Amstettner Bad-Debatte: „Nichts in Stein gemeißelt“. Schwarz-grüne Regierung verteidigt ihre Ideen und bittet Bürger, erst einmal die Pläne abzuwarten.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:09)
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„Man soll den Planer einmal in Ruhe arbeiten lassen“, fordert VP-Vizebürgermeister Markus Brandstetter in der Debatte um die Neugestaltung des Amstettner Naturbades. „Wir haben nur eingeschränkte Geldmittel zur Verfügung und müssen auch andere wichtige Projekte finanzieren, wie etwa die Neugestaltung der Innenstadt.“

Bei der Präsentation des schwarz-grünen Konzeptes sei es vorerst nur darum gegangen, einmal Ideen hinauszutragen. Nichts sei derzeit fix, abgesehen von den 14 Millionen Euro, die für die erste Bauphase zur Verfügung stünden. „Es ist nun wirklich Sache des Planers, mit den vorhandenen Mitteln das Optimum umzusetzen“, sagt Brandstetter.

Die Idee, im Freien einen Abenteuer- und Wasserspielplatz zu schaffen, verteidigt er. „Denn wenn dieses Areal frei zugänglich ist, ist das ein Mehrwert für die Bevölkerung, und wenn wir einen Durchgang zur Ybbs schaffen, auch für die Radler am Ybbstalradweg.“

Bezüglich Schwimmbecken im Außenbereich gibt sich Brandstetter viel zurückhaltender, als das noch bei der Pressekonferenz von Schwarz-grün geklungen hat, in der die beiden Parteien ihre Pläne für das Naturbad präsentierten. Da hatte es ja geheißen, dass der Teich samt Sprungturm und das Becken mit den Rutschen einer „Natur-im-Garten-Fläche“ weichen müssen.

Der ÖVP-Fraktionsobmann wollte in der Vorwoche einen fixen Abriss des Beckens in der Bauphase 1 nicht mehr bestätigen: „Wir sind in einem Diskussionsprozess, wo nichts in Stein gemeißelt ist, und es verschiedenste Überlegungen gibt, wie man mit dem Bad umgeht. Es heißt also nicht automatisch, dass es kein Außenbecken gibt.“ Es müsse aber natürlich das ganze Konzept für die Anlage in sich stimmig sein.

Positiv, dass sich viele Menschen einbringen

Brandstetter bedankt sich für die vielen Rückmeldungen der Bürger zum neuen Bad. „Es ist ja sehr positiv, wenn so viele Menschen sich mit Ideen einbringen. Wir würden natürlich auch gerne alle Wünsche erfüllen, aber es ist eben Aufgabe der Politik, die Finanzen für die kommenden Jahre im Blick zu haben“, betont der ÖVP-Vize. Man dürfe nicht vergessen, dass das Bad der Stadt jetzt schon jährlich einen Abgang von rund 1,5 Millionen Euro beschere. Je größer die Anlage werde, umso größer würden auch die laufenden Kosten.

Bei einem Lokalaugenschein in der Vorwoche wiesen Brandstetter und Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder von den Grünen auf die Defizite im Freibadbereich hin – vor allem beim Schwimmteich, der wohl tatsächlich bald Geschichte sein wird.

„Wir haben da leider eine Verkeimung, die durch Vögel verursacht wurde, und die wir nicht in den Griff bekommen. Das einzige Mittel wäre wohl, den Teich neu auszubaggern“, bestätigte Bäderverwalter Reinhard Walter die Probleme. Zudem sinke der Teichrand immer wieder ab, was trotz Sanierung dazu führe, dass Wasser verloren gehe. „Sehr viel Wasser“, wie Brandstetter betont. „In einem Jahr waren es 12.000 Kubikmeter, die wir zuführen mussten, das ist der Jahresbedarf von 600 Vier-Personen-Haushalten“, sagt der VP-Politiker.

Hörlezeder weist darauf hin, „dass auch die oberste Plattform des Sprungturms im Teich nicht mehr genutzt werden kann, weil durch Verschlammung die erforderliche Wassertiefe nicht mehr gegeben ist.“ Im Vorjahr war der Sprungturm aufgrund der Corona-Regeln gänzlich gesperrt. Hohen Sanierungsbedarf orten die Vertreter der Stadtregierung auch bei den Rutschen im Freibereich. „Da wissen wir nicht, ob wir für heuer überhaupt noch die Betriebsgenehmigung bekommen“, sagt Brandstetter.

Rutschen müssen ersetzt werden

Bäderchef Walter bestätigt, dass die Breitrutsche desolat ist. Die Oberfläche scheuere sich im Betrieb ab und müsse daher immer wieder geschliffen werden. Inzwischen sei der Kunststoffbelag sehr dünn. „ Bei der Röhrenrutsche ist es vor allem die Statik, die uns Sorgen macht, und natürlich gibt es auch dort Materialermüdung“, berichtet Walter.

Die Rutsche wurde 1987 errichtet und war damals mit ihren knapp 90 Metern die längste Röhrenrutsche Niederösterreichs. Vor der Eröffnung des Naturbades am 21. Mai werden beide Rutschen vom TÜV nochmals kontrolliert, erst dann wird feststehen, ob es eine Freigabe für diese Saison gibt.

„Würden wir die beiden Rutschen sanieren, würde uns das allein rund 300.000 Euro kosten“, rechnet AVB-Geschäftsführer Christoph Heigl vor. Geld, das man nach Meinung von ÖVP und Grünen sinnvoller anlegen kann. Die Covid-Abstandsregeln hat man im Vorjahr mit Korridorlösungen bei den Zugängen zu den Rutschen übrigens gut im Griff gehabt.

Keine Notwendigkeit besteht aus technischer Sicht für den von der Stadtregierung zumindest angedachten Abriss des Edelstahlbeckens im Freien. Es ist ebenso wie die dazugehörige Technik in gutem Zustand. Nach dem Aufschrei der Bevölkerung hat sich die schwarz-grüne Regierung auf das Wording geeinigt, dass es „Sache des Planers ist, einen Gestaltungsentwurf vorzulegen“, wie auch Grünen-Vize Hörlezeder betont. Der Abriss des Freibades dürfte also keine fixe Vorgabe mehr sein, wohl aber der Kostenrahmen von 14 Millionen Euro. Das Architekturbüro Gobli aus Graz hat auf jeden Fall eine knifflige Aufgabe zu lösen.

Reinhard Walter würde sich, als Zuständiger für die Bäder, natürlich die Maximalvariante mit Schwimmhalle, Wellnessbereich und einem Freibad wünschen, um möglichst viele Gäste anzulocken. „Vor allem eine Rutsche ist aus Betreibersicht ein Muss. Wenn du heute jugendliches Publikum anlocken willst, dann brauchst du eben eine besondere Attraktion.“