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Erstellt am 14. Oktober 2013 | 08:34
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Foto: NOEN
auf die Waidhofner Straße ausbiegen.
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Von Hermann Knapp

„Das ist eine bodenlose Frechheit! Eigentlich sollte eine bedarfsgesteuerte Ampel wie bei der Firma Umdasch hierher kommen. Es ist ein Wahnsinn, dass nicht auf die Sicherheit geschaut wird, sondern nur auf den Verkehrsfluss. Da sieht man, dass der Mensch nichts mehr wert ist!“ schimpft Rene Schwarzbuhler aus der Siedlung Höf. Die Anrainer nehmen die neueste Verordnung der Bezirkshauptmannschaft gar nicht gut auf, denn diese schreibt ihnen vor, dass sie künftig zwischen 6 und 9 Uhr und zwischen 16 und 19 Uhr nicht links Richtung Amstetten auf die Waidhofner Straße ausbiegen dürfen - egal ob nun viel oder wenig Verkehr ist.

Tatsächlich gleicht die Ausfahrt auf die Waidhofner Straße für die Bewohner der Siedlung Höf zu den Stoßzeiten oft einer Partie russisches Roulette - vor allem Richtung Amstetten. Der Verkehr auf der B121 ist da meist so dicht, dass sich kaum Lücken auftun. Die Anrainer fordern daher schon seit Jahren Abhilfe. „Die ideale Lösung wäre eine bedarfsgesteuerte Ampel, eine Trafostation wäre ja vorhanden. Dafür habe ich vor drei Jahren 78 Unterschriften gesammelt, damit nicht mehr Unfälle passieren. Auch heute wäre ich froh, wenn es eine gescheite Lösung geben würde“, sagt Anrainer Johann Wurzer.

Über zwei Kilometer bis zum Kreisverkehr

Das Linksabbiegeverbot verschlechtere die Situation für die Anrainer nur noch. „Die Strecke bis zum Kreisverkehr beim Leiner habe ich mit dem Navi abgemessen - hin und zurück sind das 2.680 Meter! Und der Verkehr auf der Bundesstraße wird dadurch auch nicht weniger, weil die meisten Autofahrer müssen ja zu den Stoßzeiten aus der Höf hinausfahren. Da wäre es ja noch eher eine Lösung gewesen, wenn sie bei der Abzweigung nach Greinsfurth einen Kreisverkehr gemacht hätten“, sagt Wurzer.

Auch für Franz Palmetshofer aus Berg (auch diese Anrainer fahren bei der Ausfahrt Höf hinaus) wäre eine Ampel die beste Lösung gewesen. Ein Linksabbiegeverbot findet er nicht so gut: „Wenn dann einmal wenig Verkehr ist, muss ich trotzdem herumfahren. Ich finde, es sollte jeder selbst entscheiden, ob er links abbiegen kann oder ob es zu gefährlich ist. Leider sieht man durch das neue Brückengeländer nicht mehr durch, jetzt ist es noch schlechter. Die Ausfahrt ist wirklich gefährlich – ich hoffe, es muss nichts Schlimmeres passieren, bis es eine sichere Lösung gibt.“

Für die Obfrau des Stadtverkehrsausschusses, Brigitte Kashofer, ist die Regelung schlichtweg eine Entmündigung der Bürger. „Es sieht ja jeder Autofahrer selber, ob er links auf die Waidhofner Straße hinausfahren kann oder nicht. Mit dieser Verordnung löst man keine Probleme, sondern schafft nur neue. Wir haben ja schon vor Jahren eine bedarfsgesteuerte Ampel vorgeschlagen. Das wäre aus unserer Sicht sinnvoll, wurde aber abgelehnt.“

Der Verkehrsausschuss der Stadt hat sich geschlossen gegen das zeitlich begrenzte Linksabbiegeverbot ausgesprochen – umsonst. Für SP-Gemeinderat und Greinsfurths Ortsvorsteher Anton Ebner ist die Verordnung schlichtweg Humbug: „Man sieht daran, dass auch vermeintliche Fachleute einen Bock schießen können. Von einem stundenweisen Linksabbiegeverbot habe ich noch nie gehört. Statt die Situation der Anrainer zu verbessern, zwingt man sie jetzt auch noch vor dem Ausbiegen auf die Uhr zu schauen. Was soll das bringen?“

Ebner hat sich in den letzten Monaten bemüht, eine andere Ausfahrtsvariante für die Bürger der Höf zustande zu bringen – auf einem befestigten Güterweg entlang des Waldes bis zur Litzellachnerstraße beim Kreisverkehr Baumax. „Leider war mit dem Grundbesitzer keine Einigung möglich. Zudem würden wir wohl auch für einen offiziellen fünften Arm im Kreisverkehr keine Genehmigung bekommen“, bedauert er.

Bezirkshauptmann Martina Gerersdorfer geht davon aus, dass die Verkehrstafel in der Höf demnächst aufgestellt wird. Die Einwände der Stadt sind ihr bekannt, sie betont aber: „Der Verkehrssachverständige ist eben der Ansicht, dass diese Verordnung notwendig ist, um die Flüssigkeit des Verkehrs auf der Waidhofner Straße zu gewährleisten!“

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