Amstetten

Erstellt am 10. Januar 2017, 06:19

von Hermann Knapp

Amstetten: Verbindungsstraße als Aufreger. Entwicklungskonzept sieht Route zwischen B1 und L90 vor, samt Ybbsbrücke. Anrainer dagegen.

Anrainer von Greimpersdorf, aber auch von Wassering, machen mobil gegen eine mögliche Verbindungsstraße zwischen der L90 und der B1. Sie fürchten durch ein derartiges Projekt eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität. Noch ist ein derartiges Projekt aber ohnehin in weiter Ferne.  |  Kovacs

Das geplante örtliche Entwicklungskonzept (ÖEK) der Stadt sorgt für gehörige Aufregung bei Bürgern im Bereich Greimpersdorf und Wassering. Darin ist ja langfristig vorgesehen, eine Verbindung zwischen der B1 und der L90 (Euratsfelder Straße) zu schaffen.

Diese würde (aus Richtung Euratsfeld kommend) zwischen Waasen und Franzhausen über das Gebiet Wassering westlich an der Kläranlage vorbeiführen, über eine neu zu errichtende Brücke die Ybbs queren und in die Arthur Krupp Straße einmünden.

Die gelb strichlierte Linie zeigt, wo die Verbindungsstraße verlaufen soll. Sie soll in die Kruppstraße einmünden.  |  NOEN, privat

Genau in diesem Bereich steigen Bürger aber jetzt schon auf die Barrikaden. „Als ich mir vor 13 Jahren den Grund für mein Haus gekauft habe, hat es geheißen, dass dort zwar eine Starkstromleitung ist, aber die Gegend dafür sehr ruhig sei. Jetzt will man mir auch noch eine Straße neben mein Haus bauen“, schimpft Josef Berger, Anrainer in der Engerthstraße.

Für ihn ist klar, dass diese Verbindung zwischen der L90 und der B1 viel Verkehr anziehen würde. Viele Lenker, aus dem Bereich um Euratsfeld, würden dann diese Route wählen, um in die Stadt zu fahren.

Betroffen von der neuen Straße wäre auch Gerhard Zauner „Ich schaue jetzt von meinem Wohnzimmerfenster auf Pferde und Schafe hinab. Wird das Projekt verwirklicht, sehe ich dann nur noch die Autos auf der neuen Straße“, sagt der Anrainer.

Immobilie werde dadurch entwertet

Zauner befürchtet natürlich auch eine Wertminderung seines Grundstücks – und diese sofort. „Denn wenn ich verkaufen wollte, wer würde mir für das Haus noch einen vernünftigen Preis zahlen, wenn er damit rechnen muss, dass es in einigen Jahren neben einer viel befahrenen Straße steht. Ich will, dass auch noch meine Kinder in 20 Jahren ein Haus in einer ruhigen Wohngegend haben.“

Die Anrainer haben bereits Unterschriften gesammelt und eine Stellungnahme zum Entwicklungskonzept abgegeben. „Ich habe eine Liste mit 32 Unterschriften abgegeben und es gibt noch eine zweite. Insgesamt sprechen sich schon etwa 100 Anrainer gegen das Straßenprojekt aus“, berichtet Berger.

Er kündigt schon jetzt die Gründung einer Bürgerinitiative an, sollte das Entwicklungskonzept in dieser Form im Gemeinderat beschlossen werden. „Wir werden alles tun, um diese Verbindungsstraße zu verhindern. Und als Bürgerinitiative hätten wir bei einem Verfahren auch Parteienstellung.“

Vorerst ist eine mögliche Verbindung zwischen der B1 und der L90 aber ohnehin nur ein gedankliches Konstrukt, das im Entwicklungskonzept auch deshalb ins Auge gefasst wurde, weil der Osten der Stadt siedlungsmäßig das größte Hoffnungsgebiet ist.

Kein Recht auf eine Berücksichtigung

„Fix ist aber im Moment noch überhaupt nichts. Das kann es auch gar nicht sein. Wir reden hier von einem Entwicklungskonzept, das weit in die Zukunft blickt. Die Trasse, von der die Anrainer jetzt ausgehen, ist nirgends festgeschrieben. Das ist ein möglicher Korridor, nicht mehr“, sagt Stadtbaudirektor Manfred Heigl. Das habe er auch versucht, den Bürgern zu erklären, die ihm die Unterschriften überreicht haben.

Das Recht, eine Stellungnahme zum Entwicklungskonzept abzugeben, hätten die Bürger natürlich, einen Anspruch auf Berücksichtigung derselben aber nicht. „Wir sammeln alle Stellungnahmen. Sie werden geprüft und dann wird die Politik darüber diskutieren, ob man darauf eingeht oder nicht und auch eine Begründung dafür liefern“, sagt Heigl.

Beschlossen werden soll das Entwicklungskonzept im Gemeinderat im März.

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