Jackpot-Chance vorbei: Terminal demontiert. Da zu wenig Lottoscheine verkauft wurden, verschwand Annahmestelle aus dem Kaufhaus Berger. Inhaberin nimmt Politik in die Pflicht: „Es geht um jeden Kunden.“

Von Denise Schweiger. Erstellt am 26. Januar 2019 (03:46)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Die Lotterie-Annahmestelle wurde aus dem Kaufhaus Berger in Blindenmarkt entfernt.
Schweiger

Ein Lottoschein, eine Zeitung, ein paar Kaisersemmeln und ein Päckchen Milch. „Gekommen ist er aber eigentlich nur wegen dem Schein. Das ist einer der Kunden, die wir wohl jetzt verlieren werden“, zieht Brigitta Berger nüchtern Bilanz. Weil sie den Mindestumsatz von 1.500 Euro in der Woche durch den Verkauf von Lottoscheinen nicht erfüllen konnte, verschwand nun der Terminal aus ihrem Kaufhaus in der Blindenmarkter Hauptstraße.

Seit 1996 leitet sie das Geschäft, das ihre Familie vor über 50 Jahren aufbaute. Über 30 Jahre gab es im Kaufhaus Berger Brieflose zu kaufen. „Und das Geschäft lief gut“, erzählt Berger. Als in den frühen 2000er-Jahren auf Lotto und Toto umgestellt wurde, finanzierten sie selbst den Terminal. „Der Pflichtumsatz war damals nicht hoch. Anders als heute.“

„Eklatant entfernt“ von der Wochengrenze

Im Sommer des Vorjahres flatterte schließlich der erste Brief ins Kaufhaus. Die Österreichische Lotterien Gesellschaft evaluiert laufend alle Standorte. Von der neu definierten Wochengrenze von 1.500 Euro (entsprechen etwa 1.250 Lottoscheinen) war man im Blindenmarkter Kaufhaus, wie Pressesprecher Patrick Minar informiert, „eklatant entfernt.“ Drei Monate verstrichen, dann landete der nächste Brief im Postkasten: Kündigung des offenen Vertrags. Jetzt ist der Computer aus dem Geschäft verschwunden.

Ein genereller Trend, dass es im ländlichen Raum zu Schließungen von Annahmestellen kommt, lässt sich laut Minar nicht erkennen: „Dabei handelt es sich meistens um Einzelfälle.“

Berger hingegen nimmt die Politik in die Pflicht. „Einerseits heften sie sich Ortskernbelebung an die Fahnen, andererseits wird gejubelt, wenn sich eine große Kette ansiedelt“, nennt sie den geplanten Spar Gourmet, der demnächst in Amstetten entsteht. Als Geschäft in Blindenmarkt habe man es eben schwer: Amstetten im Westen, im Osten Ybbs. „Ich würde mir wünschen, dass sich Politiker erst die Flächenabdeckung von Nahversorgern anschauen, bevor sie solche Ansiedlungen unterstützen. Wir kämpfen um jeden einzelnen Konsumenten“, apelliert Berger gegenüber der NÖN.