Amstettner Primar: „Impfung führt uns aus der Krise“. Stadt Amstetten lädt im März zu Infoveranstaltung mit Primar Bernhard Bacher. Er beantwortet Fragen zum Coronavirus und den Impfstoffen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:19)
Primar Bernhard Bacher, ärztlicher Leiter des Landesklinikums Amstettens, rät den Bürgern, sich impfen zu lassen. „Alle Impfstoffe verhinderten nachweislich einen schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung.             Foto: Knapp
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Am 27. und 28. Februar startet die Impfstraße in Amstetten, siehe unser Interview dazu hier:

An diesen beiden Tagen werden 1.200 Personen im Alter von über 80 Jahren dort ihre erste Teilimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Die digitale Anmeldung am Mittwoch der Vorwoche hat reibungslos geklappt. „Wir haben als Gemeinde selbst 50 Personen angemeldet, die uns darum gebeten haben, und ohne Probleme einen Termin für sie bekommen“, berichtet Bürgermeister Christian Haberhauer.

Der Stadtchef richtet seinen Blick schon weiter in die Zukunft, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen wird, um große Teile der Bevölkerung zu immunisieren.

„Der Körper hat keine Ahnung, dass es das Coronavirus gibt. Die Impfung soll ihn auf eine Infektion damit vorbereiten.“Primar Bernhard Bacher

„Wir wissen, dass es bezüglich Impfung und Impfstoff viele Gerüchte und auch falsche Informationen gibt. Dem wollen wir mit Aufklärung und Bewusstseinsbildung entgegentreten“, sagt Haberhauer. Gemeinsam mit der Obfrau der Gesunden Gemeinde, Claudia Weinbrenner, hat er sich dafür einen profunden Mediziner ins Boot geholt: den ärztlichen Leiter des Landesklinikums Amstetten, Primar Bernhard Bacher.

Geplant ist eine Informationsveranstaltung in der Pölz-Halle, die – je nachdem wie die Covid-Bestimmungen es zulassen – am 10. März oder ersatzweise am 14. April stattfinden soll, und bei der Bürger an Bacher alle ihre Fragen bezüglich Coronavirus und Impfung stellen können.
Am Mittwoch erläuterte der Mediziner schon im Rahmen einer Pressekonferenz, warum er die Impfung für sinnvoll und notwendig erachtet, und er nannte dabei drei Punkte, die aus seiner Sicht dafür sprechen.

  • Erstens könnten auch jüngere Menschen schwer an Corona erkranken. „Wir haben im Landesklinikum viele dramatische Verläufe beobachtet. Niemand kann sich sicher sein, wie die Corona-Infektion bei ihm verlaufen wird, und daher ist impfen sinnvoll“, sagt Bacher.
  • Zweitens betont der Primar, dass es „bei allen Impfstoffen zu einer Reduktion der Übertragung kommt.“ Man wisse zwar noch nicht genau in welchem Ausmaß, aber das werde die Wissenschaft im Laufe der Zeit zeigen.
  • Drittens verweist der Mediziner auf das Leid, das die Pandemie verursache, und auf deren gesellschaftliche Auswirkungen. „Nur eine hohe Durchimpfungsrate wird uns aus der Krise herausführen und das sollte doch jedem ein Ansporn sein, mitzumachen.“

Bedenken wegen möglicher Neben- und Langzeitwirkungen der Impfstoffe hält Bacher entgegen, dass die EMA (European Medicines Agency), die in Europa die Zulassung von Medikamenten prüft, diese nur dann freigebe, wenn sie wirklich sicher seien und ihre Wirksamkeit nachgewiesen.
Nebenwirkungen seien bei jedem Medikament möglich, sagt der Primar und erinnert an die lange Liste auf den Beipackzetteln aller Medikamente.

