Dampflok muss zurück. RÜCKHOLUNG / Seit 1974 steht das Stahlross in der Eggersdorfer Straße. Nun soll die Leihgabe zurück ins Museum nach Strasshof.

Erstellt am 24. April 2012 (00:00)
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VON HERMANN KNAPP

AMSTETTEN / Die Dampflok Typ 78 606 beim Parkplatz an der Eggersdorfer Straße ist so etwas wie das geheime Wahrzeichen der Mostviertelmetropole - zumindest für die Eisenbahner. Seit dem Jahr 1974 steht sie dort und erinnert daran, dass Amstetten seine positive Entwicklung der Eisenbahn verdankt.

Doch nun sind die Tage des alten Stahlrosses gezählt. Die Lokomotive ist nämlich nur eine Leihgabe aus dem Bestand des Lokomotivmuseums der österreichischen Bundesbahnen. Und das Bundesdenkmalamt hat nun die Empfehlung ausgesprochen, sie nach Strasshof zurückzuholen. „Angeblich entspricht die Aufstellung im Freien nicht mehr dem heutigen Erhaltungsstandard. Wir haben in den letzten Monaten immer wieder Verhandlungen mit den Verantwortlichen geführt, doch leider vergeblich. Es war uns nicht möglich, die Lok für Amstetten zu erhalten“, bedauert Bürgermeisterin Ursula Puchebner.

Schon Ende April, spätestens im Mai soll die Lokomotive abtransportiert werden. Im Gegenzug wurde der Stadt eine E-Lok angeboten. „Das hätte uns aber einiges gekostet. Außerdem war die Dampflokomotive ein Wahrzeichen der Stadt. Eine E-Lok kann das nicht ersetzen“, sagt Puchebner.

Ganz genau so sieht das VP-Vizebürgermeister Dieter Funke. „Wir müssen uns damit abfinden, dass uns die Dampflok weggenommen wird. Kaputt würde sie nicht, wir haben sie ja schon mehrmals renoviert. Doch wir haben keine Handhabe gegen den Entschluss des Bundesdenkmalamtes. Auf unsere Kosten eine E-Lok herzustellen macht keinen Sinn. Da stehen ja ohnehin vier davon vor der Werkstätte und rosten vor sich hin.“

Der Kurator des Eisenbahnmuseums in Strasshof Rupert Gansterer, ist der Ansicht, dass ein Verbleiben der Lok in Amstetten langfristig ihr Ende wäre. „Sie ist dort allen Witterungseinflüssen ausgesetzt und nimmt dadurch natürlich Schaden, sie ist ja nicht als Denkmal-Lokomotive hergerichtet. Es gab Anfang der 70er Jahre einfach nicht genug Raum um alle Lokomotiven zu lagernm, daher wurde aus der Not der Gedanke geboren, sie in Städten entlang der Bahn aufzustellen.“

Ältere Fotos, so Gansterer weiter, würden zudem belegen, dass in Amstetten schon wichtige Teile der Lokomotive abhandengekommen seien - wie etwa die Exzenterstange der Lichtmaschine.“

Der Kurator hält die Elektro-Lokomotive 1040, die der Stadt zum Erwerb angeboten wurde, durchaus für einen guten Ersatz. Denn dieses Modell war in Amstetten auch viele Jahre lang im Einsatz.

Einziger Lichtblick für die Freunde der alten 78 606: „Wir werden die Dampflok wieder betriebsbereit machen und es spricht nichts dagegen, dass sie gelegentlich auch nach Amstetten kommt“, sagt Gansterer.

Vizebürgermeister Dieter Funke: „Wir müssen uns damit abfinden!“

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