Brunnen verseucht: Richter sprach frei

Erstellt am 06. November 2012 | 00:00
Lesezeit: 2 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 39084
Foto: NOEN
Prozess /  40 Kubikmeter Zuckermelasse traten aus Kochturm aus. 115 Brunnen betroffen.
Werbung
Von Claudia Stöcklöcker

GREINSFURTH / Am 20. Oktober 2008 traten im Keller des Kochturms in Greinfurth rund 40 Kubikmeter Zuckermelasse aus. Grund dafür waren laut Ermittler zwei nicht ordnungsgemäß abgeschlossene Tanks. Über einen Brunnenschacht gelang die Melasse ins Grundwasser, die Folge war bakterielle Verunreinigung. Den Fall ins Rollen brachte ein anonymer Anrufer. Am 27. Oktober 2008 machte dieser die BH Amstetten aufmerksam. Dass das Grundwasser hochgradig mit Fäkalkeimen verseucht sei, wurde dann festgestellt, 115 Hausbrunnen wurden gesperrt. Erst im April 2010 gab die Behörde Entwarnung.

Auf der Anklagebank im Prozess am Landesgericht St. Pölten sitzt nun der Ex-Geschäftsführer des letzten Mieters des Koch-Turms. Nach Installationsarbeiten im Jahr 2007 habe er eine ordnungsgemäße Wiederabdichtung der durchbrochenen Brunnenwand des ehemaligen Futtermischwerkes unterlassen. Fahrlässige Beeinträchtigung der Umwelt wird ihm nun vorgeworfen.

Ob der Angeklagte sich dazu schuldig bekennt? „Ich bin mir keiner Schuld bewusst“, sagt der 42-Jährige nun. „Mir war wichtig, dass das Loch zugemacht wird, damit nicht Mäuse und Ratten in den Brunnen fallen. Es ist ja unangenehm, wenn Tierleichen im Wasser sind. Die Büros haben ja Kaffeewasser daraus bezogen“, erklärt der vermeintliche Umweltsünder. Auf das Loch habe er den für das Objekt Verantwortlichen hingewiesen. An ein Gespräch darüber könne sich dieser aber nicht erinnern.

Ob zu vieler Ungereimtheiten reicht es für eine Verurteilung nicht. „Dass der Angeklagte lügt, kann nicht mit der für ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit festgestellt werden“, meint Richter Helmut Weichhart und spricht den 42-Jährigen rechtskräftig frei. Angeklagt waren übrigens ursprünglich fünf Personen, eine wurde bereits rechtskräftig zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, gegen drei weitere wurde das Verfahren diversionell erledigt.

Werbung