Im Westen nichts Neues

Erstellt am 24. November 2014 | 11:48
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Robert Schuster
Foto: NOEN, Archiv
Bezirk ist zum elften Mal hintereinander bei den Medianeinkommen Spitzenreiter. Frauen liegen mit ihrem Verdienst aber deutlich unter dem NÖ-Schnitt.
Werbung
Die Mostviertler sind zum elften Mal in Folge die Spitzenverdiener in Niederösterreich. Laut Einkommensanalyse der Arbeiterkammer lag das Medianeinkommen im Bezirk bei 2.163 Euro brutto und somit um rund 9,3 Prozent über dem NÖ-Schnitt.

Doch wo viel Licht ist, da ist auch Schatten: Nirgendswo sonst in Niederösterreich klafft die Schere zwischen den Geschlechtern so weit auseinander wie in der Region.

„Liegt am hohen Lohnniveau in der Metallindustrie“

Das Medianeinkommen der Frauen war im Jahr 2013 um 43,4 Prozent geringer als jenes der Männer und lag mit mageren 1.423 Euro auch 6,4 Prozent unter dem Landesschnitt. Da hat sich gegenüber dem Jahr 2012 also nichts zum Besseren gewendet.

Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Robert Schuster
Bezirksstellenleiter Robert Schuster freut sich zwar über das hohe Lohnniveau im Bezirk, legt den Finger aber auch auf die »Wunde« - nämlich das geringe Einkommen der Frauen.
Foto: NOEN, Archiv

Für Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Robert Schuster (Foto links, li.) bietet die Einkommensanalyse wenig neue Erkenntnisse. „Dass wir wieder an der Spitze der Reihung sind, liegt am hohen Lohnniveau in der Metallindustrie. Zudem profitiert der Bezirk von der Nähe zum oberösterreichischen Zentralraum“, analysiert er.

Dort sei das Einkommen sehr hoch und die Betriebe im Bezirk müssten mitziehen, wollten sie nicht riskieren, dass ihnen Fachkräfte abwandern.

Den geringen Verdienst der Frauen erklärt sich Schuster daher, dass diese eben oft in Branchen mit niedrigen Kollektivverträgen tätig seien – wie zum Beispiel dem Handel. „Natürlich spielt auch die Teilzeitarbeit mit, die bei Frauen häufiger ist, sie ist aber sicher nicht der Hauptgrund.“

Interessantes Detail im Bezirk: Das Einkommen der Arbeiter stieg im Vorjahr mit 1,71 Prozent deutlich stärker, als jenes der Angestellten mit 0,25 Prozent.

Niederösterreich bundesweit nur an fünfter Stelle

Insgesamt gesehen liegt das Land Niederösterreich bei der Einkommensanalyse in der Bundesländerwertung übrigens nur an fünfter Stelle.

Michaela Hinterholzer
Michaela Hinterholzer rät Frauen, auf eine gute Ausbildung Wert zu legen. Foto: Archiv
Foto: NOEN, Archiv

Auch für Wirtschaftsbundobfrau Michaela Hinterholzer hängt das hohe Lohnniveau im Bezirk klar mit den vielen Beschäftigten in der Metallindustrie zusammen.

„Die Entwicklung der Fraueneinkommen ist natürlich alles andere als erfreulich. Ich kann nur wieder einen Appell an die Frauen richten, bei der Berufswahl zwar auf die eigenen Neigungen zu schauen, aber auch Wert auf eine gute Ausbildung zu legen. Denn je besser Frauen ausgebildet sind, desto besser ist auch ihr Gehalt“, so Hinterholzer.

Sie stimmt mit Schuster überein, dass der Bezirk bei den Gehältern von der Nähe zum oberösterreichischen Zentralraum profitiere. „Denn 25 Prozent der österreichischen Exporte kommen aus dem Eck Linz, Steyr, Amstetten.“

„Von globalen Entwicklungen stärker abhängig als früher“

Dem kommenden Jahr sieht Hinterholzer mit ambivalenten Gefühlen entgegen. Es gäbe im Bezirk zwar Betriebe mit guter Auftragslage, wie Lisec oder Doka, aber auch Firmen, die sich schwer täten.

„Tatsache ist, dass die Welt klein geworden ist und wir, da sechs von zehn Euros im Export verdient werden, von globalen Entwicklungen viel stärker abhängig sind, als früher.“ Sehr begrüßen würde Hinterholzer eine Entlastung der Einkommen auf dem Wege einer Steuerreform. „Denn das würde auch den privaten Konsum wieder anregen.“

Waidhofen: „Im Wirtschaftspark hat sich einiges getan“

Waidhofen/Ybbs liegt nach wie vor mit einem hohen Medianeinkommen von durchschnittlich 2.093 Euro auf Platz drei hinter Amstetten und St. Pölten Stadt und somit 5,8 Prozent über dem NÖ Einkommensniveau. VP-Wirtschaftsstadtrat Kurt Hraby erklärt das hohe Einkommen im Bezirk mit den gut laufenden Betrieben. „Alleine im Wirtschaftspark hat sich einiges getan. Diese großen Firmen stabilisieren die Einkommenshöhe“.

Dennoch sieht Hraby Handlungsbedarf: „Man muss unbedingt danach trachten, die großen Betriebe in der Region zu halten. Daher lautet mein Appell an die Landes- und Bundespolitik immer wieder, die Verkehrsinfrastruktur weiter auszubauen.“ Er höre diese Forderung auch vielfach von regionalen Betrieben.

Die Einkommensschere fällt in Waidhofen zwischen Männern und Frauen im Vergleich zum Bezirk Amstetten zwar etwas geringer aus, dennoch ist diese nach wie vor sehr hoch. Frauen verdienen insgesamt durchschnittlich 1.488 Euro, die Männer liegen mit 2.445 Euro massiv darüber.


Einkommen 2013

BEZIRK AMSTETTEN

Arbeiter:

Frauen..........................1.279 Euro

Männer........................ 2.345 Euro

Angestellte:

Frauen.........................1.596 Euro

Männer........................3.382 Euro

Alle:

Frauen......................... 1.423 Euro

Männer.........................2.514 Euro

Gesamt.........................2.163 Euro

WAIDHOFEN/YBBS

Arbeiter:

Frauen.........................1.364 Euro

Männer........................2.350 Euro

Angestellte:

Frauen......................... 1.674 Euro

Männer........................ 3.357 Euro

Alle:

Frauen......................... 1.510 Euro

Männer........................ 2.481 Euro

Gesamt........................ 2.093 Euro

NÖ-Schnitt gesamt........1.979 Euro

Werbung