Mordprozess um tödlichen Messerstich vertagt

Erstellt am 15. April 2015 | 16:11
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Tatort
Foto: NOEN, NÖN
Ein 37-Jähriger ist am Mittwoch wegen Mordes an einem Bekannten in St. Pölten vor Gericht gestanden. Laut Anklage hatte er den 39-Jährigen in der Nacht zum 2. Juli 2014 im Zuge eines Streits erstochen.
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Er bekannte sich nicht schuldig im Sinne der Anklage: "Die Stichwunde war keine Absicht", beteuerte er. Das Verfahren wurde am Nachmittag zur Anhörung weiterer Zeugen auf den 8. Juni vertagt.

Staatsanwältin Barbara Kirchner warf dem britischen Staatsbürger zudem eine vorangegangene Körperverletzung vor. Der Vorfall im Mai 2014, als er einem Mann in einem Lokal in Waidhofen an der Ybbs ein Weinglas derart ins Gesicht schleuderte, dass diesem die Nase gebrochen wurde, zeige das hohe Aggressionspotenzial des bisher Unbescholtenen. Dem Angriff sei keine Provokation des Opfers vorangegangen, sagte dann eine Zeugin aus.

Streit aus Eifersucht eskalierte

Am 1. Juli traf sich der Angeklagte nach seiner Arbeit im Bezirk Amstetten mit einem Bekannten und trank einiges an Alkohol, zu vorgerückter Stunde stieß das spätere Opfer dazu. Man saß auf einer Parkbank der Wohnanlage und unterhielt sich lautstark, als gegen 23.30 Uhr eine 30-jährige Bewohnerin die Männer in der Sorge, Nachbarn würden sich über den nächtlichen Lärm beschweren, in ihre Wohnung einlud.

Dort kam es dann vermutlich aus Eifersucht zwischen den beiden Männern zum Streit, der dann im Hof des Mehrparteienhauses einen tödlichen Ausgang nahm. Laut der Staatsanwältin packte der Angeklagte seinen Kontrahenten, der in jeder Hand ein Messer hielt, an den Handgelenken - die Klinge landete am Hals des Opfers und öffnete die Schlagader. Er habe ihn entwaffnen wollen und gar nicht bemerkt, dass das Messer eindrang, verantwortete sich der Beschuldigte.

"Aus dem Nichts heraus" ausgerastet

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war es Mord, weil der Angeklagte die Tat angekündigt hatte - laut der Zeugin schrie er, er werde den 39-Jährigen umbringen. Verteidiger Josef Gallauner führte hingegen an, dass der Getötete ein "extrem aggressiver Mensch" gewesen sei, der immer wieder "aus dem Nichts heraus" ausgerastet und auch in psychiatrischer Behandlung gewesen sei.

Richterin Doris Wais-Pfeffer hielt dem - gut Deutsch sprechenden - Briten mehrmals seine widersprüchlichen Versionen des Geschehens vor. Bei den ersten Einvernahmen sei er unter Schock gestanden, sagte der Mann dazu.

NÖN.at berichtete:

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