Amstetten: Anrainer fordern Raser-Stopp. Bewohner im Gebiet „In der Luft–Getreidestraße“ fordern 30er-Zone oder Querschwellen. Stadt Amstetten lehnt ab.

Von Wolfgang Kapf. Erstellt am 25. Oktober 2016 (06:24)
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Binnen weniger Minuten bildete sich diese breite Front der Anrainer in Amstetten Ost auf der Straße „In der Luft“, als Johannes Fraubaum (l.) vom NÖN-Fototermin erfuhr und seine Nachbarn telefonisch darüber informierte. Alle protestieren gegen jene Autofahrer, die dort immer wieder mit überhöhter Geschwindigkeit die Sicherheit gefährden und verlangen Gegenmaßnahmen von der Stadt.
Wolfgang Kapf

Im Siedlungsgebiet „In der Luft“ und westlich davon im Bereich Kornfeldstraße, Unterfeldstraße und Getreidestraße herrscht Aufregung: Die dort lebenden 35 Familien fürchten um die Sicherheit ihrer rund 20 Kinder. „Muss erst etwas passieren, damit etwas geschieht?,“ fragt erbost Johannes Fraubaum im Namen der Anrainer.

„Erst gestern ist wieder so ein Sportwagen mit weit mehr als 70 km/h durchgepfiffen“

„Anrainer-Sprecher“ Johannes Fraubaum

Das Problem ist die Verbindungsstraße von der Reichsstraße zur Hopferwieserstraße: „Unsere Kinder fahren dort mit Skatern, Rollern und Fahrrädern, weil sie das nirgendwo anders tun können. Seit vor ein paar Monaten auch der letzte Schotterweg-Abschnitt asphaltiert wurde, hat sich diese Straße, wo eigentlich Tempo 50 gilt, zu einer Rennstrecke entwickelt. Erst gestern ist wieder so ein Sportwagen mit weit mehr als 70 km/h durchgepfiffen“, erklärt „Anrainer-Sprecher“ Fraubaum und ergänzt: „Die aufgestellte Achtung-Kinder-Tafel wird von den Autofahrern ganz einfach ignoriert!“

Für die Siedlungsbewohner liegt die Lösung auf der Hand: „Wir fordern eine 30er-Zone oder bauliche Maßnahmen (Querschwellen), die den Verkehrsfluss einbremsen.“

Am 7. Oktober hat die Stadt Amstetten eine Geschwindigkeitsmesstafel aufgestellt, allerdings nach Meinung der Anrainer an einer „falschen Stelle“. Sie fühlen sich aber auch deshabl „gepflanzt, weil diese Tafel noch nie mehr als 69 km/h angezeigt hat, obwohl einige Fahrer sicher mit mindestens 80 km/h unterwegs waren.“ Letzten Dienstag wurde die Messtafel von Stadtbediensteten abmontiert, um die Geschwindigkeitsmessungen auszuwerten.

85 Prozent der Autos waren nicht zu schnell

Die NÖN erfuhr von SP-Verkehrssprecher Bernhard Wagner exklusiv die Ergebnisse: „In beiden Fahrtrichtungen gab es insgesamt 2.824 Messungen. Die mittlere Geschwindigkeit betrug 38 km/h und der v85-Wert (= Geschwindigkeit, die von 85 % der Autofahrer nicht überschritten wurde) knapp unter 47 km/h.“

Wagner bestätigte auf Anfrage der NÖN auch, dass die Messtafel Geschwindigkeiten über 69 km/h tatsächlich nicht anzeigt. „Der Grund dafür ist, dass wir niemanden zum Schnellfahren oder zu Beschleunigungsrennen animieren wollen.“ Natürlich würden von der Tafel aber auch die höheren Geschwindigkeiten aufgezeichnet.

Zur Frage, ob Querschwellen oder eine 30er-Zone kommen, gibt es vom Verkehrssprecher ein mehrfaches „Nein!“ Begründung: „Querschwellen werden schon seit Jahren nirgends mehr eingebaut. Und für eine 30er-Zone passen die örtlichen Gegebenheiten nicht, da es dort kein geschlossenes Siedlungsgebiet gibt wie zum Beispiel in der Jahn- oder in der Silberweissiedlung. Hinzu kommt noch, dass der sehr aussagekräftige und für uns maßgebliche v85-Wert mit 38 km/h deutlich unter 50 km/h liegt.“

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