„Es ist auch klar, dass Impfungen, die unser Immunsystem auf eine schwere Infektion mit einem Virus vorbereiten sollen, eine Reaktion auslösen. Wir wissen inzwischen, dass bei Moderna und Pfizer eher die zweite Impfung stärkere Reaktionen verursacht, bei AstraZeneca die erste.“

Es komme, so Bacher, bei etwa 15 bis 20 Prozent der Geimpften zu Symptomen wie Fieber oder Kopfschmerz, die aber schnell wieder vergingen und auch mit herkömmlichen Grippemitteln behandelbar seien.
Gar nicht glücklich ist der Primar über die Diskussion um die Wirksamkeit des Impfstoffes von AstraZeneca und dass sogar Ärzte verlangen, mit einem anderen Vakzin geimpft zu werden.

„Ich finde das sehr schade und glaube, dass es da einfach Wissensdefizite gibt – auch in der Kollegenschaft. Es ist der falsche Ansatz, jetzt eine Diskussion über die Impfstoffe anzufangen“, sagt Bacher. Keine Impfung biete 100-prozentigen Schutz, aber alle Impfstoffe verhinderten nachweislich, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nehme. „Und wir haben viele schwere Verläufe gesehen. Leider sind Patienten gestorben und andere, auch jüngere, lagen zwei Monate lang auf der Intensivstation und werden bestimmt ein Jahr brauchen, um wieder ganz gesund zu werden.“

Im Landesklinikum wird AstraZeneca verimpft

Bacher beruft sich auf Fachleute wie Karl Zwiauer, Mitglied des nationalen Impfgremiums, und auf Studien, „in die man sich aber genau einlesen muss. Sie besagen, dass bei AstraZeneca schon nach drei Wochen ein guter Schutz besteht, dass man bei einer Infektion keinen schweren Verlauf bekommt. Daher gibt es aus meiner Sicht auch keinen Grund, das medizinische Personal nicht mit diesem Vakzin zu impfen.“

Im Spital sind von den rund 1.400 Mitarbeitern bereits etwa 900 zwei Mal geimpft. In den kommenden Wochen sollen auch noch die restlichen immunisiert werden – mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Da dieser ja für Personen über 65 noch nicht zugelassen ist, werden die Vakzine von Pfizer und Moderna derzeit für ältere Personen benötigt.

Wenn sich ein Mitarbeiter im Spital nicht impfen lässt, hat das keine Konsequenzen. „Wir müssen ja ohnedies weiterhin alle Hygienevorschriften einhalten. Es müssen alle Mitarbeiter FFP-2 Masken tragen und auch auf Abstand achten. Am Arbeiten änderte sich daher mit oder ohne Impfung nichts“, betont der ärztliche Direktor.

Der Primar berichtet, dass sich das Landesklinikum nach der Corona-Welle im November, als Operationssäle gesperrt und planbare Operationen verschoben werden mussten, nun wieder zu 85 bis 90 Prozent dem Normalbetrieb nähere. Von den sechs Operationssälen seien fünf wieder offen. „Ein hundertprozentiger Betrieb ist nicht möglich, weil wir ja noch immer eine Corona-Station haben und daher Isolationsbetten brauchen.“

Dass das Virus mutiert, ist für Bacher nicht überraschend. Es gäbe schon 4.000 Mutationen, doch die meisten seien medizinisch nicht relevant. „Und das heißt auch nicht automatisch, dass der Impfstoff nicht mehr schützt. Es wird aber vermutlich notwendig sein, ihn immer wieder anzupassen. Da haben wir derzeit noch viel zu wenig Daten, ebenso darüber, wie lange die Impfung wirkt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir nächstes Jahr nachimpfen müssen“, sagt der Primar.

Die Corona-Krise habe ihn gelehrt, sagt Bacher, nicht zu weit vorauszudenken: „Man muss in einer Pandemiesituation unglaublich flexibel sein und sich Etappenziele setzen. Das Nächste ist, alles zu tun, damit sich möglichst viele Menschen impfen lassen.“