Gratistest in Amstetten oft vergriffen. Lieferungsverzögerungen sind keine Seltenheit. Kunden reagieren in den Apotheken meist geduldig.

Von Katharina Kreisa. Erstellt am 24. März 2021 (04:01)
Die Wohnzimmertests waren zuletzt in vielen Apotheken Mangelware. In der St. Valentinus-Apotheke von Andreas Hoyer wird der Lagerbestand mittels Aushang bekannt gegeben.
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Aufgrund der aktuellen Corona-Situation ist eine große Nachfrage an Gratis-Tests entstanden. Jedem Bürger wurden von der Regierung monatlich fünf Tests kostenlos zugesagt. Verzögerungen seien durch das späte Bestellen der Regierung, logistische Probleme und Hängenbleiben der Ware am Zoll entstanden. „Sobald sich die Produkte in Österreich befinden, geht die Verteilung durch den Großhandel aber rasch vo ran“, sagt Andreas Hoyer, Vizepräsident des österreichischen Apothekerverbandes.

Ähnlich schätzt Christoph Rücklinger, Chef der Mariahilf-Apotheke Amstetten, die Situation ein: „Die Vorlaufzeit war zu kurz, um das System gut ins Laufen zu bringen“. Nach der dritten Lieferung hätten die Gratis-Tests bereits in Packungen zu je fünf Stück kommen sollen. Noch immer führen diese Tätigkeit die Apotheken selbst durch. Genauso wie das Ausdrucken der Gebrauchsinformationen und das Aussortieren von defekten Produkten. „Es wäre wünschenswert, agieren zu können und nicht reagieren zu müssen. Die Politik solle erst nach abgeschlossener Organisation die Nachrichten an die Öffentlichkeit kommunizieren“, fährt Rücklinger fort.

Die Gratis-Wohnzimmertests werden von der Bundesbeschaffungsagentur eingekauft und an die pharmazeutischen Großhändler verteilt. Von dort werden die Tests an die Apotheken zugestellt und gratis an die Endkunden abgegeben. „Anfang März hatten wir einen Auslieferungsstopp von etwa einer Woche. Seitdem sind wir durchgehend versorgt, wobei dies natürlich frequenzabhängig ist. Die gelieferten Kontingente decken die Nachfrage gut“, meint Paul König, Chef der St.-Michael Apotheke in Haag.

„Glas halbvoll anstatt halbleer“

Die Apothekerkammer übermittelt regelmäßig Informationen in Form von Rundschreiben über die Verfügbarkeit der Schnelltests.

Für die Lieferung an die Apotheken haben aber reguläre Arzneimittel Priorität, wie beispielsweise Antibiotika oder Blutdruckpräparate. „In der aktuellen Negativspirale um das Coronavirus ist es wichtig, das Glas halb voll zu sehen anstatt halb leer. Einiges funktioniert auch gut. Beispielsweise die täglich durchgeführten Antigentestungen“, sagt König. Die in den Apotheken durchgeführten Tests haben offiziellen Charakter, die Wohnzimmertests hingegen sind für die private Kontrolle sinnvoll. „Das Virus wandert in den ersten vier Tagen in den Rachenbereich. Ein Gratis-Wohnzimmertest kann also nur den Beginn der Infektion feststellen“, betont Hoyer.

Die Nachfragekurve flacht ab. „Anfangs waren die Gratis-Wohnzimmertests nach eineinhalb Tagen weg. Mittlerweile sind wir bei einer Dauer von drei Tagen“, betont die Chefin der Nibelungen-Apotheke St. Valentin, Andrea Hoyer. Die Kunden reagierten meist sehr verständnisvoll und geduldig. „Wir erteilen telefonisch Auskunft über unseren Lagerbestand“, sagt Ulrike Grosser-Schmidt, Chefin der Stadion-Apotheke Amstetten, abschließend. Auch in der St. Valentinus-Apotheke in St. Valentin wird der Lagerbestand mittels Aushang bekannt gegeben. „Bei der Ausgabe sind wir stets um Gerechtigkeit bemüht“, betont Andreas Hoyer.