„Höchstes Interesse" für Umfahrung der B123

Erstellt am 12. Jänner 2015 | 09:42
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Foto: NOEN, Ingrid Vogl
Werner Pracherstorfer (Land NÖ) stellte bei einer Informationsveranstaltung klar, dass man die Umfahrung der B123 schnell umsetzen möchte.
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Groß war das Entsetzen vor zwei Wochen, als bekannt wurde, dass der Verwaltungsgerichtshof entgegen aller Erwartungen wegen Verfahrensmängeln den letzten noch ausständigen Bescheid für die Umfahrung der B123 aufgehoben hatte. Seit letztem Sonntag ist die Hoffnung auf einen baldigen Baubeginn wieder etwas größer.

Pracherstorfer: „Die Zeichen stehen auf Go"

Bei einer Informationsveranstaltung im Ennsdorfer Gewäxhaus verkündete Werner Pracherstorfer, Leiter der Abteilung für Straßenplanung beim Land NÖ, dass man „höchstes Interesse habe, das Projekt zu realisieren. Die Zeichen stehen auf Go. Die Mittel sind reserviert“, probierte er die verunsicherte Bevölkerung zu beruhigen.

Kein einfaches Unternehmen. Schließlich hatte Landesstraßenbaudirektor Josef Decker zuletzt verkündet, „dass das Projekt, das eingereicht wurde, nicht bewilligbar ist“.

„Ein bisschen Optimismus ist zurückgekehrt.
Euphorisch bin ich aber noch nicht.“
Ennsdorfs Bürgermeister Alfred Buchberger
nach Ende der Informationsveranstaltung

Dem widersprach Pracherstorfer. „Ich möchte den Straßenbaudirektor nicht interpretieren. Wenn er sagt, das Projekt ist nicht umsetzbar, dann hat er insofern recht, weil ja der Bescheid aufgehoben wurde. Das Projekt an sich ist aber in Ordnung, das ziehen wir nicht in Zweifel, das wollen wir auch so umsetzen“, betonte er.

Wie lange die Windpassinger und Pyburger auf Grünes Licht für die rund drei Kilometer lange Umfahrung warten müssen, konnte Pracherstorfer aber auch nicht sagen.

Anrainer bereit für weitere Straßenblockaden

„Wir hoffen, dass wir in den nächsten sechs Monaten eine Entscheidung haben, aber wir müssen warten, bis das Urteil rechtskräftig ist. Wie die Gerichte entscheiden, darauf haben wir keinen Einfluss. Was ich zusagen kann, ist, dass wir in allen Punkten sehr gut vorbereitet ins nächste Verfahren beim Landesverwaltungsgericht gehen werden“, lieferte der Straßenplaner so etwas wie ein Eingeständnis, dass die Juristen des Landes bei der Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof nicht hundertprozentig sattelfest waren.

Dass jetzt nach 20 Jahren des Wartens plötzlich alles sehr schnell gehen könnte, das konnten und wollten die rund 250 anwesenden Bürger aber noch nicht so richtig glauben. Die Skepsis war weiterhin groß, denn immerhin gab es Anfang 2013 bereits eine Ausschreibung für das Projekt.

Die Anrainer sind auch bereit für weitere Straßenblockaden. „Sobald wir sehen, dass das Projekt wieder verzögert wird, sind wir schon wieder auf der Straße. Das verspreche ich euch“, betonte Ludwig Riedl von der Bürgerliste Ennsdorf.

Mauthausens Bürgermeister: „Werden die Brücke blockieren“

Die Niederösterreicher bekamen dahingehend auch Unterstützung von jenseits der Landesgrenze. „Wenn es nicht anders geht, dann werden wir die Straßen in Niederösterreich und Oberösterreich und die Brücke blockieren“, erklärte Mauthausens Bürgermeister Thomas Punkenhofer.

Er ortete zwei gemeinsame Probleme: Zum Einen benötige man auf beiden Seiten der Mauthausner Brücke, die zudem viel zu klein sei, eine Umfahrung. Das andere Problem sei ebenfalls auf beiden Seiten gleich und heiße Landesregierung, nahm sich Punkenhofer kein Blatt vor den Mund und erntete dafür tosenden Applaus.

Aber nicht nur Applaus, sondern auch Buhrufe waren im Gewäxhaus zu vernehmen. Diese waren an ÖVP-Gemeinderat Karl Öfferlbauer aus St. Pantaleon-Erla gerichtet, der es sich nicht nehmen ließ, mit seinen wahlkampforientierten Aussagen Öl ins Feuer zu gießen.

„Man muss den Konsens mit den anderen suchen“

Er kritisierte den Ennsdorfer SPÖ-Bürgermeister, dass dieser die Schuld für die Verzögerung immer bei den anderen suche. „Man muss den Konsens mit den anderen suchen“, unterstellte er, dass man den Kontakt zu dem Bauern, der das Projekt seit Jahren blockiert, noch nie gesucht habe.

Das ließ Alfred Buchberger nicht auf sich sitzen. „Wirtschaftstreibende, Vertreter des Landes und auch ich haben versucht, direkt Kontakt aufzunehmen. Das war nicht möglich“, erklärte der Ortschef und bekam verbale Unterstützung von Vizebürgermeister Walter Forstenlechner: „Es ist sein Lebensziel, die Umfahrung zu verhindern. Da werden sachliche Argumente nicht helfen. Mit ihm Konsens herzustellen, ist aussichtslos.“

Die Buhrufe blieben zur Freude von Ortschef Alfred Buchberger die einzigen Unmutsäußerungen. „Ich bin stolz auf die Leute, dass sie sich nach der Enttäuschung so zivilisiert verhalten haben.“

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