Parkplatzmisere in Amstetten: Ärger über ÖBB. Chaos beim Bahnhof verärgert die Pendler. Stadt erwartet von den ÖBB Abhilfe. Grüne fordern ein weiteres Parkdeck.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 11. Oktober 2018 (06:24)
Kovacs
VP-Mandatar Markus Brandstetter bei den provisorischen Parkplätzen hinter dem Parkdeck beim Bahnhof. Für ihn ist es an der Zeit Mobilität neu zu denken. „Wir müssen den Pendlern Angebote machen, die sowohl ihnen als auch uns einen Vorteil bringen. Unter anderem wollen wir den Leuten, die aus den Umlandgemeinden kommen, die Bildung von Fahrgemeinschaften schmackhaft machen. Das würde den Parkdruck mindern!“ Kovacs

Alle Jahre wieder: Kaum ist die Urlaubszeit vorbei, beginnt für die Pendler der allmorgendliche Kampf um einen Parkplatz beim Amstettner Bahnhof. Wer spät dran ist, kann da durchaus in die Bredouille geraten. Der Zug wartet nicht, nur weil die Parkplatzsuche länger dauert. Deshalb stellen auch immer wieder einmal Lenker ihr Auto vorschriftswidrig ab, wie die NÖN auch beim Lokalaugenschein feststellte (Bild unten).

NOEN
Falschparker sind im Parkhaus beim Bahnhof nach wie vor keine Seltenheit, wie die NÖN auch selbst, beim Lokalaugenschein feststellen konnte.

Die Frage, ob nun tatsächlich viele Anrainer oder auch die Beschäftigten von Innenstadtgeschäften ihre Wagen im Parkhaus abstellen, konnte bis jetzt nicht zufriedenstellend geklärt werden. Dazu bedürfte es eines Ausfahrt-Einfahrtssystems, das nur mit gültiger Bahnfahrkarte funktioniert.

Hudler

„Versprochen wird uns das von den ÖBB schon seit einigen Jahren. Jetzt bekommen wir die Auskunft, dass ein Testversuch in Wels läuft, der 2019 österreichweit ausgerollt werden soll und da soll dann auch Amstetten dabei sein. Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, denn wir haben uns in den letzten Jahren vergeblich für jeden Testversuch angeboten“, sagt eine verärgerte Bürgermeisterin Ursula Puchebner.

Die Stadt müsse Prügel der geplagten Pendler einstecken, obwohl sie für die Misere eigentlich nichts könne. „Die ÖBB werben ja damit, dass man von Amstetten aus in einer Stunde und 20 Minuten am Flughafen Wien-Schwechat ist. Alles sehr löblich und toll, aber dann muss man bei uns auch die Infrastruktur überdenken, aber das kann die Stadt allein nicht bewerkstelligen.“

ÖBB ist in Sachen Parken am Zug

Die Gemeinde habe ja schon Geld für die Adaptierung zusätzlicher Parkflächen in die Hand genommen, um zur Entschärfung der Aktion beizutragen, und die Stadtpolizei kontrolliere mehrmals täglich die Parkdecks und ahnde Vergehen nach der Straßenverkehrsordnung.

Für ÖVP-Mandatar Markus Brandstetter ist das allerdings zu wenig. „Wir brauchen endlich konkrete Zahlen, wie viele Autos täglich in den Parkhäusern aus- und einfahren und wie lange sie dort stehen. Da müssen wir uns einen Partner suchen, der das technische Know-how hat, um solche Zählungen vorzunehmen. Wenn die Daten auf dem Tisch liegen, wird es uns leichter fallen, Maßnahmen zu treffen, um die Situation zu verbessern.“

Brandstetter möchte überhaupt, dass die Stadt in Sachen Mobilität aktiver und vor allem kreativer wird. „Wir müssen den Pendlern neue Angebote machen, die ihnen und auch uns einen Vorteil bringen. Ein Beispiel wäre, in den umliegenden Gemeinden Fahrgemeinschaften zu forcieren, um die Zahl der parkenden Autos in der Stadt zu reduzieren.“

