„Die Politiker sind jetzt gefordert“

Erstellt am 10. April 2012 | 00:00
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KULTURLANDSCHAFT GEFÄHRDET / Mit Sanktionen belegte Landwirte sehen nicht nur Bauern in ihrer Existenz bedroht, sondern auch die Streuobstwiesen des Mostviertels.
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VON H. HIRTENLEHNER UND ST. HACKL

BEZIRK AMSTETTEN / Unter den Bauern geht die Angst um, dass die AMA heuer in der Region erneut verschärft kontrollieren wird. „Und die Strafen bedrohen manche Landwirte in ihrer Existenz“, geben zwei Bauern aus der Kleinregion Herz Mostviertel zu bedenken, die anonym bleiben wollen: „Es gibt ja jetzt schon sehr viele Bauern, die schwer betroffen sind - wir sind einfach nur zwei von ihnen.“

Beiden Landwirten flatterte eine Rückzahlungsforderung der AMA ins Haus, im Gegensatz zu anderen wollen sie sich aber dagegen wehren und Berufung einlegen. „Da geht es einerseits um eine Flächenabweichung und um eine Maßnahme, bei der ich die Auflagen nicht eingehalten haben soll“, meint einer der beiden Landwirte. Was ihn besonders ärgert: Sein Betrieb ist auch in den Jahren 2008 und 2009 kontrolliert worden. Dennoch soll er jetzt Förderungen rückwirkend bis 2007 zurückzahlen. „Damals hat aber alles gepasst und jetzt bei der dritten Prüfung nicht mehr.“ Es geht immerhin um die Summe von 14.000 Euro.

„Spielregeln wurden mitten  in Förderperiode geändert“

Die Mitarbeiter der Landesregierung hätten 2007 Einzelbäume und Feldgehölze als Landschaftselemente im Rahmen des Ökopunkteprogramms anerkannt – der Kontrollor der AMA allerdings nicht, kritisieren die Landwirte.

Auch hinsichtlich der Vermessung der Flächen könnte es böse Überraschungen für die Bauern geben: Denn dem Landwirt stand bei der Antragstellung kein Instrument zur Verfügung, mit dem er so genau messen konnte wie der AMA-Kontrollor nun mit GPS: „Es geht einfach nicht, dass die Spielregeln mitten in der Förderperiode geändert werden.“

Dabei gehe es gar nicht nur um die Existenz der Bauern, geben die beiden Landwirte zu bedenken. Vielmehr sei auch die Kulturlandschaft des Mostviertels mit ihren Streuobstwiesen bedroht. „Das Ökopunkteprogramm wurde ja zur Erhaltung der typischen Mostviertler Landschaft geschaffen. Je mehr Punkte ein Landwirt dabei erreicht, desto mehr Geld sollte er bekommen. Und jetzt wird dieses Programm mit aller Gewalt abgewürgt. Viele Landwirte werden aussteigen und sich sehr gut überlegen, ob sie nach dem Auslaufen der EU-Förderperiode im Jahr 2013 wieder bei einem neuen Programm mitmachen“, warnen die beiden Mostobstbauern.

„Wenn eine 100-jährige Baumzeile einmal weg ist, kann man sie nicht mit einem Federstrich wieder verordnen“, geben sie zu bedenken.

In einem Punkt sind sich die Landwirte einig: „Der ehemalige Bezirkshauptmann Dr. Hans Heinz Lenze hätte ebenso etwas gegen diese Entwicklung getan wie der ehemalige Landesrat Josef Plank. Nun sind die regionalen Politiker gefordert. Es muss sich etwas am System ändern - und das geht nur mit politischem Druck.“ Ein Zusammentreffen von mehr als 50 betroffenen Landwirten mit AMA-Chef DI Günter Griesmayr organisierte Marianne Helm aus Konradsheim, Landesobfrau des Unabhängigen Bauernverbandes, in der Vorwoche in Aschbach. Die Einzelschicksale machen betroffen: Einem Bauern aus Waidhofen, der erst kürzlich eine Riesensumme in einen neuen Stall investiert hat, wurde nach der AMA-Kontrolle die Förderung rigoros gekürzt.

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