Immobilienprojekt in Seitenstetten: „Können es nicht verhindern“

Erstellt am 18. Mai 2022 | 05:59
Lesezeit: 4 Min
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Das unbebaute große Grundstück bei der Ortseinfahrt (von St. Peter kommend) bereitet den Verantwortlichen der Gemeinde Kopfzerbrechen. Die Sei1-Immo-GmbH will dort einen Lebensmittelmarkt errichten.
Foto: Aichinger
Geplantes Projekt mit Lebensmittelmarkt und Wohnbauten an der Steyrer-Straße sorgt in Seitenstetten für Debatten.
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Die Sei1-Immo-GmbH hat im Vorjahr Grundstücke von drei Besitzern an der Steyrer Straße (im Anschluss an den Kindergarten ortsauswärts) erworben und will auf der rund 7.300 Quadratmeter großen Fläche unterirdisch einen Verkaufsmarkt und darüber Wohnhäuser errichten.

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Bürgermeister Johann Spreitzer sucht die beste Lösung.
Foto: Archiv

Damit eine Bebauung im Hang möglich wird, müsste die Gemeinde allerdings einen entsprechenden Teilbebauungsplan beschließen. Der NÖ Bauordnung widerspricht laut Ansicht des Raumplaners und des Landes das Konzept der Sei1-Immo-GmbH nicht, zumal die Fläche auf diese Weise optimal genutzt würde. Die Crux für die Gemeinde ist allerdings der geplante Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von rund 750 Quadratmetern. Denn dieser wäre natürlich eine harte Konkurrenz für den bestehenden Unimarkt im Seitenstettner Zentrum. „Verhindern werden wir ihn nicht können, weil die Widmung des Areals auf Bauland-Kerngebiet lautet. Wenn wir keinen neuen Teilbebauungsplan beschließen und damit eine Hangbebauung verhindern, dann könnten die Betreiber ihn also auch oberirdisch errichten, dafür entstehen dann halt weniger Wohnungen“, sagt Bürgermeister Johann Spreitzer (ÖVP).

Das Projekt kommt für die Gemeinde auch deshalb so ungelegen, weil sie ja gerade mitten in einem Entwicklungsprozess steckt, mit dem das Ortszentrum gestärkt werden soll. Dem läuft das Projekt der Sei1-Immo-GmbH natürlich zuwider.

„Um eine Bebauung in dieser oder einer ähnlichen Form zu verhindern oder zumindest ein Mitspracherecht zu haben, wäre es für jede Privatperson, für jeden Gewerbetreibenden, aber auch für die Gemeinde Seitenstetten bereits seit vielen Jahren möglich gewesen, auf zumindest eines dieser Grundstücke ein ,Vorkaufsrecht‘ zu erwirken. Da dies nicht erfolgte – weil die Flächen bis zum Vorjahr auch nicht verkäuflich waren – können wir als Gemeinde ein Konzept, das der NÖ Bauordnung entspricht, nicht ablehnen“, hält Spreitzer fest. Glücklich ist der Ortschef über die Entwicklung natürlich nicht. Man könne nur versuchen, den Teilbebauungsplan mit Auflagen wie zum Beispiel Bebauungsdichte, Bezugshöhe, Dachform und Begrünung zu belegen. „Nur so können wir aktiv in eine Bebauung eingreifen und das prüft der Raumplaner derzeit. In einigen Wochen hoffen wir dann, im Gemeinderat nach objektiven Kriterien eine Entscheidung treffen zu können“, sagt Bürgermeister Spreitzer.

Ankauf des Grundstücks durch Gemeinde

Die SPÖPS hat sich schon festgelegt. „Wie auch immer der Hergang dieses Projektes in der Gemeinde war, sollten wir es so nicht beschließen. Mit der Widmung Bauland-Kerngebiet, die nie mehr geändert wurde, ist der Gemeinde und den früheren Gemeinderäten eine Schwäche in der Umsetzung des Entwicklungsplans 2012 passiert. Wir sind für Verhandlungen, um zu erreichen, dass die Sei1-Immo-GmbH das Projekt ohne Verkaufsfläche ausführt. Es sollte andere Funktionen, im Sinne von Gemeinde 21, geben. Im strengsten Fall soll ein Ankauf durch die Gemeinde angedacht oder angeboten werden“, sagt Parteiobmann Alois Schlager.

Spreitzer sieht da aber wenig Aussicht auf Erfolg, denn natürlich hat es schon Gespräche mit der Sei1-Immo-GmbH mit Sitz in Radstadt gegeben und die habe dabei signalisiert, dass sie den Lebensmittelmarkt auf jeden Fall bauen wolle.

Für Grün-Gemeinderat Gottfried Pfaffenbichler muss die Gemeinde versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. „In den 80er-Jahren wurde großzügig umgewidmet und es ist leider verabsäumt worden, das rückgängig zu machen. So ist die Situation. Natürlich können wir der Sei1-Immo-GmbH anbieten, den Grund zu kaufen, aber es ist die Frage, ob wir uns das dann auch leisten können oder wollen.“ Von der Bauordnung her könne die Gemeinde das Projekt nicht verhindern. „Und daher ist es besser, man optimiert den Platz, fährt mit dem Markt in die Erde hinein und hat oben optisch ansprechenden, verdichteten Wohnbau“, sagt der Grün-Politiker.

Wichtig ist Pfaffenbichler, dass durch eine entsprechende Straßengestaltung eine optische Verbindung zwischen dem Seitenstettner Marktzentrum und dem Areal an der Steyrer Straße hergestellt wird. „Es soll keinesfalls zu einem abgetrennten Bereich werden, sondern wir müssen den Marktplatz dorthin hinausziehen.“

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