Gegenwind wegen zentralen Imfpstraßen . Hausärzte kritisieren Entscheidung für Impfzentren. Land verweist auf logistische Vorteile.

Von Christian Eplinger, Ingrid Vogl und Peter Führer. Erstellt am 07. April 2021 (04:23)
Bereits gebuchte Termine finden noch statt. Neue Termine für die St. Valentiner Impfstraße in der Sporthalle Langenhart werden aber nicht mehr vergeben. 
Gemeinde

Künftig wird es pro Bezirk eine große Impfstraße geben, an denen der überwältigende Teil der Impfungen durchgeführt wird. Niederösterreichweit sind 20 Zentren geplant, jene für den Bezirk wird sich in Amstetten befinden.

Die Entscheidung des Landes stieß nicht überall auf Wohlwollen. In Zusammenarbeit mit den Ärzten hat etwa die Stadtgemeinde St. Valentin bereits eine Impfstraße in der Sporthalle Langenhart ins Leben gerufen, wo bereits seit fünf Wochen geimpft wird. Dass diese nun plötzlich geschlossen werden muss, überraschte in der Vorwoche auch Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ).

„Ich wollte am Mittwoch Termine für meine Eltern und meinen Opa buchen. Da schien die St. Valentiner Impfstraße nicht mehr auf. Wir haben zwar ein Schreiben bekommen, aber wussten nicht, ab wann das der Fall sein wird“, erklärt die Stadtchefin zur Planänderung des Landes. Glücklich ist sie damit nicht.

„Ich bin der Meinung, dass man eine regionale Versorgung schon zu einem gewissen Maß aufrechterhalten sollte. Es muss allen bewusst sein, dass es Personen gibt, die nicht oder nur eingeschränkt mobil sind und somit den längeren Weg nach Amstetten nicht auf sich nehmen können“, befürchtet Suchan-Mayr, dass sich durch den Mehraufwand an Zeit und Weg die Impfbereitschaft der Menschen reduzieren könnte. Sie will gemeinsam mit dem Land eine Lösung für den Erhalt der St. Valentiner Impfstraße finden.

Wenig Verständnis für die Schließung der Impfstraße zeigten auch die St. Valentiner Hausärzte. „Für uns ist diese Strategieänderung des Landes weg von regionalen Impfstellen hin zu wenigen, kilometerweit entfernten Impfzentren völlig unverständlich. Wir haben bis zuletzt damit gerechnet, dass heute neue Termine im April zur Anmeldung freigeschaltet werden. Unsere Dienstpläne für die Impfstraße waren bereits bis Ende Mai komplett. Uns war sogar eine Erhöhung unseres Impfstoffkontingents auf 800 Impfungen pro Woche ab 16. April fix vom Impfkoordinator Notruf NÖ zugesagt worden“, erklärten sie am Mittwoch und ergänzten verärgert: „An dieser Stelle wirklich ein großes Danke an das Land NÖ, das auf das Engagement seiner motivierten Ärzte einfach pfeift – offenbar kann sich NÖ das leisten.“

Auch in Waidhofen, wo seit Ende Februar im Rothschildschloss eine Impfstraße mit den niedergelassenen Ärzten zu aller Zufriedenheit betrieben wird, empfindet es Bürgermeister Werner Krammer (ÖVP) als „schade, dass diese Impfstraße im Gesamtkonzept für Niederösterreich nicht berücksichtigt wird.“ Krammer verstehe aber, dass das Land hier eine einheitliche Vorgangsweise wählt. „Wir stehen jedenfalls bereit, sollte man uns doch brauchen. Ich werde mich diese Woche noch mit unseren niedergelassenen Ärzten über die weitere Vorgangsweise abstimmen“, sagt Krammer. Die schon eingetakteten Impftermine im April (10., 17. und 24. April) finden auf alle Fälle noch statt.

Wie Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) erklärt, entschloss man sich für diese Zentren, um bestmöglich rasch viele Menschen impfen zu können. „Wir werden, wenn die erwarteten Lieferungen in den nächsten Wochen eintreffen, sieben Tage pro Woche in Amstetten impfen. Eine so große Anzahl in möglichst kurzer Zeit kann am besten in großen Zentren durchgeführt werden. Die Schwierigkeit, die jetzt besteht, ist, dass in kleineren Zentren immer Termine, etwa für die zweite Dosis, freigehalten werden müssen. Mit einer zentralen Stelle können wir deutlich flexibler agieren“, erklärt sie.

So könnten die Intervalle leichter eingehalten werden. Man könne dann garantieren, dass es dank der „Radldienste“ auch bei Ausfällen von Ärzten, etwa wegen Urlaubs, zu keinen Terminausfällen kommt. Gleichzeitig verweist Königsberger-Ludwig darauf, dass bei Hausärzten mit „Astra Zeneca“ und „Johnson & Johnson“ weiter und zusätzlich geimpft wird. „Wir werden jeden brauchen, wenn die erwarteten Lieferungen in den kommenden Wochen eintreffen“, sagt Königsberger-Ludwig weiter.

Umfrage beendet

  • Ist die Entscheidung für eine große Impfzentrale die richtige?