Immer mehr Infektionen im ganzen Bezirk Amstetten. Am Donnerstag wurde der erste Fall bestätigt. Die Zahl stieg kontinuierlich an.

Von Hermann Knapp, Daniela Führer und Peter Führer. Erstellt am 16. März 2020 (15:15)
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Das Coronavirus hat auch den Bezirk fest im Griff. Am Wochenende spitzte sich vor allem die Lage in Ardagger zu, aber auch in St. Gegorgen wurden erste Personen positiv getestet.
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Am Donnerstag der Vorwoche ist das Coronavirus auch im Bezirk Amstetten angekommen. Zwei Mitglieder einer zehnköpfigen Reisegruppe, die eine Skiwoche in Südtirol verbracht hat, wurden positiv getestet. Angeblich zeigten bei der Heimfahrt schon sechs Personen Krankheitssymptome. In den Tagen darauf stieg die Zahl der Infektionen stetig an.

Von Samstag auf Sonntag und von Sonntag auf Montag war die Steigerungsrate mit elf Fällen sogar jeweils die höchste in NÖ. Insgesamt wurden mit Stand Montagvormittag 31 Personen im Bezirk positiv auf das Coronavirus getestet.

Besonders dramatisch entwickelte sich die Lage in der Gemeinde Ardagger. Bürgermeister Hannes Pressl berichtete Freitagfrüh von fünf bis sechs Infizierten. Bis Montag spitzte sich die Lage zu. Ständig wurden neue Fälle bekannt: „Die Ausbreitungsdynamik scheint sehr hoch zu sein und da bei den Betroffenen zwischen Erstkontakt und Symptomen einige Tage vergehen, ist davon auszugehen, dass auch einige mehr, als die positiv getesteten, schon Virusträger sind.

Genaue Zahlen gibt es von der Bezirkshauptmannschaft nicht, aber ich schätze derzeit insgesamt 15 bis 16 positiv getestete Personen – speziell in den Bereichen Ardagger Markt/Ardagger Stift und auch bereits in Stephanshart“, erklärte Pressl, der in seinem Internetblog, auch die Bevölkerung mit Informationen versorgt. Es dürften in der Gemeinde aktuell (Stand Montagvormittag) auch schon zwischen 150 und 200 Menschen, die zu Infizierten irgendeinen Kontakt hatten, vorsorglich in häuslicher Quarantäne sein. Aktuell sind die Ansteckungswege, ähnlich wie bei einer Grippe, aber überwiegend nicht mehr nachvollziehbar.

Der Ortschef fordert Bürger zum Zusammenhalt auf und ruft die Menschen auch auf, Schuldzuweisungen zu vermeiden. „Die psychische Belastung der Betroffenen ist ohnehin groß und das hilft nicht weiter. Halte deswegen einerseits Abstand aber lebe gleichzeitig in deiner Familie, in der Nachbarschaft und in deinem Gretzl den Zusammenhalt!“, sagt er.

Pressl bittet die Bürger auch, vor Fake-News auf der Hut zu sein. „Am Sonntag wurde verbreitet, dass Ardagger unter Quarantäne gestellt wird, dafür habe ich derzeit aber keine Anzeichen!“ Der Nahversorger Ardagger ist zwar geschlossen, es wird aber schon ein Abhol- oder Zustelldienst angedacht. Angst um seine Versorgung muss niemand haben.

Einkaufsdienst in St. Georgen angedacht

Zumindest einen Coronafall gibt es in St. Georgen am Ybbsfelde. Bei einer Person ist eine Infektion bestätigt, natürlich gibt es aber auch hier eine Dunkelziffer. Bei einem Abstimmungsgespräch am Montag zwischen Kindergarten, Volksschule, Seniorentageszentrum, Freiwilliger Feuerwehr, Pfarre, Polizei und Gemeinde besprach man die nächsten Schritte. „Wir werden die Maßnahmen der Regierung umsetzen und mit Schildern über die Sperren von Spielplätzen oder beim Fun Court informieren. Positiv ist, dass keine Kinder mehr die Schule besuchen“, berichtet Bürgermeister Christoph Haselsteiner. Angedacht ist zudem, einen Einkaufsdienst zu etablieren, der die Versorgung erleichtern soll. Man werde die Gemeindebürger über die Maßnahmen mit einem Informationsblatt aufklären.

Fake News rund um das Kaufhaus Reschauer

Ein großes Problem seien Fake News. So habe es Gerüchte gegeben, dass das Kaufhaus Reschauer bald schließen würde. Eine Falschmeldung. Haselsteiner richtet daher die Bitte an die Bevölkerung, nur jene Informationen weiterzugeben, die aus gesicherten Quellen kommen. „Wichtig ist es, jetzt Ruhe zu bewahren, keine Hamstereinkäufe wegen Fake News zu tätigen und vor allem keine Panikmache zu betreiben“, erklärt er. Entscheidend sei es, sich an die Maßnahmen zu halten und so gut es geht zuhause zu bleiben.

Wie die Gemeinde Blindenmarkt über Facebook informierte, gibt es auch hier erste Fälle von Covid-19. Zwei Kinder der Volksschule wurden positiv getestet, die laut BH Melk aber im Bezirk Amstetten wohnhaft sind. Die Behörde hat die betroffenen Eltern verständig, die betroffenen Klassen sind mit Montag geschlossen. Die Gemeinde bittet, Kinder nur in äußersten Notfällen in den Kindergarten oder in die Schule zu schicken.

Positiv auf Corona getestet wurden auch Mitarbeiter der Firma Engel. Einer in St. Valentin und drei in Schwertberg. Alle vier Betroffenen wohnen in Oberösterreich und wurden sofort in Quarantäne geschickt.

Das Unternehmen hat alle Mitarbeiter, die zwar keinen direkten Kontakt zu den Patienten hatten, aber zum Beispiel in derselben Abteilung arbeiten, ebenfalls nach Hause geschickt. Am Montag lagen erste Testergebnisse von Mitarbeitern vor, die sich in Quarantäne befinden. „Die sind Gott sei Dank bislang alle negativ“, berichtet Pressesprecherin Susanne Zinckgraf.

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