Schnelles Internet ist sehr gefragt. Land will bis 2022 weitere 100.000 Haushalte versorgen. Bezirk hat sehr gute Chancen, mit dabei zu sein.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 09. April 2019 (05:09)
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„Ich bekomme fast täglich Anrufe von Bürgermeistern und auch von Firmenchefs, die nachfragen, wie es in ihrer Gemeinde mit dem Breitbandausbau weitergeht.

Die Zeit drängt natürlich, weil die anfallenden Datenmengen immer größer werden und hohe Übertragungsraten nur durch Glasfaserkabel sichergestellt werden können“, sagt Wolfgang Voglauer, Geschäftsführer der Ingenieurskanzlei IKW in Amstetten. Wann im Land die nächste Ausbauphase startet, kann er allerdings auch noch nicht sagen.

Im Moment läuft noch das Pilotprojekt im Ybbstal (Waidhofen, Ybbsitz, Hollenstein, Opponitz, St. Georgen/Reith, Göstling und Lunz am See). In den Kernzonen und den kernnahen Siedlungsbereichen ist der Ausbau zum Großteil abgeschlossen und das Netz in Betrieb.

„Die Kernzonen reichen zum Teil auch sehr weit, in Göstling zum Beispiel bis zum Hochkar, in Opponitz bis in die Prolling hinauf und in Waidhofen bis Konradsheim und Schatzöd“, berichtet Voglauer.

In den nächsten drei Jahren soll in der Pilotregion nun auch die Versorgung des ländlichen Raumes mit Glasfaserkabeln in Angriff genommen werden. Zu den bislang schlechtest versorgten Gebieten im Bezirk gehören Schwarzois und Zogelsgraben in Ybbsitz.

Der nöGIG ist es gelungen, für dieses Vorhaben 75 Prozent Förderung aus der Breitbandmilliarde des Bundes zu lukrieren. Abgeschlossen soll der Glasfaserausbau in der Pilotregion Ybbstal voraussichtlich also 2022 sein. „Dass die ursprünglich anberaumten zwei Jahre nicht ausreichen werden, war klar, dafür ist das Gebiet zu weitläufig“, sagt Voglauer.

Land bereitet nächste Ausbauphase vor

Für alle anderen Gemeinden im Bezirk heißt das aber nicht, dass sie bis 2022 warten müssen. Die nöGIG ist schon dabei, die zweite Phase des Breitbandausbaus in NÖ vorzubereiten. In den Jahren 2020 bis 2022 sollen zusätzliche 100.000 Haushalte mit Glasfaserkabeln ausgestattet werden.

Die Finanzierung soll über ein Investorenmodell erfolgen. „Verhandlungen darüber laufen seit Spätherbst 2018. Geldgeber könnten zum Beispiel Pensionsfonds sein, die in die Glasfaserinfrastruktur in Niederösterreich investieren und ihr Geld über eine Laufzeit von 20 bis 25 Jahren mit Zinsen zurückbekommen. Nach Ablauf der Finanzierungsphase würden die Glasfasernetze dann in den Besitz der öffentlichen Hand übergehen, die Verwaltungshoheit bleibt sowieso ständig bei der nöGIG“, erklärt Voglauer.

Was man derzeit noch nicht weiß, ist, wo in Niederösterreich die 100.000 Haushalte sein werden, die das Land für die nächste Ausbauphase auswählt. Für den Ziviltechniker gibt es aber logische Auswahlkriterien.

„Wichtig wird sein, dass die Kommunen ihre Hausaufgaben gemacht und schon viele Leerrohre verlegt haben. Bei uns betreiben das viele sehr intensiv. Sonntagberg, Allhartsberg, Kematen, Wolfsbach, Biberbach, Ferschnitz, Euratsfeld, St. Peter, Ertl, St. Pantaleon, St. Valentin, Ardagger, Neustadtl, St. Georgen am Ybbsfelde, Viehdorf, Oed-Öhling, Neustadtl und andere mehr“, sagt Voglauer.

Neben den Leerrohren werden auch die Fördermittel, die lukriert werden können, eine große Rolle bei der Festlegung des Ausbaugebietes spielen. Im Bezirk haben schon etliche Gemeinden um die sogenannte „Maulwurfprämie“ (Leerrohrförderung) angesucht. Das ist für Kommunen auch die einzige Möglichkeit, an Gelder aus der Breitbandmilliarde zu kommen. St. Peter, Allhartsberg, Sonntagberg, Viehdorf, Ardagger und St. Georgen am Ybbsfelde haben sie schon genutzt.

„Wenn wir also davon ausgehen, dass das Land dort zuerst bauen wird, wo schon viel Vorarbeit geschehen ist und wo Fördermittel da sind, dann haben wir im Bezirk gute Karten. Denn da sind wir den meisten anderen Gebieten in Niederösterreich voraus“, sagt Voglauer.

Knapp
Geschäftsführer Wolfgang Voglauer und Cornelia Kafka von der IKW in Amstetten haben den Überblick über die Verlegung von Leerrohren für Glasfaserkabel in den Gemeinden des Bezirks.

Eine wichtige Voraussetzung für den Breitbandausbau gibt es freilich noch: Zumindest 40 Prozent der Haushalte, eventuell auch noch mehr, müssen sich auch zum Anschluss ans Netz bereit erklären. Nach den Erfahrungen, die in den Pilotregionen gemacht wurden, dürfte das aber kein großes Problem sein. Das Netz selbst soll nach Fertigstellung einem neutralen Betreiber verpachtet werden, der die Leitungen dann wiederum an Endversorger (Telekom, Li-West, etc.) vermietet. Dieses Modell hat sich in den Pilotregionen schon bewährt.

5G keine Lösung für ländlichen Raum

Für Voglauer ist klar, dass auch im ländlichen Raum letztlich kein Weg an der Verlegung von Glasfaserleitungen vorbeiführen wird. Das 5G-Mobilfunknetz, das sich derzeit im Aufbau befindet, ist für ihn keine Alternative dazu. „Zum einen müssen ja zu den Masten auch wieder Glasfaserkabel verlegt werden und man benötigtt, damit 5G funktioniert, viel mehr Masten als bisher. Einer kostet mindestens 100.000 Euro und braucht viel Strom. Der Betrieb und die Erhaltung kosten also eine Lawine.

Ich glaube nicht, dass sich Betreiber finden, die für derartige Investitionen im ländlichen Bereich bereit sind“, sagt Voglauer. Der Ziviltechniker weist auch darauf hin, dass über die Auswirkungen der Strahlung der Mobilfunknetze noch wenig bekannt sei. „Um das W-Lan im Haus zu ersetzen, muss sie ja eigentlich alles durchdringen. Ich selbst habe mein Schlafzimmer strahlungsfrei gebaut. 5G wäre da kontraproduktiv.“

Für Voglauer haben Glasfaserkabel viele Vorteile, weil man mit einer Nutzungsdauer für die Kabel von weit über 30 Jahren und für die Rohre bei ordentlicher Verlegung von 50 bis 100 Jahre rechnen könne.

Der Ziviltechniker glaubt, dass das Land Niederösterreich noch im Herbst bekannt geben wird, in welchen Gemeinden des Landes bis 2022 der Ausbau des Breitbandnetzes vorangetrieben werden soll.

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