Pflege in der LGA. Sie weist darauf hin, dass die Berufsaussichten der Absolventen sowohl im klinischen Bereich als auch in der mobilen Pflege sehr gut seien.

Das bestätigt auch ÖVP-Landtagsabgeordnete und Hilfswerk-Präsidentin Michaela Hinterholzer. „Wir decken mit 2.000 Mitarbeitern rund 50 Prozent der mobilen Pflege in NÖ ab und wir suchen derzeit 200 Leute in den unterschiedlichen Ausbildungskategorien.“

Gerade in den beiden Pandemiejahren sei das Pflegepersonal natürlich stark gefordert gewesen. „Und ich ziehe wirklich den Hut vor dem, was sie geleistet haben. Vor allem die hochansteckende Omikron-Variante hat es fast unmöglich gemacht, Freizeit oder Urlaub zu planen, weil immer wieder jemand für erkrankte Kollegen und Kolleginnen einspringen musste.“ Hinterholzer geht es aber vor allem darum, die schönen Seiten des Pflegeberufs hervorzustreichen. „Ich höre von meinen Leuten im Hilfswerk immer wieder, wie erfüllend ihre Tätigkeit ist. Pflege ist ohne Zweifel auch eine Herzenssache.“

Entwurf des Bundes zeigt gute Ansätze

Höchste Zeit ist es für die Hilfswerk-Präsidentin, dass der Bund endlich die Pflegereform auf Schiene bringt. „Mit fünf Gesundheitsministern haben wir drüber verhandelt, jetzt liegt zumindest ein Entwurf vor, der gute Ansätze zeigt, aber noch viele Schlagwörter enthält. Jetzt beginnt der parlamentarische Prozess. Realistisch ist, dass wir im Herbst tatsächlich ein Gesetz haben. Die angekündigte eine Milliarde Euro, ist aber immerhin schon etwas.“

Wie drängend die Reform der Pflegeausbildung ist, zeigt eine Studie der Donau-Uni Krems, wonach bis 2030 in NÖ 9.500 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden. „Das heißt, dass jeder fünfte Schulabgänger in den nächsten zehn Jahren einen Pflegeberuf ergreifen müsste, damit wir den Bedarf abdecken können“, betont Hinterholzer.

Niederösterreich hat eigenes Pflegepaket beschlossen

Niederösterreich ist deshalb auch schon vorgeprescht und hat ein eigenes Pflegepaket beschlossen, mit Kosten von 12 Millionen Euro jährlich. Die Ausbildungsplätze wurden um 400 auf 2.100 aufgestockt. Das Land übernimmt außerdem Studien- oder Schulgebühren für die Ausbildung zur Pflegeassistenz, zur Pflegefachassistenz sowie für angehende Gesundheits- und Krankenpfleger in Fachhochschul-Studiengängen. Und diese bekommen monatlich auch noch eine Prämie von 420 Euro für die Dauer der Ausbildung. Allerdings müssen sie sich dafür verpflichten, nach deren Abschluss ebenso lange in Niederösterreich in der Pflege tätig zu sein.

Zusätzlich gibt es für Personen, die eine Ausbildung in Fachkräftemangelberufen (wozu auch die Pflege gehört) machen, auch noch eine Förderung über ein Umsteiger-Programm des AMS. „Voraussetzung ist, dass sie in den letzten 15 Jahren zumindest vier Beschäftigungsjahre zusammenbringen. Dann haben sie Anspruch auf Arbeitslosengeld, mindestens aber auf 32,60 Euro pro Tag“, berichtet der Bezirksstellenleiter des AMS Amstetten, Harald Vetter. Zusätzlich hat die Regierung für Ausbildungen, die länger als vier Monate dauern einen Bildungszuschuss von vier Euro pro Tag beschlossen. Insgesamt kann also jemand, der auf einen Pflegeberuf umsteigen will, während der Ausbildung rund 1.400 Euro monatlich erhalten und ist auch pensions-, kranken- und unfallversichert.

Ein ähnlich hohes Stipendium sieht übrigens auch der Entwurf der Pflegereform des Gesundheitsministers vor. Wenn das Gesetz in Kraft ist, wird das NÖ-Paket in die Bundesregelung überführt. Alle Infos für Personen, die eine Umschulung überlegen, gibt es in den Berufsinformationszentren des AMS.

In den fünf Kliniken des Mostviertels gibt es derzeit 2.500 Pflegevollzeitstellen, die sich aber natürlich auf weit mehr Mitarbeiter aufteilen. „Gerade das ist für Gabriela Polanezky von der Gesundheit Mostviertel GmbH ein großer Vorteil dieses Berufs. „Denn wir haben sehr viele verschiedene Beschäftigungsmodelle. Man kann Teilzeit arbeiten, aber zum Beispiel auch mehr am Wochenende, wenn das für die Familie günstiger ist und es sind lange und kurze Dienstzeiten möglich.“

Kliniken benötigen bis 2027 neue Kräfte in der Pflege

Im Augenblick sind in den Kliniken der Region ausreichend Pflegekräfte vorhanden,. Da aber die Babyboomer-Generation in den nächsten Jahren in den Ruhestand geht, werden bis 2027 rund 500 neue Mitarbeiter im Pflegebereich benötigt. „Das heißt, wir müssen jedes Jahr zwischen 80 und 120 Absolventen und Absolventinnen in den verschiedenen Qualifikationen haben, um den Bedarf abzudecken“, rechnet Polanezky vor. Deshalb sei man besonders froh, nun den Bildungscampus im Landesklinikum Mauer zu haben, der es ermögliche, Pflegekräfte wohnortnah auszubilden.

Für Michaela Hinterholzer ist damit aber noch nicht der Endausbau erreicht: „Der ist erst geschafft, wenn es hier im Bildungscampus Mauer auch eine sechssemestrige Ausbildung für diplomierte Kräfte gibt“, betont die ÖVP-Politikerin.

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