die Zivildiener

Erstellt am 18. Dezember 2012 | 00:00
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„Leistbares, funktionierendes System“ soll bestehen bleiben.
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Von Hannes Hirtenlehner

BEZIRK AMSTETTEN / „Das Rote Kreuz braucht den Zivildienst“ - unter diesem Motto lud das Rote Kreuz am Freitag Politiker der Region zu einer Diskussion in die Bezirksstelle Amstetten ein. Deren Leiter Heinz Lenze stellte gleich einmal klar, dass es einer „Bankrotterklärung“ der Politik gleichkomme, überhaupt eine Volksbefragung über die Beibehaltung der Wehrpflicht und des Zivildiensts durchzuführen - und erklärte den 20. Jänner 2013 zu einem „Lostag“ für das Rote Kreuz.

Für Willi Sauer, Präsident des Roten Kreuzes NÖ, würde die Abschaffung des Zivildiensts einen schmerzhaften Einschnitt in das Gesundheits- und Sozialsystem bedeuten: Schließlich seien in Niederösterreich fast 1.000 Zivildiener für das Rote Kreuz im Einsatz, drei Viertel von ihnen blieben als freiwillige Helfer erhalten. Bezirkskommandant Wolfgang Frühwirt rechnete vor, dass das Land Niederösterreich bei gleichen Anforderungen und Leistungen landesweit 205 zusätzliche hauptberufliche Mitarbeiter finanzieren müsse - insgesamt würde das Wegfallen des Zivildienstes Mehrkosten von elf bis zwölf Millionen Euro bedeuten.

Bezirksstellenleiter Lenze zeigte sich besorgt darüber, ob nicht ein Teil der rund 850 Freiwilligen, die derzeit für das Rote Kreuz im Bezirk Amstetten tätig sind, aufhören würde, wenn das freiwillige soziale Jahr künftig mit rund 1.400 Euro bezahlt würde, die Freiwilligen aber nichts bekämen. Außerdem befürchtete Lenze, dass der Rettungsbeitrag der Gemeinden von derzeit 4,02 Euro in Amstetten auf rund 70 Euro steigen könnte - unter Berücksichtigung von Gebäuden, Fuhrpark und Treibstoff müsste der Steuerzahler sogar rund 100 Euro aufwenden.

Sauer: Verpflichtung kann auch Chance sein 

Präsident Sauer sprach sich dafür aus, dass man jungen Menschen, die in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen sind, durch die Verpflichtung auch die Chance geben sollte zu sehen, dass das Leben auch aus Krankheit und Leid besteht.

„Wir haben ein funktionierendes, leistbares System, das sich bewährt hat“, betonte der zweite Landtagspräsident Johann Heuras, der sich dagegen aussprach, „ein funktionierendes System“ abzuschaffen.

Die einzige SPÖ-Politikerin bei der Diskussion, Nationalrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, wollte nicht auf „Zahlenspiele“ eingehen und fand es sinnvoll, angesichts eines veränderten Bedrohungsszenarios über den Aufbau eines Profiheers mit guter Miliz nachzudenken: „Und es ist nicht in Ordnung, davon zu sprechen, dass gleich das ganze Gesundheits- und Sozialsystem zusammenbricht, nur weil die Wehrpflicht möglicherweise abgeschafft wird.“

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