Bezirk Amstetten: Fasten als Nahrung von innen

Seitenstettens Abt Petrus Pilsinger und Josef Schmidinger berichten von ihrer Suche nach dem Sinn des Fastens.

Erstellt am 17. Februar 2021 | 05:24
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Seitenstettens Abt Petrus Pilsinger betont, dass Fasten auch kreative Prozesse fördern kann.
Foto: Penz

„Fasten ist ein menschliches Tun, bei dem Leib und Seele sich darauf einstellen, die Nahrung für eine bestimmte Zeit nicht von außen, sondern von innen her, aus den eigenen Depots, zu beziehen. Sind anfängliche Schwierigkeiten überwunden, kann Fasten zu Leichtigkeit in Bewegung und Atmung, zu tiefer Entspannung und Ruhe sowie zu Begegnung mit Gott und den Menschen führen“, zitiert Abt Petrus Pilsinger aus einem ihm lieb gewordenen Büchlein.

Keine religiöse Leistungsschau

Von innen her leben betrifft laut dem Seitenstettner Klostervorsteher verschiedene Ebenen: Oft fühlt man sich übersättigt, übergewichtig und deshalb auch übermüdet. „Die überfüllten Depots des Körpers abbauen bedeutet mehr Gesundheit, Leichtigkeit und Beweglichkeit.“

Auch geistig kann man übervoll sein mit Informationen, Eindrücken, Unterhaltung aus dem Internet und sozialen Medien; nicht zu vergessen die Abhängigkeit von Süchten und ungesunden Beziehungen. „Gesuchte Stille und Einsamkeit, Fernseh- und Internetfasten können helfen, die Phantasie zu reinigen und in kreative Prozesse überzuführen. Ein gutes Buch kann da wertvoller Begleiter sein“, rät Abt Petrus.

„Fasten ist für mich aber nicht nur die Enthaltsamkeit von bestimmten Speisen oder Getränken, sondern auch das Zurücknehmen aus dem Laufe des Alltags.“ Josef Schmidinger, ehemaliger Generaldirektor der S-Bausparkasse

Fasten soll nie stolz zur Schau gestellt werden, darf zu keinem Wettbewerb ausarten; erst dann können spirituelle Früchte reifen: Selbsterkenntnis, Selbstfindung und die Gotteserfahrung. „Fasten macht mir ‚Hunger‘ und Leere bewusst, die von innen her mit Gebet, geistlicher Lesung und Füreinander-Dasein gefüllt werden sollen“, ist Abt Petrus überzeugt und erwähnt auch noch die soziale Ebene, bei der es um die vielen Möglichkeiten des Teilens geht: „Güter und Geld sind teilbar, auch Zeit und das Leben können geteilt werden!“

Im Kloster gibt es am Beginn der Fastenzeit eine religiöse ‚Unterweisung‘ durch den Abt. Jeder Mönch sollte in der Fastenzeit ein religiöses Buch lesen, heuer verteilt der Abt eine kleine Broschüre über die Regel des Heiligen Benedikt. Mit Ausnahme des Verzichts auf Wein und Bier gibt es im Stift Seitenstetten kein gemeinsames Fastenprogramm, individuell sehr wohl.

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Auch Josef Schmidinger nimmt sich in der Fastenzeit alljährlich aus dem Alltagsleben zurück.
Penz

Eine ihm angemessene Form des Fastens hat auch Josef Schmidinger gefunden, der mehr als 20 Jahre Bankvorstand in der S Wohnbaubank und Generaldirektor der S Bausparkasse war. „Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn!“ So lautet eine von Theresa von Avila auf den Punkt gebrachte Lebensweisheit. Sowohl Verzicht als auch Genuss gehören zu einem erfüllten Leben.

„Fasten ist für mich aber nicht nur die Enthaltsamkeit von bestimmten Speisen oder Getränken, sondern auch das Zurücknehmen aus dem Laufe des Alltags. In der Fastenzeit versuche ich in mich hineinzuhören und Dinge zu sehen, an denen ich sonst immer vorbeilaufe“, sagt Schmidinger.

„Ich frage mich: Wo sind Änderungen in meinen Lebensgewohnheiten notwendig? Wo ist es für mich angebracht, zu verzichten, um nachher zu erfahren, dass oft weniger letztlich mehr ist? Damit kann ich mir beweisen, dass ich Herr über mich selbst bin. So bereite ich mich während der Fastenzeit auf mein ganz persönliches Osterfest vor“, verrät der in Strengberg wohnhafte Altseitenstettner.

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