Musikperformance in 10 Bildern als innovatives Projekt. Barbara Maria Neu gibt in „Stalltänze“ Einblick in Alltag von Bäuerinnen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 04. Juli 2020 (05:46)
Bei der Präsentation der Stalltänze (von links): Christina Vanek, Ilse Neu, Bernhard Neu, Künstlerin Barbara Maria Neu,Anton Neu, Bürgermeister Johannes Pressl, Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer und Moststraßengeschäftsführerin Maria Ettlinger.
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Auch die Coronakrise hat die Klarinettistin Barbara Maria Neu nicht davon abhalten können, ein ehrgeiziges Kunstprojekt zu verwirklichen. „Stalltänze“ nennt sich ihre Musikperformance, verbunden mit einstündigem Kunstvideo und Ausstellung. Thema ist der Alltag einer selbstständigen, allein lebenden, traditionellen Landwirtin.

Dass diese fiktive Figur gerade Tatiana Romanova heißt, ist eine Verbeugung vor der Urenkelin von Zar Nikolaus I von Russland, aber auch vor dem gleichnamigen Bondgirl aus dem Film „Liebesgrüße aus Moskau“ mit Sean Connery. „Beide sind starke Frauen und haben mich auf ihre Art schon immer fasziniert“, erzählt Neu.

In „Stalltänze“ wird das Leben der Bäuerinnen im Mostviertel thematisiert, aber auch die Probleme des Bauernstandes insgesamt kommen zur Sprache. „Denn die Landwirte haben es ja wirklich nicht leicht. Sie werden vom Gesetzgeber, vom Handel und auch von den Konsumenten unter Druck gesetzt. Das erkennt man daran, wie viele Bauern in den letzten Jahren aufgegeben haben“, sagt Neu.

„Stalltänze“ trägt auch biografische Züge

„Stalltänze“ trägt durchaus auch biografische Züge. Denn die Künstlerin ist ja am Hof ihrer Eltern in Empfing aufgewachsen und ihre Erfahrungen und Erlebnisse sind in die Musikperformance miteingeflossen. Zehn Videos an verschiedenen Orten am Hof haben Neu und ihr fünfköpfiges künstlerisches Frauenteam gedreht.

Inhalt der Szenen ist der Arbeitsalltag der fiktiven Landwirtin Tatiana Romanova. Eine Sequenz spielt in der Käserei (am Hof von Barbaras Eltern wird ja Ziegenkäse hergestellt), eine andere zeigt Romanova, wie sie im Stall mit den Ziegen spielt, eine dritte präsentiert sie bei der Arbeit in der Werkstatt. „Auch dort sind Bäuerinnen tätig. Meine Mutter kann zum Beispiel auch gut mit der Motorsäge umgehen und sie ist da sicher nicht die einzige Landwirtin“, sagt Neu.

Jede Szene verfügt über ihre eigene zeitgenössische Musikkomposition für Solo-Klarinette. „Denn im Leben der Tatiana Romanova ist alles Musik. Jede Bewegung und jedes Geräusch von Werkzeugen, Materialien, Maschinen und Tieren sind ein künstlerischer Impuls, den sie mit den Klängen ihrer Klarinette und ihren eigenen Bewegungen zu einer ganzheitlichen Komposition vervollständigt“, sagt die Künstlerin.

Die Idee zum Projekt kam Neu schon vor einigen Jahren. „Es war wie ein innerer Drang. Ich wollte vom Leben der Bauern erzählen und es in die Kunst und Kulturwelt übertragen, um es dadurch auch den Menschen in der Stadt zu vermitteln. Bäuerinnen sind weltoffen und inte ressiert, sie arbeiten hart und sind selbstständig.“

Uraufgeführt werden die „Stalltänze“ am 22. August um 19 Uhr im Ita-Stadl in Ardagger Stift – mit so viel Publikumsbeteiligung wie die Coronaauflagen dann zulassen. „Abseits der Live-Vorstellung funktionieren die Installationen, ergänzt um die Video-Szenen, aber auch als Ausstellung“, sagt Neu.

„Es braucht Menschen, die Neues probieren“

Unterstützt wurde und wird die Künstlerin bei der Realisierung ihres Kunstprojektes von der Moststraße und der Gemeinde Ardagger. „Ich habe Barbara Neu als eine gestandene Mostviertlerin und hervorragende Klarinettistin kennengelernt. Als Moststraße arbeiten wir gerne mit ihr zusammen, weil wir ja immer darum bemüht sind, die Konsumenten auf den Wert von regionaler, bäuerlicher Produktion hinzuweisen. Barbara Maria Neu schafft es, unsere Traditionen und die Erhaltung unserer Kulturlandschaft mit einer modernen Aufsetzung zu verbinden“, sagt Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer.

Bürgermeister Hannes Pressl betont, dass die Familie Neu nie auf den Mainstream gesetzt hat, sondern auch in der Landwirtschaft eigene Wege ging, zuerst als Biohof und dann mit Ziegenhaltung und Käseproduktion. „Ihr wart Pioniere in einem Bereich, der sich längst zu einem Trend entwickelt hat“, sagt der Ortschef.

Auch vom Kunstprojekt erwartet er sich „eine kleine Revolution“ jenseits des Mainstreams. „Die bäuerlichen Problemstellungen für die städtische Welt zu vermitteln, ist wichtig. Ich freue mich, dass Barbara die Gemeinde Ardagger als Ort für ihr innovatives Kunstprojekt gewählt hat. Es braucht Menschen, die Neues ausprobieren. Das zeichnet auch ein lebendiges Dorf aus.“