Für ganz wichtig hält Brandstetter auch die Installierung eines Leitsystems, denn damit könne man den Pendlern unnötige Wege ersparen. „Sie sehen dann, wo Parkplätze frei sind und wo nicht. Angezeigt werden könnte dann sogar, wo eine E-Tankstelle gerade frei ist. Das wird in Zukunft auch wichtig werden“, sagt der VP-Mandatar.

privat
Will die Frequenz des Citybusses erhöhen: Grüngemeinderätin Sarah Huber.

Gemeinderätin Sarah Huber findet, dass die ÖBB Zeit genug hatten, um Systeme zu testen, die sicherstellen, dass nur Pendler das Parkhaus benutzen können. „Nach zwei Jahren haben wir aber noch immer dieselben Probleme“, sagt die Grünmandatarin.

Um kurzfristig Entlastung zu schaffen, hält sie eine Anpassung der Frequenzen des Citybusses für notwendig. „Dieser sollte bereits ab 5.30 Uhr morgens starten. Zudem muss der Takt verdichtet werden. Während der klassischen Pendlerzeiten soll der Bus viertelstündlich verkehren. Damit würden wir mehr Leute zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel motivieren.“

„Brauche zusätzliches Parkhaus für Pendler“

Die Grünen fordern aber auch ein zusätzliches Parkhaus, selbst wenn das verkehrstechnisch und finanziell für die Stadt eine Herausforderung sei. „Wir müssen den Pendlern aus dem Umland die Möglichkeit geben, ihr Fahrzeug bei uns abzustellen. Der ‚Worst Case‘ wäre gerade im Hinblick auf die anrollende Klimakatastrophe, dass die Leute wieder mit dem Auto nach St. Pölten oder Linz fahren.“

Der Kommentar von FPÖ-Verkehrsstadträtin zur Causa fällt kurz aus: „Das Problem liegt bei den ÖBB. Von uns wurde immer wieder die Installierung von Schranken für ausfahrende Autos gefordert.

 

Meinungen:

NOEN
Roman Kuhn, Gemeinderat der Neos

„Ich sehe kurzfristig zwei konkrete Möglichkeiten: Die freie Parkfläche am Parkhaus „Am Graben“ ist als kostenlose P&R-Fläche mit Schotterung und Beleuchtung nutzbar zu machen. Wildes Parken sollte damit geregelt werden.

Zusätzlich ist zu prüfen, ob das Parkhaus am Graben als reines Pendlerparkhaus deklariert werden kann. Dieses ist dann mit einem Schrankensystem auszustatten. Die maximale kostenlose Parkdauer beträgt 48 Stunden. Wird die Parkdauer überschritten, wird pro Stunde eine Parkgebühr zwischen 50 Cent und 1 Euro pro Stunde abgerechnet. Das würde Dauerparker abhalten.“

Roman Kuhn, Gemeinderat der Neos

NOEN
Norbert Kunz, Bürgerliste Für Amstetten

„Was wir vor allem brauchen, um die Parkplatzmisere in der Stadt zu entschärfen, ist ein vernünftiges elektronisches Parkleitsystem – und zwar schon bei den Ortseinfahrten. Große Tafeln sollen den Autofahrern anzeigen, in welchem Parkhaus noch wie viele Plätze frei sind. Wenn die Lenker zielgerichtet zu freien Abstellflächen fahren, dann würden wir uns damit viel unnötigen Verkehr in der Stadt ersparen.

Wir sind außerdem der Ansicht, dass in der Alten Zeile ein Parkdeck errichtet werden sollte, in dem Kunden der Innenstadtgeschäfte und auch deren Angestellte parken können. Das würde die Park&Ride-Anlagen entlasten.“

Norbert Kunz, Bürgerliste Für Amstetten