Die Schindelmacher .... Dorfhaus / Das neue Pfarr- und Vereinshaus in Kürnberg bekommt eine Fassade aus Tannenschindeln, die von den Bürgern selbst in Handarbeit hergestellt werden.

Erstellt am 22. April 2014 (09:47)
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Andreas Seirlehner ist der Hauptverantwortliche bei der Schindelproduktion und auch beim Einteilen der Helfer.
NOEN, privat
Der Abriss des alten Pfarrhofes ist in vollem Gang. Die Ausschreibung der Hauptgewerke für den Neubau des Kindergartens, dessen Obergeschoß künftig die Pfarre und neun Vereine beherbergen wird, sind abgeschlossen – den Zuschlag für die Bauarbeiten erhielt die Firma Mayr-Bau. Der Spatenstich für das „Haus Kürnberg“ ist für Mitte Mai geplant.

Neben dem „normalen“ Ablauf eines Bauprojekts dieser Größe sind die Kürnberger aber mit einer ganz spezifischen Arbeit beschäftigt: „Kürnberg ist ein Problemfall“, sagt Vizebürgermeister Alois Seirlehner, zugleich Ortsvorsteher des Bergdorfes. „Ein normaler Vollwärmeschutz ist auf der Wetterseite fast nicht machbar. Bei der Pfarrkirche haben wir mit Holzschindeln gute Erfahrungen gemacht. Deshalb wird die Fassade des oberen Gebäudeteiles nun ebenfalls mit Schindeln vertäfelt“, erklärt er. Und diese werden von den Bürgern selbst erzeugt!

Auch Vizebürgermeister Alois Seirlehner dabei

Im Dezember hat ein siebenköpfiges Team rund um den Hauptverantwortlichen Andreas Seirlehner einen Schindelmacherkurs in der landwirtschaftlichen Fachschule Hohenlehen absolviert. Auch Vizebürgermeister Alois Seirlehner war dabei und beschreibt die wichtigsten Schritte dieser alten Handwerkstechnik: „Das Um und Auf bei einer Schindel ist, dass sie immer wieder austrocknet. Durch die Keilform wird das erzielt. Dabei ist es wichtig, schon beim Holz die richtige Auswahl zu treffen. Das Holz sollte nicht gedreht, relativ astfrei und feinwüchsig sein. Der Baumstamm wird in zirka 50 Zentimeter große Stöcke geschnitten, vorgespaltet und schließlich auf die entsprechende Stärke von 12 bis 15 Millimeter gespaltet. Dann werden die Schindeln zugeschnitten und mit dem Reifmesser bearbeitet, sodass die nötige Keilform entsteht.“

In Gebirgsgegenden, in denen die Schindeln seit Jahrhunderten als Wetterschutz angefertigt werden, wird vor allem Lärchenholz verwendet. „Diese muss über 1.500 Meter gewachsen sein. Dazu haben wir aber keinen Zugang, deshalb fertigen wir unsere Schindeln in Tanne. Außerdem verfärbt Tannenholz, wenn es verwittert, silbergrau. Und das gefällt uns sehr gut“, sagt Seirlehner.

Landwirte spendeten das Tannenholz

Insgesamt 500 Quadratmeter Schindeln werden für das Haus Kürnberg benötigt. Mehr als 30 Landwirte haben dafür bereits 55 Festmeter Tannenholz gespendet. „Weitere Spenden werden natürlich gerne entgegengenommen“, appelliert der Ortspolitiker.

Für die Schindelproduktion wurde eine Werkstätte bei der Familie Martin und Birgit Holzer, vulgo „Hochbrand“ eingerichtet. Das ursprünglich siebenköpfige Schindelmacherteam hat sich um ein Vielfaches vergrößert. „Mittlerweile haben sich schon 40 Personen, darunter fünf Damen, an der Produktion beteiligt“, freut sich Seirlehner über die rege Mithilfe. Besonders tatkräftig bei der Sache ist Seniorbauer Josef Holzer, der bei weitem die meisten freiwilligen Arbeitsstunden geleistet hat. Als Seniorenbundobmann hat er außerdem sehr viele Senioren zur Mitarbeit angeregt.

Etwa 350 Quadratmeter haben die Bürger so bereits geschafft, die restlichen Schindeln sollen im nächsten Monat fertiggestellt werden. „Mir taugt es, dass diese Aktion so eingeschlagen hat“, ist Alois Seirlehner stolz auf „seine“ Kürnberger. „Es haben sich bei diesem Projekt Leute eingebracht, die man vielleicht sonst nicht erreicht hätte. So wird es wirklich ein Haus von Kürnbergern für Kürnberg.“