Christoph Sommersguter: „Kann es kaum erwarten ...“

Erstellt am 24. Juni 2022 | 04:25
Lesezeit: 4 Min
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Christoph Sommersguter von den Vereinigten Bühnen Wien führt Regie bei der Produktion „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. „Neben zehn Musicalprofis wird das Kinderensemble der Musikmittelschule Blindenmarkt auf der Bühne stehen. Ich freue mich schon sehr auf diese Zusammenarbeit.“ Foto: Herbsttage
Foto: Herbsttage
Christoph Sommersguter wird „Emil und die Detektive“ zum Leben erwecken.
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NÖN: Wie schwer war es für Sie persönlich, während der Pandemie positiv gestimmt zu bleiben? Sind die Zeiten, in denen wir leben, eine Chance fürs Theater?

Sommersguter: Natürlich war und ist die Pandemie eine große Herausforderung für den gesamten Kulturbetrieb. Dennoch war es sehr spannend, zu sehen, welche neuen Ausdrucksformen und auch digitalen Formate entstanden sind, auch wenn sie ein Live-Theatererlebnis niemals ersetzen können. Theater und Musik haben die Kraft, Menschen tief zu bewegen und auch ein Stück näher zusammenzubringen. Genau danach verspüre ich in dieser fragilen Zeit eine große Sehnsucht. Zweifelsohne eine Chance für den Theaterbetrieb, zu zeigen, wie unverzichtbar er ist! Ich erlebe auch die gemeinsame Probenarbeit und Vorbereitung für Blindenmarkt als ganz besonders emotional und bereichernd. Wir dürfen die Funken zwischen der Bühne und dem Publikum wieder zum Fliegen bringen, Emotionen erzeugen und Menschen berühren.

Sie selbst inszenieren zum zweiten Mal bei den Herbsttagen: Mit „Emil und die Detektive“ steht ein populärer Roman von Erich Kästner auf demProgramm. Wie kam es dazu?

Sommersguter: Die Zusammenarbeit mit dem Team der Herbsttage Blindenmarkt habe ich bereits im Rahmen unserer Pippi-Langstrumpf-Produktion als besonders engagiert, professionell und wertschätzend empfunden. Ich war daher sofort von der Idee des Intendanten begeistert, nach Pippi Langstrumpf nun diesen Kinderbuch-Klassiker von Erich Kästner auf die Bühne zu bringen. Kästner entführt uns in eine Geschichte, in der die Kinder die eigentlichen Helden sind, ohne die Hilfe von Erwachsenen zurechtkommen und durch Gemeinschaft und Zusammenhalt viel erreichen.

"Theater und Musik haben die Kraft, Menschenzu bewegen und näher zusammenzubringen.“

Ich habe mich sofort wieder neu in die Charaktere der Geschichte verliebt und mich mit Emil Tischbein, Pony Hütchen und Gustav mit der Hupe nach Berlin versetzt gefühlt, wo diese spannende Geschichte spielt. Nun kann ich es kaum erwarten, diese Figuren gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern zum Leben zu erwecken.

Wie versuchen Sie, diese humorvolle Geschichte auf die Bühne zu bringen?

Sommersguter: Temporeich, spannend, humorvoll, bunt und musikalisch. Unsere zehn Mitwirkenden werden dabei in viele unterschiedliche Rollen schlüpfen. Ganz besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit unserem großartigen Kinderensemble aus der Musikmittelschule Blindenmarkt. Erwachsene Bühnenprofis werden bei uns gemeinsam mit den Kindern aus der Region auf der Bühne stehen und die spannende Detektivgeschichte erzählen. Die bezaubernde Musik von Thomas Zaufke ermöglicht schwungvolle Choreographien, aber auch berührende und emotionale Momente. Besonders herausfordernd sind die vielen unterschiedlichen Schauplätze der Handlung. Das ausgeklügelte Bühnenbild von Marcus Ganser wird es aber möglich machen, unser Publikum in kurzer Zeit an die unterschiedlichsten Orte zu entführen!

„Wunder erleben nur diejenigen, die an Wunder glauben.“ Was mögen Sie an diesem Zitat von Kästner?

Sommersguter: Dieses Zitat von Kästner mag ich besonders, weil es mich daran erinnert, jederzeit für ein kleines oder großes Wunder bereit zu sein und Dingen positiv und optimistisch zu begegnen. Gerade in meinem Beruf ist es mir wichtig, mich immer weiter zu wundern, an Utopien zu glauben und das berühmte Stück Kindheit in die Tasche zu stecken!

Und was mögen Sie an „Emil“?

Sommersguter: Ganz besonders mag ich die Sprache und den Humor von Kästner. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und sprechen natürlich und authentisch. Oftmals scheinen die Kinder in der Geschichte den Erwachsenen sogar überlegen. Emil wird zum Detektiv wider Willen. Er hat das nicht geplant und wächst mit der Hilfe seiner Freunde dennoch über sich hinaus. Es macht mir großen Spaß, mich in die Figuren dieser Kinderbande hineinzudenken und mir vorzustellen, wie großartig es gewesen wäre, als Kind ein Teil dieser Gruppe von Detektiven gewesen zu sein.

Welches Stück würden Sie noch gerne in Blindenmarktinszenieren?

Sommersguter: Besonders begeistert bin ich von den Büchern von Christine Nöstlinger. Sie begegnet Kindern in ihren Geschichten immer auf Augenhöhe, sprüht in ihrer Sprache vor Witz und war immer eine große „Mutmacherin“. Wenn sich die passende Bühnenfassung findet, wäre eine Erzählung von Christine Nöstlinger sicher eine sehr schöne Option für Blindenmarkt.

Vorstellungen von „Emil und die Detektive“ gibt es am 23. und 30. Oktober. Schulvorstellungen auf Anfrage, www.herbsttage.at

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