Erstellt am 05. August 2015, 05:31

"Den Sonntagberg einfach im Kopf". Josef Hofmarcher, Bürgermeister der Marktgemeinde Ybbsitz, über den Sonntagberg.

Josef Hofmarcher bestieg immer den Sonntagberg, wenn er seine Großmutter in Böhlerwerk besuchte.  |  NOEN, privat

Meine ersten Erinnerungen an den Sonntagberg haben beinahe einen Bezug zur Gründungssage. Ich bin im Nothgraben auf einem Bauernhof aufgewachsen, und wenn uns im Herbst die Schafe entwichen sind, mussten wir sie am Maisberg suchen. Es war immer ein Erlebnis, wenn wir den Berg erklommen und wenn sich plötzlich das imposante Panorama entfaltete. Der Blick reichte über das Mostviertel bis zum Wald- und Mühlviertel.

Basilika am Sonntagberg als Blickfang 

Der Blickfang war natürlich die Basilika am Sonntagberg. Schon als Kind habe ich mir diese Kirche tief eingeprägt. Außerdem stammte meine Großmutter vom Lugergraben in Böhlerwerk ab. Wenn wir sie besuchten, fuhren wir mit dem Zug nach Böhlerwerk. Das war für uns schon ein besonderes Erlebnis. Dann bestiegen wir den Sonntagberg von der Südseite aus – an heißen Tagen ein mühsames Unterfangen. Umso schöner war es dann am Ziel, wo wir uns ausruhen konnten. Besonders erfreulich waren die Kirtagsstände, wo wir jedes Mal einige Kleinigkeiten bekamen.

Als Jugendlicher faszinierten mich dann die Bergrennen auf den Sonntagberg. Meine Freunde und ich saßen entlang der Straße auf der Wiese und beobachteten gespannt, wie die Autos und Motorräder den Berg hinauf rasten. Mir hat sich der Sonntagberg als Wahrzeichen unserer Gegend, das man sowohl von den Ybbsitzer Bergen im Süden wie auch von der Autobahn im Norden sieht, so eingeprägt, dass ich ihn einfach „im Kopf habe“. Ich könnte die Basilika, den Stiegenaufgang, den Innenraum, aber auch die osmanischen Figuren auf den Türschnallen beim Eingang jederzeit aus dem Gedächtnis nachzeichnen.

Wahrzeichen „trägt man im Kopf mit“

Man sieht dieses Wahrzeichen nicht nur, sondern man spürt es auch, man „trägt es im Kopf mit“. Faszinierend ist natürlich das Bauwerk als solches, und dass es Jakob Prandtauer schon vor etwa 300 Jahren gelungen ist, ein derartiges Kunstwerk an diesem exponierten Ort zu errichten. Mich fesselt aber nicht nur das Bauwerk, sondern auch die geistige Atmosphäre, in die man abtauchen und Kraft schöpfen kann.

In der Serie „Mein Sonntagberg“ präsentiert die NÖN ganz persönliche Geschichten über den Wallfahrtsort. Wer seine Geschichte ebenfalls in der NÖN erzählen möchte, kann sich unter redaktion.ybbstal@noen.at oder unter 07442/52202 melden.


Nächste Termine
Am Sonntag, 9. August, findet von 12 bis 12.30 Uhr wieder ein Orgelmittagkonzert in der Basilika am Sonntagberg statt. Es spielt Caroline Atschreiter.