Long Covid: St.Georgener Vize zieht sich zurück. Vizebürgermeisterin Gerlinde Fink leidet an Folgen ihrer Corona-Erkrankung.

Von Peter Führer. Erstellt am 09. Juni 2021 (05:59)

Zu einem Wechsel Ende August oder Anfang September wird es in der Gemeindepolitik kommen. Gerlinde Fink (44), seit 2010 Gemeinderätin und seit zwei Jahren Vizebürgermeisterin, zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Im Dezember des Vorjahres erkrankte Gerlinde Fink an Corona, bis heute kämpft sie mit den Folgen.

„Ich habe mich immer als energiegeladene, selbstbewusste und positiv denkende Frau und Mutter gefühlt, die neben dem Familienleben mit viel Freude ihren Beruf als Kindergartenleiterin ausübt. Durch meine Corona-Erkrankung Ende Dezember hat sich plötzlich mein gewohntes Leben sehr stark verändert. Es sind jetzt fast sechs Monate vergangen und es war mir die ersten Monate nicht bewusst, dass diese immer wiederkehrenden Erschöpfungszustände nicht plötzlich verschwinden“, erklärt die Leutzmannsdorferin.

„Beine fühlen sich an wie Wackelpudding“

Nach zwei Monaten Krankenstand und einem Reha-Aufenthalt leidet sie immer noch regelmäßig unter Erschöpfungszuständen mit Atembeschwerden, Druck in der Brust, Schwindel, Übelkeit und leichten Kopfschmerzen. Es gäbe gute, aber auch schlechte Tage. „Meine Beine fühlen sich dann an wie Wackelpudding und ich muss mich konzentrieren, um überhaupt gehen zu können“, berichtet Fink. Sie freue sich auch auf den Tag, wenn Geruchssinn und Geschmackssinn wieder zurückkehren.

Entscheidung reifte in den letzten Wochen

Die Entscheidung, sich aufgrund der starken Symptome aus der Gemeindepolitik zurückzuziehen, sei in den vergangenen Wochen gereift. „Seit Beginn meiner Erkrankung habe ich viele gute aufbauende und ehrliche Gespräche mit Bürgermeister Christoph Haselsteiner geführt. Er hat immer wieder versucht, mir den Druck zu nehmen, meine Aufgabe als Vizebürgermeisterin auszuüben, wenn es gerade gesundheitlich nicht möglich ist. Ich bin ihm sehr dankbar für sein Verständnis. Für mich bedeutet das, etwas aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben, das mir Freude bereitet“, erklärt Fink.

Im jungen Team Haselsteiner habe sie gerne mitgearbeitet. Sie schaue gerne auf die vielen Gespräche und Begegnungen in der Gemeinde zurück. Und auf die umgesetzten Projekte wie die vor Kurzem gelungene Umsetzung der B1-Radweg-Unterführung. Um zu verhindern, dass die Erschöpfungszustände als Corona-Folgeerscheinung namens „Post Covid with Fatigue“ chronisch werden, müsse sie nun allerdings kürzertreten. „Meine Gesundheit ist mir wichtig und vor allem möchte ich meinen Beruf im Kindergarten weiter ausüben können.

Da diese Folgeerscheinungen von Corona noch sehr jung sind, weiß man nicht, ob es ein Jahr oder 1,5Jahre oder länger dauern wird“, erklärt Fink. Ihrem Nachfolger wünsche sie viel Freude mit der neuen Aufgabe und dem Team weiterhin Elan bei der Arbeit für die Gemeinde.

Haselsteiner bedauert Abschied

Bürgermeister Christoph Haselsteiner bedauert Finks Abschied. Er betont, dass die Vizebürgermeisterin eine große Stütze beim Generationenwechsel gewesen sei. „Es ist sehr schade, dass sie ihre Tätigkeit beendet, aber die Gesundheit geht vor. Jeder soll sich die Zeit nehmen, um die Chance zu haben, wieder zu vollen Kräften zu kommen. Und auch eine Rückkehr ist ja nicht ausgeschlossen. Hier sieht man, wie langwierig eine Corona-Erkrankung verlaufen kann und dass es leider eben auch Spätfolgen geben kann“, sagt er. Die Zusammenarbeit habe jedenfalls immer sehr gut funktioniert. Er sei froh, dass Gerlinde Fink aber zumindest ihre Tätigkeit als Kindergartenleiterin fortsetzen werde.