Ferschnitzer Vizebürgermeisterin an Corona erkrankt. Hermine Berger (51), Vizebürgermeisterin in Ferschnitz, ist mit dem Coronavirus infiziert. Der NÖN berichtete sie über den Krankheitsverlauf.

Von Peter Führer. Erstellt am 27. März 2020 (10:00)
Vizebürgermeisterin Hermine Berger
ÖVP

NÖN: Frau Vizebürgermeister, zuerst die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen? 

Hermine Berger: Danke, der Verlauf ist eher mild. Ich habe einen trockenen Hals gehabt. Dazugekommen sind Müdigkeit, Gliederschmerzen beziehungsweise Muskelbeschwerden und etwas Husten. Dazu kommt noch die mentale Ebene. Fieber hatte ich keines. Es war eigentlich nicht so arg, dass ich mir gedacht hätte, ich muss mich testen lassen.  

Wann sind Sie getestet worden? 

Das war dann am Donnerstag letzte Woche. Mein Mann war aus beruflichen Gründen am 9. März in Seefeld in Tirol. Er hat danach aber keine Symptome einer Krankheit gehabt. Als dann bei mir letzte Woche Beschwerden aufgetaucht sind, ist von der Gemeinde die Empfehlung gekommen, mich testen zu lassen. Auch mein Mann hat sich testen lassen. Das Ergebnis haben wir am Montag bekommen und es war bei beiden positiv. Von den Symptomen her hätte ich keinen Test gemacht. Ich habe gedacht, es ist halt eine typische Frühlingserkältung. Ich und mein Mann konnten das Ergebnis gar nicht glauben.  

Wie ist es Ihnen gegangen, als Sie vom positiven Ergebnis erfahren haben? 

Im ersten Moment war ich fertig und ich konnte in der ersten Nacht nicht schlafen.  Man macht sich da sehr viele Gedanken, wo man überall war und wen man angesteckt haben könnte. Wir haben uns aber zuvor schon weitgehend isoliert. Ich war vorher im Urlaub, mein Mann schon im Home-Office.  

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? 

Leider muss ich sagen, dass es auch Anfeindungen gegeben hat. Ich habe die Erkrankung per WhatsApp öffentlich gemacht, weil ich als öffentliche Person wollte, dass auch mein Umfeld informiert ist. Es wird leider so viel Falsches erzählt, wir haben rechtlich alles richtig gemacht und sofort die Behörden und die Arbeitgeber informiert. Es ist traurig, dass man, wenn man krank ist, noch mit Vorwürfen konfrontiert wird. Auf der anderen Seite unterstützen uns viele Freunde und unsere Familie. Etwa durch Telefonate oder Angebote zur Unterstützung. Viele sagen, sie helfen, wenn wir was brauchen. Da überwiegt dann das Positive. Es freut mich auch, dass Bürgermeister Michael Hülmbauer so hinter mir steht und wir in dieser schwierigen Zeit als Gemeindeführung zusammenhalten. Das alles gibt einem viel Kraft. Ich denke, gesundheitlich haben wir das Schlimmste überstanden. Hoffentlich können wir uns nächste Woche wieder testen lassen und gelten danach wieder als gesund. Ich freue mich schon, wieder für die Öffentlichkeit tätig werden zu können! 

Glauben Sie, dass sich die Coronazeit auf die Menschen nach dem Ende der Krise auswirkt? 

Es kann durchaus ein Umdenken bewirken. Vielleicht hilft die Entschleunigung dabei, sich wieder auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Vorher war es eine Zeit, in der viele nur laufen und laufen und laufen und alles immer schneller werden muss. Eine Konsumgesellschaft, in der keiner mehr zufrieden ist. Obwohl es großen Wohlstand gibt. Es ist wirklich wichtig, dass man das Regionale und seine Freunde und Familie schätzt. Ich glaub, dass die Zeit wieder kommt, in der diese Dinge für viele wichtiger sind.