Bruno Weber bietet Amstettner FPÖ seinen Rücktritt an. FP-Stadtrat Bruno Weber bedauert sein Facebookposting: „Es entspricht nicht meinem Charakter“.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 04. September 2018 (06:06)
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Das FacebookPosting hat für FP-StadtratBruno Weber dramatische Konsequenzen. Er muss nun um seinen Arbeitsplatz bei derFirma Lisecbangen. Seine politischeZukunft ist ebenfalls offen.
Kovacs

„Als größten Fehler meines Lebens“, bezeichnet FP-Stadtrat Bruno Weber das Facebook-Posting, mit dem er eine Werbeaktion der ÖBB abkanzelte. Er kommentierte ein Sujet, das ein vermeintlich gleichgeschlechtliches Paar mit Kleinkind zeigt, auf Facebook mit den Ausdrücken wie „Schwuchteln“, „Neger“ und „mir graust“.

Inzwischen bedauert er diese Wortwahl. „Ich habe damit ein Bild vermittelt, das meinem Charakter und meiner Person in keiner Weise entspricht“, erklärt er gegenüber der NÖN.

An jenem Abend „müde nach Hause gekommen“

Er sei, so Weber, an jenem Abend spät, müde und vielleicht auch verärgert nach Hause gekommen und habe dann das Werbesujet der Bahn gesehen, das so gar nicht seinem konservativen Familienbild entspreche. „Da sind bei mir offenbar Sicherungen durchgebrannt. Ich habe mir immer geschworen, dass ich auf Facebook sicher nie etwas Beleidigendes oder Abwertendes hineinschreiben werde, weil das auch nicht meinem Naturell entspricht. Ich konnte am nächsten Tag selbst kaum glauben, dass diese Worte von mir stammen, und war entsetzt.“

An seiner inhaltlichen Kritik, dass ein „hochsubventionierter Betrieb in seiner Werbung nicht so ein Familienbild zeichnen soll, weil es eben nur eine Minderheit in der Gesellschaft abbildet“, hält er nach wie vor fest.

Gericht muss Antrag auf Entlassung erst genehmigen

Was in den Tagen nach seinem Posting auf ihn eingestürzt ist, würde Weber „nicht einmal einem Todfeind wünschen.“ Vor allem war er damit konfrontiert, dass sein Arbeitgeber, die Firma LiSEC, beim Arbeitsgericht einen Antrag auf Entlassung oder Kündigung eingebracht hat. Das Gericht muss diese genehmigen, weil Weber ja Betriebsrat ist.

Erst im Juni wurde seine Liste mit 74,2 Prozent der Stimmen in der LiSEC Glastec in Hausmenig wiedergewählt und er als Betriebsratsvorsitzender bestätigt. „Ich weiß auch, dass viele Leute im Unternehmen nach wie vor zu mir stehen. Sie kennen mich ja und wissen, wie ich wirklich denke.“

In zwei Wochen wird vor dem Arbeitsgericht eine Entscheidung über Webers berufliche Zukunft fallen. „Ich habe mir bisher nie etwas zuschulden kommen lassen. Ich hoffe, dass es mir mit meinem Rechtsanwalt gelingt, meine Ansprüche zu wahren. Es geht jetzt um meine Existenz.“

Seine politische Zukunft ist so gesehen im Grunde derzeit nur eine Nebenfront für ihn. Weber hat für sich aber schon beschlossen, dass er seiner Fraktion bei einer Sitzung seinen Rücktritt anbieten wird, als Stadtrat, aber auch als Gemeinderat. Den Bauausschuss in der kommenden Woche will Weber auf jeden Fall noch leiten. „Ich werde für diese Arbeit ja auch bezahlt und kann daher nicht einfach alles hinschmeißen. Das würde ebenfalls meinem Charakter widersprechen.“

Gespräch mit Stadtchefin Puchebner geführt

Der Noch-FP-Politiker berichtet auch von einem Shitstorm, der in den letzten Wochen über ihn hereingebrochen sei. „Die Nachrichten kamen per E-Mail, per SMS und per Facebook. Da waren jede Menge sehr tiefe Wortmeldungen dabei, das ging bis zum Erschießen. Zum Glück habe ich aber auch gute Freunde, die mich moralisch unterstützen – auch wenn sie mir nicht wirklich helfen können.“

Bruno Weber berichtet, dass er in der Vorwoche auch ein klärendes Gespräch mit Bürgermeisterin Ursula Puchebner geführt und auch ihr versichert habe, dass die Worte in diesem Facebook-Posting nicht seinen eigentlichen Charakter widerspiegeln.


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